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Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 08. Mai 2008 - 09/05/08

Ben X

Ein Film von Nic Balthazar


Drama um einen autistischen Jungen, der die virtuelle Welt liebt

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Belgien/Niederlande 2007, 90 Min.
Mit Greg Timmermans, Marijke Pinoy, Pol Goossen, Laura Verlinden
Nic Balthazar

Im Gespräch mit Regisseur Nic Balthazar (Windows Media Audio)






Synopsis: Der 16-jährige Ben leidet an einer autistischen Störung. Dies führt dazu, dass er von seinen Mitschülern gepiesackt und gequält wird. Er flüchtet sich in seine Onlinewelt, in der er am Liebsten seine Zeit mit dem Rollenspiel Archlord verbringt. Stundenlang hält er sich dort auf, er ist ein guter Spieler. In dieser virtuellen Welt lernt er auch Scarlite kennen, ein gleichaltriges Mädchen, gegen das er gerne antritt. Eines Tages spitzen sich die Dinge zu: Seine Klassenkameraden zwingen ihn zu strippen, filmen dies und stellen es ins Internet, und Scarlite will Ben im richtigen Leben treffen. Ben hält sein Leben nicht mehr aus, aber vielleicht kann ihn Scarlite retten?


Kritik: BEN X bedeutet auf Flämisch in Lautschrift soviel wie "Ich bin nichts." Das X steht aber auch für das Mysteriöse, Unbekannte. Das will Ben gern für Scarlite, die Unbekannte aus seiner virtuellen Welt des Archlord, bleiben, den attraktiven Avatar, in den er sich verliebt hat. Er weiß ja, es steckt ein echtes Mädchen dahinter, eines, das er gerne kennenlernen würde, doch er hat auch Angst davor. Denn Ben ist anders als seine Mitschüler, er hat eine autistische Störung. Sein Leben besteht aus den immer gleichen Ritualen, nur so kann er sich in der echten Welt einigermaßen zurecht finden. Von 5:45 Uhr bis 6:33 Uhr spielt er Archlord im Internet, dann steht er langsam auf, geht zur Schule.

BEN X wird aus der Perspektive Bens erzählt. So bekommt der Zuschauer einen faszinierenden Einblick in eine ihm eigentlich verschlossene Welt. In Bens Wahrnehmung vermischen sich verschiedene Welten. Es gibt die reale Ebene, die sich oft mit seiner Fantasieebene mischt. Da stehen etwa die Avatare aus Archlord vor dem Schulhof herum. Dämonisch wirken sie in ihren dicken Rüstungen. Als er von seinen Mitschülern erniedrigt wird, stellt er sich vor, diese zu foltern und zu quälen. Der Zuschauer muss mit Ben dessen Erniedrigungen erleiden. Bald schon drängt sich die Frage auf, ob der Film mit einem Amoklauf oder einem Selbstmord enden wird. Dass die ständigen Attacken seiner Mitschüler nicht folgenlos bleiben können, ist klar. Irgendjemand wird dafür bezahlen müssen.

BEN X gelingt es, diese Spannung aufzubauen. Durch das Spiel mit den verschiedenen Welten ist oft nicht klar, welcher Welt das, was im Film zu sehen ist, zuzuordnen ist. Lernt Ben Scarlite wirklich kennen und rettet sie ihn aus seiner misslichen Lage? Oder ist das hübsche Mädchen nur Ausgeburt seiner Fantasie?

Nic Balthazar nimmt sich in seinem ersten Spielfilm die Freiheit heraus, nicht nur mit Realitätsebenen, sondern auch mit filmischen Ausdrucksmitteln zu spielen. In dem Moment, in dem Ben das erste Mal Scarlite in einem belebten Bahnhof trifft, friert er etwa alle anderen Menschen einfach ein, lässt sie zu reglosen Spielfiguren werden. BEN X ist ein Film, der einiges wagt, der Untertitel lautet auch „Mut ist alles.“ Echt gespielte Sequenzen aus dem Archlord-Spiel sind in den Film eingebaut worden, nichts wurde extra designed, dafür hätte es gar kein Budget gegeben. Das funktioniert sehr gut. In Montreal wurde der Film gleich mit drei Preisen ausgezeichnet. Für Regisseur Nic Balthazar gleicht das, was mit BEN X passiert, einem Tagtraum. Sein Buch "Nichts war alles, was er sagte" verkaufte sich so erfolgreich, dass er ein Theaterstück ohne Budget konzipierte. Dies lief mit 250 ausverkauften Vorführungen so gut, dass ihm Belgiens größte Produktionsfirma MMG anbot, einen Film darüber zu drehen. In Montreal wurde er gefragt, ob er nicht seine Remake-Rechte nach Amerika verkaufen möchte. Nic Balthazar beschloss, doch sein eigenes Remake auch gleich noch selbst zu drehen, und sucht gerade Geldgeber.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 06-05-08
Letzte Änderung: 09-05-08