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Freitag, 30. Mai 2008 um 21.00 Uhr

Das Gelübde

Der Dichter Clemens Brentano sucht 1818 die stigmatisierte Nonne Anna Katharina Emmerick auf, um ihre Visionen niederzuschreiben. Das Zusammentreffen führt beide in eine existentielle Krise...


Das Pressedossier zum Film
(pdf)

Der Dichter und Lebemann Clemens Brentano will nicht mehr Künstler sein. In der Hoffnung, ein besserer Mensch zu werden, hat er sich der katholischen Religion zuge-
wandt. Im Herbst 1818 - einer Zeit, die geprägt ist vom Konflikt zwischen katholischer Anti-Aufklärung und preus-
sischem Fortschrittsdenken - kommt er aus Berlin in das kleine Städtchen Dülmen im Münsterland, um dort die junge Nonne Anna Katharina Emmerick zu besuchen, die durch ihre Visionen und Stigmata bekannt geworden ist.

Als schlichter "Schreiber der Wunder Gottes" beginnt er, ihre Erfahrungen aufzuzeichnen. Steht er anfangs der Nonne noch skeptisch gegenüber - er kann nicht glauben, dass sie seit fünf Jahren nichts mehr gegessen haben soll und ihre Wundmale auf Brust, Stirn und Händen echt sind - ist er später völlig von ihrer Wahrhaftigkeit überzeugt. Denn je öfter er mit Anna spricht, desto mehr zieht sie ihn in ihren Bann.

Brentano erfährt nach und nach, dass nicht nur hinter seiner frommen Maske ein dunkler Schatten schlummert. So stellt das Zusammentreffen des Dichters und der Nonne für beide eine existentielle Begegnung dar. In einem Schweige-
gelübde versprechen sie sich niemals über das, was zwischen ihnen geschehen ist, zu sprechen.

Einen rätselhaft berückenden Romantikfilm, gleichermaßen Politthriller wie Kostümepos, hat Regisseur Dominik Graf geschaffen, der schwankend zwischen Misstrauen und Neugier die Kraft der unbedingten Überzeugung feiert. "Eine Huldigung, fast ein Akt der Heiligenverehrung", sieht "Der Spiegel" in Grafs neuestem Film.

Das historische Drama von Dominik Graf und Markus Busch basiert auf überlieferten Begebenheiten des Jahres 1818 im westfälischen Dülmen und auf Kai Meyers gleichnamigen Roman von 1998. Der deutsche Schriftsteller Clemens Brentano (1778 - 1842) zählt zu den Hauptvertretern der Frühromantik. Er schrieb Märchen, Romane, Novellen und Gedichte und brachte mit Achim von Arnim die Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn" heraus.

"Die Mystikerin des Münsterlandes" wurde am 3. Oktober 2004 von Papst Johannes Paul II. in Rom selig gesprochen. Anna Katharina Emmerick wurde jedoch nicht wegen ihrer überlieferten Visionen oder Stigmata zur Seligen erklärt. Entscheidend seien vielmehr ihre soziale Gesinnung, Nächstenliebe und christliche Konsequenz gewesen.

Dominik Graf gehört zu den renommiertesten und produktivsten Regisseuren Deutschlands. Er wurde bereits 1980 für "Der kostbare Gast" mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Zu seinen frühen Werken gehören "Die Katze" (1987, Deutscher Filmpreis in Gold) und "Tiger, Löwe, Panther" (1988, ausgezeichnet beim Fernsehfilmfestival Baden-Baden). Die Dokumentation "Denk ich an Deutschland - Das Wispern im Berg der Dinge" (1997) brachte ihm den Grimmepreis und den Bayerischen Filmpreis ein. Zuletzt machte er mit "Der Felsen" (2001), "Hotte im Paradies" (2002), "Kalter Frühling" (2004, Deutscher Filmpreis und Sonderpreis des Baden-Badener Fernsehfilmfestivals) und "Eine Stadt wird erpresst" (2006, Adolf-Grimme-Preis 2008) auf sich aufmerksam.

Der gebürtige Kroate Misel Maticevic in der Rolle des Clemens Brentano gehört mittlerweile zu Grafs festem Schauspielerpool. Er spielte in den ARTE-Koproduktionen "Hotte im Paradies", "Kalter Frühling" - an der Seite von Jessica Schwarz - und in "Eine Stadt wird erpresst". Zuletzt brillierte er in Niki Steins Drama "Die Todesautomatik" (2007).

Die Theaterschauspielerin Tanja Schleiff ist in den letzten Jahren immer mehr auch in Fernseh- und Kinofilmen zu sehen. 2003 bewies sie dem Kinopublikum ihre schauspielerische Leistung in "Der Untergang" (Regie: Oliver Hirschbiegel). Unter Dominik Grafs Regie war sie 2003 in "Die Freunde der Freunde" und drei Jahre später in "Der rote Kakadu" zu sehen. 2005 drehte sie mit Rainer Kaufmann den Film "Vier Töchter", der im Juni auf ARTE ausgestrahlt wird.

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Das Gelübde

Regie: Dominik Graf, Drehbuch: Dominik Graf, Markus Busch,
Kamera: Michael Wiesweg, Musik: Sven Rossenbach, Florian van Volxem, Kostueme: Barbara Grupp, Redaktion: Wolf-Dietrich Brücker, Andreas Schreitmüller, Schnitt: Claudia Wolscht; Ausstattung: Claus Juergen Pfeiffer; Maske: Nannie Gebhardt-Seele, René Jordan; Ton: Wolfgang Wirtz, Produktion: Colonia Media GmbH, Produzent: Winka Wulff, Michael Hild

Mit: Misel Maticevic (Clemens Brentano), Tanja Schleiff (Anna Katharina Emmerick), Arved Birnbaum (Pater Lambert), Anke Sevnich (Gertrud), Waldemar Kobus (Wesener), Michael Abendroth (Herr von Salm), Philip Quest (Von Salm Junior), Nadja Becker (Luise Hensel), Maren Eggert (Bettina von Arnim), Johann von Bülow (Pfarrer von Dülmen)

Fernsehfilm, Deutschland 2007, ARTE/WDR, Stereo, Erstausstrahlung, 16:9, 89 Minuten
ARTE strahlt diesen Film auch in einer untertitelten Fassung für Hörgeschädigte aus.

Erstellt: 29-04-08
Letzte Änderung: 02-06-08


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