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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Kinostart 14. August 2008 - 02/09/08

Dr. Alemán

Ein Film von Tom Schreiber


Spannende, milieugetreue Geschichte um einen jungen deutschen Arzt in Kolumbiens Drogenhochburg Cali.

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(Deutschland 2008, 106 Min.)
Mit: August Diehl (Marc), Marleyda Soto (Wanda), Andres Parra (Héctor)

Synopsis: Medizinstudent Marc kommt nach Cali in Kolumbien, um dort an einem Krankenhaus sein praktisches Jahr zu absolvieren. Er ist jung, ungebunden, abenteuer- und erfahrungshungrig, aber er will auch ein guter Arzt werden. Im Krankenhaus muss er jedoch den ganzen Tag fast ausschließlich Schusswunden operieren, Cali ist ein Zentrum der Bandenkriege und Drogenkriminalität und zum Teil sind die Opfer noch halbe Kinder. Zum Ausgleich stürzt er sich in der Freizeit in das Vergnügungsviertel der fremden Stadt, missachtet die Warnungen seiner einheimischen Kollegen vor bestimmten Stadtbezirken und verliebt sich in Wanda, die einen Kiosk betreibt und sich um Straßenkinder kümmert. Bald ist er tiefer in die Narco-Szene eingetaucht, als er selbst wahrhaben will, und bringt sich und andere in Lebensgefahr.

Kritik: Mit seiner bissigen Karnevals-Satire „Narren“ (2003) hat Tom Schreiber schon gezeigt, dass genaue Milieuzeichnung und authentisch-atmosphärische Bilder seine Stärken sind. Auch hier taucht der Film gleich zu Beginn wild entschlossen ein in die kolumbianische Drogen-Hochburg Cali und spiegelt so auch ziemlich genau das Lebensgefühl und die Stimmung des jungen „Dr. Alemán“ Marc (August Diehl), der im Wortsinn auf alles sehr neu-gierig ist, was ihm die Fremde zu bieten hat. Euphorisierende Salsa-Musik und Latino-Lebensfreude sind zwar Klischees, aber sie sind auch real zu finden, und man kann sich davon durchaus in einer solchen Stadt mitreißen lassen, wie jeder Südamerika-Fahrer bestätigen kann. Bis dahin ist der Film auch stimmig und Marc eine glaubwürdige Figur, auf deren nächste Erfahrung und weitere Entwicklung man gespannt ist. Aber dann lässt er sich für einen Mittelklasse-Gringo doch etwas zu schnell und zu tief in das Banden- und Drogen-Milieu der Stadt verwickeln, und die Liebesgeschichte mit der Sozialarbeiterin Wanda (Marleyda Soto) erscheint allzu kalkuliert ins Drehbuch geschrieben. An dem was dann passiert, trägt er zu einem guten Teil selbst die Schuld, und seine sozialromantische Abenteuerlust erscheint nicht nur ziemlich naiv sondern auch egoistisch und rücksichtslos.

Was die Figur dennoch interessant macht, ist die von August Diehl zwar nervend, aber gerade dadurch überzeugend dargestellte Haltung, sich in dieser Stadt mit ihren eigenen Regeln zwar unvoreingenommen auf alles einlassen zu können, so als gehörte man schon dazu, dabei aber selbst nicht wirklich davon tangiert zu werden. Marc verhält sich so, als könne er spontan eintauchen und die Szene nach Belieben jederzeit wieder unbeschadet verlassen, frei nach dem Motto "Turn on, tune in, drop out", was aber schon zu Timothy Leary-Zeiten - und damals auf die Drogenerfahrung bezogen - nicht für jeden ein guter Rat war. Hier ist es eine Art anti-touristische Ich-bin-einer-von-euch-Einstellung, die gerade unter den nachhaltig Reisenden und wohlmeinenden Besuchern ferner Länder, die nicht weit genug auf Distanz zu den gemeinen Touristen gehen können, nicht selten anzutreffen ist.

Das kann nicht funktionieren und geht auch beim deutschen Doktor in Cali gründlich schief, so dass sein Eintauchen in das Fremde auf tragische Weise scheitert. Die teilweise anklingenden Vergleiche mit Filmen wie „City of God“ (2002) oder „Traffic“ (2000) gehen allerdings in die falsche Richtung, denn Tom Schreiber verfolgt keinen sozialkritischen Ansatz, ihm geht es um Milieu-Authentizität und die Psychologie seiner Hauptfigur. Auch wenn deren Scheitern am Ende vielleicht etwas überdramatisiert erscheint, so ist ihm doch eine spannend-unterhaltsame, kurzweilige Geschichte mit eigener Handschrift gelungen, die den neuen deutschen Film um eine außerdeutsche Facette bereichert.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 02-09-08
Letzte Änderung: 02-09-08