Darren Aronofsky, der nach seinen Erfolgsfilmen „Pi“ und vor allem „Requiem for a Dream“ Ende der Neunziger zum Lieblingsregisseur der amerikanischen Kritiker avanciert war, hatte mit seinem letzten Film „The Fountain“, einem fantastisch-verrückten und wenig überzeugenden Werk, das vor zwei Jahren in Venedig als Weltpremiere gezeigt wurde, die Kritiker sehr enttäuscht. Heute rehabilitiert sich der Filmemacher mit „The Wrestler“, indem er seinen Stil radikal ändert: Während sein früheres Markenzeichen insbesondere Aufnahme- und Montageeffekte waren, schwört Aronofsky in seinem neuen Film auf eine absolut schlichte Regie, auf einen Klassizismus, in dem der Hauptperson Randy „The Ram“ Robinson die gesamte Aufmerksamkeit zuteil wird. Bei der Hauptperson handelt es sich um einen in den achtziger Jahren vergötterten Catcher, dessen Alltag der Regisseur 20 Jahre später beschreibt. Randy ist ein in die Jahre gekommener Koloss mit jugendlichem Geist im Ring, der kurz davor ist, sich von der Bühne der extrem gewalttätigen und blutigen (oft manipulierten) Kämpfe, bei denen er immer noch der Star ist, zu verabschieden. Aronofsky verfolgt in den ersten Szenen wie ein beeindruckter Kobold von hinten dieses mysteriöse Monster mit den langen blondierten Haaren und behält auch im weiteren Verlauf des Films ein Höchstmaß an ehrlichem und stets besorgtem Respekt und Demut gegenüber dem Riesen bei. So zieht Randy-Mickey Rourke meistens mit nacktem Oberkörper, zerfurchtem Gesicht, geschwollen, mit einem stählernen und gebräunten Körper, die Kamera an, wie Honig die Bienen. Im Hintergrund wird eine Welt der Kontraste gezeigt, einerseits das übersättigte Universum der Schreie und grellen Lichter auf der Bühne, und andererseits das Elend und die oft pathetische Niedergeschlagenheit hinter den Kulissen oder im Privatleben, insbesondere, als der Held die blutige Welt des Rings mit der weitaus anonymeren blutigen Welt hinter der Fleischtheke eines Supermarktes eintauscht.

Von Darren Aronofsky
(USA, 2008, 105 Min.)
Mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood
Wettbewerb

Olivier Bombarda
Regard Croisé
Synopsis: Randy "The Ram" Robinson ist ein Wrestler, der seine besten Tage in den Achtziger hatte, und nun eine Art Comeback versucht. Nun, 20 Jahre später, hat er ab und an einen Showkampf für hartgesottene Fans. Nach einem dieser Kämpfe bekommt er einen Herzinfarkt. Knapp überlebt er, aber der Arzt rät ihm dringend, mit dem Sport aufzuhören, der sein Leben bedeutet.
Kritik: THE WRESTLER fühlt sich an, als sei er ein Film von Clint Eastwood. Randy "The Ram" Robinson ist ein Held, dessen beste Tage vorbei sind. Er ist aber so sehr ein Wrestler, dass er nicht aufhören kann. Der Sport ist seine Lebenseinstellung, das Publikum seine Familie. Kein anderer Schauspieler könnte Randy "The Ram" so gut spielen wie Mickey Rourke. Wenn er "I hated the fucking 90's" sagt, dann klingt dies wie ein Geständnis. Am Anfang seiner Karriere wurde er als romantischer Wilder gehandelt. Einer, der an der Seite von Kim Basinger in dem Box-Office-Erfolg 9 1/2 WOCHEN (1986) brillierte, und in dem man schon eine Art Reinkarnation von James Dean sah. Doch dann stürzte er tief und wurde eine ganze Dekade lang kaum mehr gesehen in Hollywoodfilmen. In dieser Zeit trieb er allerlei Unfug, nicht nur mit seinen Bikerfreunden, und versuchte sich als Boxer.
Die Rolle des abgehalfterten Randy "The Ram", der von aller Welt schlicht Randy genannt werden will, ist Mickey Rourke wie auf den Leib geschrieben, auch physisch. Muskeln hat er zwar noch einige, doch versucht er seinen Körper mit allerlei Aufputschmitteln in Schwung zu halten. Blond gefärbt hängt sein Haar zottelig lang herab. Kaum vorstellbar, dass eigentlich Nicolas Cage diese Rolle übernehmen sollte, der Mann mit dem fixierenden Dackelblick. THE WRESTLER wäre nicht THE WRESTLER geworden, denn die Wahrhaftigkeit, die man diesem Film in jedem Moment anmerkt, hätte es so schlichtweg nicht gegeben. Durch die Koinzidenz, dass THE WRESTLER das Comeback eines der begabtesten Schauspielers der 80er Jahre geworden ist, der in den 90ern fast vollständig verschwunden wäre, bekommt der Film eine Bedeutung und eine sehr starke Intensität, die über den eigentlichen Film hinausweist, die für den Zuschauer spürbar und erfahrbar wird.
Auch die anderen Rollen sind bestens besetzt. Marisa Tomei spielt eine Stripperin im besten Alter, in die sich Randy verliebt. Auch diese fühlt sich zu ihm hingezogen, doch wagt sie nicht, eine Affäre oder gar Beziehung mit Randy zu beginnen, denn sie hat einen neunjährigen Sohn und kann sich nicht vorstellen, dass ein "Kunde" eine ernsthafte Beziehung mit einer Mutter haben will, die er in einer Stripbar kennen lernt. Evan Rachel Wood spielt mit angemessener Zurückhaltung Randys entfremdete Tochter.
Für THE WRESTLER nutzt Regisseur Darren Aronofsky, der in seinen vorherigen Filmen THE FOUNTAIN (2006) und REQUIEM FOR A DREAM (2000) eine ausgetüftelte visuelle Atmosphäre schuf, eine ganz neue Herangehensweise. Die flexible Handkamera von Maryse Alberti erlaubt Hauptdarsteller Mickey Rourke absolute Freiheit und nutzt so jeden spontanen Moment seines Spiels. Eine gute Entscheidung, denn THE WRESTLER ist ganz und gar Mickey Rourkes Film, in jeder Sekunde.
Gebannt bangt das Publikum mit ihm - ob es ihm gelingt, seine entfremdete Tochter nach Jahren der Abstinenz zurückzugewinnen, ob er die Liebe der Stripperin gewinnen wird, ob er einen normalen Job aushalten kann. Randy sinkt tief, er arbeitet in einem Supermarkt, wiegt Salate ab und schneidet Wurstwaren auf. In seinen guten Tagen flirtet er charmant mit den Kunden, bis einmal einer ihn erkennt. Er fragt ihn, ob er nicht Randy "The Ram" sei. Randy verneint, aber in dem Moment spürt er, dass er nichts in diesem Supermarkt verloren hat, schmeißt den Job und kehrt in den Ring zurück. Die Frau, die nicht wagt, ihn zu lieben, will ihn in letzter Sekunde aufhalten, denn ein Kampf könnte seinen Tod bedeuten. Doch Randy hört nur noch das vor Vorfreude vor dem Kampf johlende Publikum, wenn er sagt: "Die Welt da draußen, die verletzt mich. Hier verletzt mich niemand. Hörst du die Leute? Das ist meine Welt."
Nana A.T. Rebhan







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