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Freitag, den 21. Juli 2006 ab 20.40 Uhr

Die Affäre Dreyfus

("L'affaire Dreyfus")


Einer der Aufsehen erregendsten Skandale in der Geschichte Frankreichs war der Hochverratsprozess gegen den jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus. Die Affäre, die zu einer antisemitischen Hetzkampagne führte, wurde längst nicht politisch beendigt, als vor 100 Jahren, am 11. Juli 1906, das Urteil wieder aufgehoben wurde.
Aus diesem Anlass zeigt ARTE noch einmal den zweiteiligen Fernsehfilm "Die Dreyfus-Affäre". (Teil 2 direkt anschließend um 22.25 Uhr)

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Paris 1894. In der deutschen Botschaft erscheint Colonel Graf Esterhazy und bietet dem deutschen Militärattaché Baron von Schwartzkoppen an, für die Deutschen zu spionieren. Doch diese geheimen Dokumente der französischen Armee werden durch eine vom französischen Geheimdienst eingeschleuste Putzfrau in den deutschen Papierkörben entdeckt. Der Verdacht des französischen Generalstabs fällt jedoch auf einen anderen, den Hauptmann Alfred Dreyfus, zu dieser Zeit Praktikant im Generalstab. Obwohl ein Vergleich der Handschriften nicht den schlüssigen Beweis erbringt, dass Dreyfus der Verfasser der gefundenen Geheimkorrespondenz ist, ordnet der Kriegsminister Mercier seine Verhaftung an. Dass Dreyfus Jude ist, reicht dem Minister bereits als Beweis seiner Schuld.

Dreyfus wird gefangen genommen. General de Boisdeffre lässt Nachforschungen im Privatleben des Angeklagten anstellen, da die Beweise gegen Dreyfus dürftig bleiben und sich keine neuen finden lassen. Gleichzeitig beginnt eine Hetzkampagne der Presse gegen den Juden Dreyfus. Ein Jude als Verräter der französischen Nation ist ein gefundenes Fressen für die erstarkenden Kreise des französischen Antisemitismus. Mathieu Dreyfus gewinnt den Anwalt Edgar Demange für die Verteidigung seines Bruders vor dem Kriegsgericht. Demange entlarvt Stück für Stück die fadenscheinigen Indizien der Anklage. Demange hat das Gericht schon fast von der Unschuld seines Mandanten überzeugt, als der Kriegsminister Mercier ein geheimes Dokument ins Spiel bringt, das angeblich Dreyfus der Spionage überführt. Das Kriegsgericht verurteilt Dreyfus einstimmig zu lebenslänglicher Deportation nach Guyana und beschließt seine militärische Degradierung. Nach seiner Verurteilung wegen Hochverrat wird Alfred Dreyfus auf die Teufelsinsel deportiert - während seine Familie mit allen Mitteln um die Freilassung des Unschuldigen kämpft.

Die Affäre Dreyfus war eine der großen Krisen Frankreichs, die das Land an den Rand des Aufruhrs brachte. Sie spaltete Frankreich in zwei Lager, Emile Zola veröffentlichte die flammende Anklageschrift: "J'accuse" - "Ich klage an". Noch heute, 100 Jahre später, sind die tiefen Wunden nicht verheilt, denn die Affäre konfrontiert Frankreich auf der einen Seite mit der neuen Bedeutung der Intellektuellen, auf der anderen mit dem eigenen Antisemitismus, der in seiner Aggressivität und Borniertheit viele Parallelen zum Rassenhass im Deutschen Reich aufweist. Mit großem Aufwand in Szene gesetzt wurde die internationale Großproduktion - neben Frankreich und Deutschland sind auch Italien, Belgien und Tschechien beteiligt - von Yves Boisset. Der viel beschäftigte Regisseur darf mittlerweile als Spezialist für spektakuläre Justizskandale gelten, denn schon in seinem Film "Die Affäre Seznec" geht er einem in Frankreich ähnlich berühmten Fall nach.

Das Drehbuch zur Affäre Dreyfus schrieb der spanische Schriftsteller Jorge Semprún, der dafür beim Monte Carlo Festival die Silberne Nymphe erhielt. Semprún weiß, wovon er schreibt: Seine eigene Biografie ist eine unablässige Auseinandersetzung mit den Themen dieses Films: blindem Chauvinismus, Militarismus und Judenhass. 1923 geboren, floh er während des spanischen Bürgerkrieges nach Frankreich, kämpfte als Kommunist gegen den deutschen und spanischen Faschismus, bis er 1964 aus der spanischen KP ausgestoßen wurde. 1988 wurde er in Spanien sogar zum Kulturminister berufen. Neben dem in der Öffentlichkeit vor allem bekannten schriftstellerischen Werk, schrieb Semprún Drehbücher für Alain Resnais und Costa-Gavras.

Auch die Besetzung des Films ist glänzend: Pierre Arditi (César 1994; 1995 in "Smoking / No Smoking" von Alain Resnais und 1997 in "On connait la chanson", ebenfalls von Resnais) spielt den schillernden Spion Esterhazy.

Helmut Berger ist der opportunistische, etwas blasierte Baron von Schwarzkoppen. Helmut Berger ist einer der wenigen österreichischen Schauspieler mit internationaler Karriere. Visconti entdeckte ihn 1968 für "Die Verdammten" und drehte mit ihm "Ludwig II." (1973), und "Gewalt und Leidenschaft" (1974). Er hat mit den größten internationalen Regisseuren gearbeitet, unter anderem mit De Sica und Coppola. Zu letzt zu sehen war er in "Der Ermittler" (2005) von Markus Bräutigam.

Thierry Frémont, der Darsteller von Alfred Dreyfus, ist in Frankreich ein viel beachteter Schauspieler. 1986 erhielt er den César als bester männlicher Nachwuchsschauspieler.

Der Darsteller von Mathieu Dreyfus, Philippe Volter, ist in Deutschland vor allem durch zwei Filme von Kieslowski, "Die zwei Leben der Veronika" (1990) und "Drei Farben: Blau" bekannt geworden. Im Jahr 2005 verstarb er in Paris.


L'affaire Dreyfus
Spielfilm, Frankreich 1995, ARTE F, Synchronfassung
Regie: Yves Boisset, Drehbuch: Jorge Semprún, Yves Boisset, Kamera: Yves Dahan, Robert-Jacques Loiseleux, Kostueme: Catherine Gorne-Achdjian, Schnitt: Laurence Leininger; Ausstattung: Gilbert Gagneux; Ton: Michel Guiffan, Produktion: Anabase Productions-Expand Images
Mit: Thierry Frémont (Alfred Dreyfus), Laura Morante (Lucie Dreyfus), Helmut Berger (Schwartzkoppen), Philippe Volter (Mathieu Dreyfus), Pierre Arditi (Esterhazy), Christian Brendel (Picquart)

Erstellt: 30-06-06
Letzte Änderung: 20-07-06


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