Anfang Februar 2002 sind sich alle Umfragen einig: Chiracs Tage als Staatschef sind gezählt, den Sieg der Präsidentschaftswahlen am 21. April wird der amtierende sozialistische Premier Lionel Jospin davontragen.Inmitten der Wahlkampagne wird Charles Pelletier, der Chefredakteur eines TV-Nachrichtenmagazins, mit Simon Barrachet ein neuer Abteilungsleiter vorgesetzt, der zuvor beim kommerziellen Konkurrenzsender war. Simon hat nur eines im Sinn: Eine möglichst hohe Quote erzielen. Für eine exklusive Nachricht tut er alles, und sei es, falsche Informationen zu verbreiten. Charles, entsetzt über den Ausverkauf journalistischer Grundsätze, ist zum Widerstand entschlossen.
Wenige Wochen vor der Wahl erhebt der Marktführende französische Fernsehsender das Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung zum vorrangigen Thema: die Sorge über wachsende Kriminalität und Gewalt in den Straßen. Simon beschließt, mit dem Konkurrenzsender mitzuziehen. Ausgerechnet jetzt wird Charles an das Krankenbett seines Vaters gerufen und muss die Redaktion für längere Zeit verlassen. Er setzt seine letzten Hoffnungen auf Laurence Martinelli, die stellvertretende Chefredakteurin. Laurence, die das heimliche Zusammenspiel mit Politikern verabscheut, traut ihren Augen kaum, als sie entdeckt, wie selbst in ihrer Redaktion nicht mehr vor Manipulation zurückgeschreckt wird. Dieser breit angelegten Meinungsmache scheint sich kein Medium entgegensetzten zu können.
Mit einer Mischung aus fiktionaler Darstellung und Ausschnitten aus realen Nachrichtensendungen bietet Regisseur William Karel mit "Die Qual der Wahl" einen Blick in die Maschinerie der Macht. Sei es im politischen Wahlkampf oder in der kleinen Welt des Fernsehens: Überall herrschen eiskaltes Kalkül und politische Strategien. Dabei greift Karel auf seine Erfahrungen aus dem Jahr 1999 zurück: Damals drehte er eine Dokumentation über die Arbeit eines TV-Magazins von France 2. Gleichzeitig gibt er die tatsächlichen Ereignisse der Präsidentschaftswahlen von 2002 wieder, die das Erdrutschergebnis des ersten Durchgangs herbeiführten. Die rechtsextreme Partei von Jean-Marie Le Pen übertraf den amtierenden Premier, Sozialist Lionel Jospin, mit 16,8 Prozent der Stimmen um 0,8 Punkte und trat so mit Jacques Chirac (19,5 Prozent) in den zweiten Wahlgang ein.William Karel stellte als Regisseur und Autor schon mehrfach die Kulissen der Macht in allen seinen Facetten dar. Für den Dokumentarfilm "Histoire d'une droite extrême" (1998) erhielt er als Sondernominierung den Preis beim Internationalen Festival der Audiovisuellen Programme 1999 in Biarritz. Zu seinen Dokumentarfilmen gehören außerdem "Le monde selon Bush" (2004), "CIA: Guerres secrètes" (2003) und "Opération lune" (2002), für den er mit dem Adolf Grimme Award von 2003 ausgezeichnet wurde.
Das Drehbuch von "Die Qual der Wahl" schrieb Karel in Zusammenarbeit mit Olivier Gorce. Der versierte Drehbuchautor schrieb bereits die Dialoge für das TV-Drama "Offene Grenzen" (2002) und für den von ARTE koproduzierten Kinofilm "Eine einmalige Chance" (2003), beide von Jean-Marc Moutout.
Als vom Schicksal gebeutelter Fernsehjournalist mit Gewissen überzeugt Olivier Gourmet. Sein schauspielerisches Talent stellte er bereits in Filmen unter Beweis wie "Schnee von gestern" (2001), "Der Sohn" der Brüder Dardenne, Yolande Moreaus "Quand la mer monte" (2004), "Sauf le respect que je vous dois" (2005) und "La petite chartreuse" (2005). Er wurde mehrfach in der Kategorie bester Schauspieler ausgezeichnet, unter anderem beim Filmfestival in Cannes, beim Joseph Plateau Award und beim Internationalen Filmfestival Shanghai.
Anne Brochet, hier in der Rolle der engagierten Journalistin Laurence Martinelli, spielte schon 1990 in dem preisgekrönten Kinofilm "Cyrano von Bergerac" an der Seite von Gérard Depardieu. Es folgten Hauptrollen in "Germaine und Benjamin" (1995), "Gestrandet - der Liebe ausgeliefert" (1997) und in den Fernsehfilmen "Das Zimmer der Zauberinnen" (2000) und "Coup de vache" (2004). Auf ARTE war sie kürzlich in der TV-Produktion "Stoppt das Attentat!" (2005) zu sehen.
Freitag, 19. Januar 2007,um 20.40 Uhr
Die Qual der Wahl
(Poison d'Avril)
Frankreich 2006, ARTE F, Synchronfassung, Erstausstrahlung, 95 Min.
Regie: William Karel, Drehbuch: William Karel, Olivier Gorce, Kostueme: Caroline Dantheny, Ausstattung: Olivier Jacquet; Maske: Edith Amar; Ton: Henri Morelle, Produktion: Point Du Jour Production
Mit: Olivier Gourmet (Charles), Anne Brochet (Laurence), Bruno Todeschini (Simon), Grégoire Oestermann (Alban), Patrick Descamps (Ackerman), Valérie Leboutte (Alexandra)







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