
Wdh. am Donnerstag 28. April um 14.45 Uhr

Japan - zu einer Zeit, als die Götter noch in Tiergestalten auf der Erde weilen. Die Menschen verlieren langsam den Respekt vor den geheimnisvollen Tiergottheiten und bedrohen deren Natur zu Gunsten ihrer eigenen Zivilisation. Eboshi, die Herrscherin über die Eisen-Stadt, will den göttlichen Wald roden, um wertvolle Erze zu bekommen. Aus diesen schmelzen die Bewohner der festungsähnlichen Stadt Eisen, um Schusswaffen herzustellen.
Außerdem muss sie - erpresst von einem Größenwahnsinnigen - Jagd auf den Kopf des mächtigen Waldgottes machen. Dieser ist ein Hirsch mit einem menschenartigen Gesicht und hat die Macht über Leben und Tod; nachts verwandelt er sich in der Dunkelheit in einen gigantischen seelensammelnden Nachtwanderer.
Die wütenden Tiere des prachtvollen Waldes wollen sich Eboshi nicht kampflos ergeben, sondern sammeln sich zu ihrer letzten großen Schlacht. Der junge Krieger Ashitaka kommt ihnen dabei zu Hilfe: Tödlich verwundet durch ein überdimensionales Wildschwein, das durch eine von Eboshis Kugeln verseucht und wild geworden ist, hatte er sich in der Hoffnung auf Heilung zum Waldgott aufgemacht. Dort lernt er die menschliche Wolfstochter San – auch ehrfürchtig Prinzessin Mononoke genannt – kennen, die bei einer mächtigen Wolfsgöttin lebt. Er verliebt sich in die geheimnisvolle Kriegerin. Seite an Seite versuchen sie, Eboshi von ihren mörderischen Plänen abzuhalten, in einem Kampf für die friedliche Koexistenz von Mensch und Natur.
Der vielfach preisgekrönte Film „Prinzessin Mononoke“ lief 1998 außer Konkurrenz im Wettbewerb der Berlinale und drei Jahre später kam er endlich in die deutschen Kinos. Miyazaki begeistert auch in diesem Film nicht nur durch seine phantastischen Bildwelten, sondern stellt ein weiteres Mal seine Ambitionen als intelligenter Geschichtenerzähler heraus: Die komplexe Handlung läuft – im Gegensatz zu westlichen Animationsfilmen – nicht auf ein plakatives Gut-und-Böse-Schema hinaus. Alle Protagonisten haben ihre positiven wie negativen Seiten; so handelt die eigentlich „böse“ Eboshi nicht selbstsüchtig, sondern zum Wohle ihrer Untergebenen, zu denen auch Geächtete wie Leprakranke und Prostituierte zählen. Und obwohl Miyazakis Ökobotschaft klar wird, zeigt er auch die Vorteile des Fortschritts wie Emanzipation und Sicherheit. Dass dieses vieldimensionale Konzept aufgeht, erreicht Miyazaki dadurch, dass er uns aus der Perspektive des ohnehin todgeweihten Ashitaka erzählt, der ein Beobachter zwischen den Fronten fernab von Zorn oder Vorurteilen ist. Obwohl er schließlich ins Geschehen eingreift, bleibt sein objektiver und versöhnender Standpunkt gewahrt. Trotz der komplexen Narration, der Länge von knapp über zwei Stunden und den zum Teil expliziten – wenn auch stets nachvollziehbaren – Gewaltdarstellungen, versteht sich „Prinzessin Mononoke“ als Kinderfilm, der gleichermaßen für Erwachsene geeignet ist. Miyazaki dazu: „Ich denke, dass Kinder mit Gewalt besser umgehen können, als Erwachsene es oft glauben. Angst und Schrecken gehören ebenso wie Freude und Trauer zur Erlebniswelt eines Kindes“.






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