- Synopsis
Der Hochglanzfotograf, Musikvideo- und Dokumentarfilmer David LaChapelle beobachtet in seinem Tanzfilm ein neues Streetdance-Phänomen von der amerikanischen Westküste, das „Krumping“.
- Der Kommentar zum Film
Sie nennen sich ‚Tight Eyez’, „Lil C“ oder ‚Tommy the Clown’, die Mitglieder jener konkurrierender Freestyle-Tanzgruppen aus South Central Los Angeles, die ihre Kämpfe nicht mehr waffenstarrend, sondern tanzend auf so genannten ‚Battlegrounds’, von Zuschauern umrahmten Asphaltarealen austragen. Die Begründer des neuen Streetdance-Phänomens nennen sich ‚Clowns’ und ‚Krumps’. Das „Krumping“ lässt sich von anderen, von der Musikindustrie längst in Form und Ausdruck banalisierten Hip-Hop-Tanzstilen - von den Krumpers abschätzig ‚bling-bling hip-hop’ genannt - am besten dadurch unterscheiden, dass ein solcher Auftritt pure, rohe, eruptionsartig hervorbrechende Energie hervorbringt. Am ehesten fühlt man sich emotional an Auftritte der ersten Breakdance-Artisten erinnert, die noch fern von jeder kommerziellen Intention stattfanden und pure Freude am Tanz vermittelten. Ein ‚Krumper’ vergisst sich und seine Umgebung, versetzt sich und seinen Körper in Momenten beispielsloser Willensanstrengung in eine Art Ausnahmezustand, der die Tänzer in ihren körperlichen Fähigkeiten über sich selbst hinauswachsen lässt. Bei ‚Krumping’-Tänzern gibt es folglich keine aufgepumpten Fitnessstudio-Muskelberge zu bewundern, sondern drahtige, sehnige Ausdauersportlerkörper. Diese scheinen unter den Augen von David LaChapelles aus nächster Nähe auf sie gerichteten Kamera in unerwarteten Energieausbrüchen förmlich zu explodieren.
Was David La Chapelle virtuos geschnittene und gedrehte Dokumentation über die Leinwand hinaus erfahrbar macht, ist die in Energie umgewandelte Wut, die in ‚Krumping’ enthalten ist. Entstanden als Reaktion auf die Rassenunruhen im Zusammenhang mit der Ermordung Rodney Kings durch die Polizei von Los Angeles 1992, greift der Tanz auf alte afrikanische Stammesriten zurück, um sie mit modernster, atemberaubender Athletik zu kombinieren. Während ihrer Auftritte tragen die Tänzer eine Art Kriegsbemalung, die sie als Mitglieder ihrer Truppe erkennbar macht und kampfesbereit erscheinen lässt. So verschafft sich der ausnahmslos der schwarzen Unterschicht entstammende Tänzer Respekt in einer Umgebung und die Möglichkeit für einen gut dotierten Auftritt in einem Werbespot oder anderem lukrativen Event. So hat die Kommerzialisierung von „Krumping“ – das zeigen auch der Internetauftritt von „Rize“ (www.rizemovie.com) und der teilweise sehr MTV-lastige Schnitt von LaChapelle- längst begonnen. Ob die Verwandlung von ‚Krumping’ in ein Massenphänomen der weiteren Entwicklung des Tanzstils gut bekommt, bleibt abzuwarten.
Doch LaChapelle hat in seinem ersten Kinofilm, der auf seinem preisgekrönten Kurzfilm „Krump“ aus dem Jahr 2004 beruht, Mühe gegeben, nicht nur auf seine künstliche Bilderwelt zu vertrauen, mit der sich unter anderem Christina Aguilera in „Dirty“ oder Britney Spears in ihrem Wiedergeburtsvideo „Everytime“ geschmückt haben. Er zeigt sich auch als sozial engagierter Dokumentarfilmer, wenn er auch den Alltag der Tänzer nach den ‚Battles’ zeigt, der von Einbrüchen und Schießereien überschattet ist. In Verbindung mit den stark stilisierten, teilweise verkitschten Bildern vom ‚Battle’-Finale der ‚Clowns’ gegen die ‚Krumps’ wirken LaChapelles soziale Hineinfühlversuche aber distanzlos und doch stark von dem Bemühen getrieben, einen möglichst massenkompatiblen Film herzustellen.
Martin Rosefeldt
- Das Bonusmaterial
Das Bonustrackmaterial gibt es bei dieser Special Edition auf einer eigenen DVD, und das aus gutem Grund: Hier gibt es noch mal richtig viel Bonusmaterial zu sehen und zu hören. Fans der schrägen „dance battles“ kommen auf ihre Kosten, denn unter „Extended Dances“ sind noch einige weitere, im Film nicht verwendete Tänze zu bestaunen. Bei „Deleted Scenes“ haben sich auch noch einige Perlen versteckt: Big X etwa gibt Schminktips für alle, die sich gerne mal eine afrikanische Kriegsbemalung ins Gesicht zaubern wollen. Vor und nach der Battlezone werden Backstage Jokes gerissen, und der Gewinner zieht von dannen, cool seine Trophäe schwenkend. Sehr amüsant ist auch die Szene „Dragon kocht Lasagne“. Wie seine Freunde beteuern, ist Dragon der langsamste Koch Amerikas, aber er dafür kocht er die beste Lasagne. So etwas braucht Zeit, manchmal auch viel Zeit...
Sehr informativ sind die diversen Interviews mit Regisseur David la Chapelle und seinen Darstellern. David la Chapelle ist bekannt für seine Cover diverser Modemagazine von The Face über Rolling Stone bis Interview und seine Videos für Robbie Williams, Christina Aguilera, Elton John und dergleichen Kaliber. Eine Dokumentation hat er jedoch noch nie vorher realisiert. Die Idee zuRize bekam David beim Dreh seines letzten Videos für Christina Aguilera. Dort gab es einige Tänzer für die er sich interessierte und die ihn direkt ins Ghetto zu Tommy The Clown brachten.
„David kam mit einer Vision. Mit etwas, was wir nicht sehen konnten, weil wir Teil davon waren, wir haben es gelebt.“ meinten diese, und nahmen sein Filmprojekt und ihn freundlich in ihrer Mitte auf. Auch für David war die Arbeit an Rize eine sehr positive Erfahrung: „Viele sagten: Im Ghetto herrscht große Armut. Ich fand es bereichernd. Ich hab Helden getroffen, darum geht es in diesem Film.“ Gegenüber seinen Darstellern wird er nicht müde zu betonen: „Der Film hat euch nicht zu Stars gemacht, das wart ihr schon.“ Dennoch hat RIZE das Selbstbewusstsein der tanzenden Jungs und Mädchen ordentlich gestärkt. In kleinen Nebensätzen wird manchmal deutlich, wie es um die Situation der Jungs bestellt ist, etwa wenn Kid – der eine recht große Rolle im Film spielt - sagt: “Ich hoffe, meine Mutter sieht den Film. Sie hat nicht viel Zeit, denn es gibt ja noch andere Geschwister. Sonst kaufe ich eben eine DVD für sie.“
Für das Filmfestival in Tribeca sind ein knappes Dutzend der Darsteller angereist, und geben in einer Q&A-Session nach dem Film Auskunft über sich selbst und die Dreharbeiten. Nach wie vor sind alle sehr froh darüber, Teil von Rize zu sein, denn: „Die Art, wie sie unser Leben eingefangen haben gibt uns die Möglichkeit zu sehen, worum es wirklich geht.“ Ein anderer meint staunend: „Ich freue mich immer noch darüber, dass mir so viele Leute zuhören, wenn ich rede.“
Dem Regisseur selbst gehört das Schlusswort, sein persönliches Resümee: „Ich musste diesen Film machen, genauso wie ihr tanzen müsst. Man macht es nicht für einen Preis, man macht es, weil es sich richtig anfühlt.“
Nana A.T. Rebhan

Rize USA, 2005, 85’
Rize - Uns hält nichts auf!
Label(Vertrieb): rapid eye movies (Alive AG)
Genre: Hip Hop Doku
Originaltitel: Rize
FSK: FSK 6
Kinostart: 20.10.2005
Regie: David LaChapelle
Darsteller: Tommy the Clown, Dragon, Muss Prissy, Tight Eyez,
Technische Daten:Sprache / Ton: DTS, DD 5.1 / Englisch
Bildformat:1,85:1 (16:9)
Untertitel: Deutsch
Sprache: Englisch, meist mit deutschen Untertiteln
Extras-Extended Dances
-Fotogalerie
-Kinotrailer & Teaser
-Rapid Eye Movies Contact
-Pictures coming to eat you
-Deleted Scenes
-Diverse Interviews
Set Inhalt: Digi-Pack + Mini-Poster
Laufzeit Bonus-Material: ca 95 Min.






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