(Frankreich, 2006, 1h35)Mit Louis Garrel, Ludivine Sagnier, Chiara Mastroianni, Clotilde Hesme, Grégoire Leprince-Ringuet
Synopsis: Alle Liebeslieder erzählen immer das gleiche:
„Zu viele lieben Dich“…
„Ich könnte niemals ohne Dich leben“…
„Sorry Angel“…
Im Gespräch mit...Christophe Honoré, über seinen Film
Louis Garrel, Ludivine Sagnier, Chiara Mastroianni, Clotilde Hesme, Grégoire Leprince-Ringuet
Der Trailer zum FilmKritik: „Alle Abweichungen von der Melodie stellen Formen menschlichen Verlangens dar, die Rückkehr zur Melodie (…) die Verwirklichung derselben“, sagte sinnesgemäß der Philosoph Schopenhauer. Dieses Zitat entspricht genau den Absichten von Christophe Honorés, die er mit „Les chansons d’amour“ verfolgt, einer Musik-Komödie, die er gemeinsam mit dem Komponisten aller seiner Filme, Alex Beaupain, geschrieben hat. Und Christophe Honoré gesteht das auch ein: Mit diesem Film versucht er zum ersten Mal, sich frontal mit den Gefühlen der Liebe auseinanderzusetzen, und aufgrund seiner unerschütterlichen Leidenschaft für „Die Regenschirme von Cherbourg“ von Jacques Demy konnte er sich nicht vorstellen, dass „die Figuren des Films ihre Gefühle anders als singend zum Ausdruck bringen“. Aus diesem Grund sollte der Zuschauer vor allem die musikalische Ausdrucksweise des Films beachten, einen - aufrichtig gesagt - eher unbeschwerten französischen Pop, untermalt jedoch mit ungleich düstereren Worten, die durch die Bildauflösung noch verstärkt werden, und die auch nicht verbirgt, dass das Budget dieser Produktion wohl etwas knapp bemessen war. Der Kontrast tritt umso stärker hervor, als Honoré seine Handlung auf einen konkreten und räumlich begrenzten Bereich konzentriert, das 10. Arrondissement von Paris, ganz und gar ungeschminkt in seiner Darstellung. Er filmt die Leute auf der Straße, die Arbeiter, hier einen Kunsttischler, da einen Obdachlosen, stets bemüht, das Konkrete der Dinge zu erfassen.
Diese fast dokumentarische Vorgehensweise stellt ein systematisches Paradoxon dar, das je nach Fall und Szene eine mitunter interessante Dissonanz hervorruft und sich oft störend auf den roten Faden der von den Figuren erlebten Liebesbeziehungen auswirkt. Letztere ist in der Tat so stark, dass sich der Zuschauer systematisch von einer reinen emotionalen Empfindung distanziert. Daher sind die wenigen sehr schönen Szenen des Films vor allem diejenigen, die sich erheblich von der Realität entfernen, das Erscheinen eines Gespenstes oder aber die musikalische Liebesszene zwischen zwei Jungen, vollendet durch die Sinnlichkeit der Bewegungen einer Kamera, die trotz der ansonsten vorherrschenden fixen Kameraeinstellung plötzlich so unbeschwert zu sein scheint. Den Schauspielern (an erster Stelle Louis Garrel) ist nichts vorzuwerfen, weder ihre Frische noch ihre Natürlichkeit, ob sie nun sprechen oder singen. Aber gleichzeitig geht von ihnen eine Art gestelzte Erbärmlichkeit aus, die aufzeigt, welche Schwierigkeiten Christophe Honoré mit dem riskanten Vorhaben hat, es allen recht machen zu wollen: Einerseits die Auseinandersetzung mit der empfundenen Liebe in fiktiver, ideeller Form (durch die Lieder) und andererseits ihre ständige Reduzierung auf etwas Hartes, Bitteres, Kompromissloses im alltäglichen Leben. In mancherlei Hinsicht, aber auch auf einem qualitativ weniger anspruchsvollen Niveau führt der Regisseur die Erfahrung Jacques Demys fort, der sich mit den gleichen tonalen Fragen in „Ein Zimmer in der Stadt“ auseinandergesetzt hatte. Weniger erfahren als der ältere Jacques Demy (und Alex Beaupain hat auch nicht das gleiche lyrische Format wie ein Michel Legrand), ist „Les chansons d’amour“ zwar ein mutiger und achtenswerter Versuch, aber leider doch nicht ganz gelungen.Olivier Bombarda







„Les chansons d’amour“ von Christophe Honoré – doch etwas enttäuschend. Ein mutiger, aber nicht ganz gelungener Film.
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