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Dienstag, 06. Februar 2007 um 22.45 Uhr

Vor aller Augen

("Sous mes yieux")


James und Alison, ein junges Paar, warten darauf, eine neue Wohnung beziehen zu können. Bis es soweit ist, werden sie übergangsweise bei dem Einzelgänger Liam einquartiert. Dieser junge Mitbewohner geht so gut wie nie aus dem Haus und vertreibt sich die Zeit mit einem seltsamen Spiel: Er besitzt eine Webcam, mit der er praktisch jeden Moment festhält und direkt auf seiner persönlichen Internetseite präsentiert.


James und Alison, die Liams Alltag stören, werden zu seinen bevorzugten Filmobjekten. Das verliebte Paar zeigt eine freizügige Sexualität und ist Liams Verhalten gegenüber neugierig. Mit der Zeit entwickelt sich ein gestörtes Verhältnis zwischen den drei Protagonisten. Alison empfindet Spaß daran, sich von Liam filmen zu lassen. James ruft von seinem Büro aus Liams Homepage ab und lernt Alison so erst richtig kennen; vor der Kamera des jungen Mannes offenbart sie eine intime Seite und erwähnt ohne Umschweife ihre One-Night-Stands mit anderen Männern. James begreift schließlich, dass Alison ihn nicht so liebt, wie er dachte. Er macht es sich zur Gewohnheit, sich Liams Kamera anzuvertrauen, wenn dieser nicht da ist, und bekennt den Internetusern seine Angst, Alison zu verlieren. Durch die Kamera wird Liam Zeuge, wie die Beziehung des Paares zugrunde geht.

Virginie Wagon behandelt in ihrem Film das Thema der modernen Einsamkeit: obwohl in der heutigen Gesellschaft immer mehr Zugang zu unterschiedlichsten Kommunikationsmöglichkeiten besteht, breiten sich Introvertiertheit und zwischenmenschliche Kommunikationsarmut zunehmend aus. Dazu kommt, dass auch die Kontaktfreudigen aufgrund des forcierten Individualismus immer weniger die Unverbindlichkeit ihrer Beziehungen überwinden können.
Virginie Wagon, 1965 geboren, erarbeitete nach ihrem Diplom an der European Business School 1987 mehrere Reportagen und Magazine für das Fernsehen. Ihr erster Kurzfilm "Grandir" (1995) erhielt 1996 den Großen Preis des Festivals in Lille und wurde auch für andere Festivals ausgewählt, unter anderem Locarno und Clerment-Ferrand. Virginie Wagon arbeitete zusammen mit Erick Zonca an "Der kleine Dieb" (1999, auf ARTE im Januar 2004) und drehte selbst "Das Geheimnis", 2000 beim Filmfest in Avignon ausgezeichnet. "Vor aller Augen" ist ihr erster Fernsehfilm. Zuletzt führte sie bei den Dreharbeiten zu "Sie muss meine Tochter sein" (2006, auf ARTE im Juni 2006) Regie und wurde dafür mit dem Spezialpreis des Internationalen Karlovy Vary Filmfestivals in der Tschechischen Republik belohnt.
Jean-Baptiste Montagut, der den Liam spielt, stand 1998 für Oliver Assayas "Fin août, début septembre" erstmals vor der Kamera. Es folgten an der Seite von Isabelle Huppert "La vie moderne" (1999) und "Flucht wider Willen" (2000, auf ARTE am 14.09.2002). Nach "Vor aller Augen" wirkte er 2002 unter der Regie von Lucas Belvaux in "Un couple épatant" und "Après la vie" mit. Valérie Donzelli debütierte 1998 mit dem Kurzfilm "Herbert C. Berliner", bevor sie anschließend in den ARTE-Koproduktionen "Vaters Reich" (1999, auf ARTE am 15.03.2000) und "Martha...Martha" (2001), der 2001 in Cannes ausgezeichnet wurde, mitspielte. Zuletzt war er in den Kinofilmen "Ma Mère" (2004) und "Lady Chatterley" (2006) zu sehen.
Hugh Bonneville wirkte seit 1993 in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit. 2001 wurde er für die Rolle des jungen John Bayley in Richard Eyres "Iris" beim internationalen Filmfest in Berlin prämiert. Es folgten Rollen in so preisgekrönten Filmen wie Geoffrey Sax "Tipping the velvet" (2002) und Tom Hoopers "Daniel Deronda" (2002). Zuletzt spielte er in Susanna Whites "Love again" (2003), an der Seite von Claire Danes in "Stage beauty" (2004) und in "Man to Man" (2005).


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Vor aller Augen
(Sous mes yeux)
Fernsehfilm von : Virginie Wagon
Drehbuch: Virginie Wagon, Kamera: Pierre Milon, Kostueme: Virginia Vogwill, Ton: André Rigaut, Ausstattung: Brigitte Brassart, Produktion: Gmt Productions
Mit: Jean-Baptiste Montagut (Liam), Valérie Donzelli (Alison), Hugh Bonneville (James), Cherles Even (der kleine Junge), Bergamotte Thinot (das kleine Mädchen)
ARTE France, Frankreich 2002, 91 Min.
Wiederholung am 17. Februar um 1.00 Uhr

Erstellt: 31-01-07
Letzte Änderung: 31-01-07


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