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Cannes 2009

Verfolgen Sie auf ARTE und arte.tv das Geschehen rund um das weltweit bedeutendste und glamouröseste Filmfestival! Ab 13. Mai 2009

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Cannes 2009 - Offizieller Wettbewerb - 22/05/09

Looking for Eric

Ein Film von Ken Loach


( Arte Bewertung: 3 ) Britische Arbeiterkomödie mit großem Wohlfühlfaktor, höchst unterhaltsam inszeniert und toll gespielt – auch von Manchesters Fußballstar Eric Cantona.

  • Interview arte.tv: Ken Loach und Eric Cantona
  • ARTE Kultur vom 18.05. - Looking for Eric

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Synopsis: Eric Bishop arbeitet als Briefsortierer bei der Post in Manchester und lebt mit seinen beiden Stiefsöhnen Ryan und Jess in einem kleinen Haus. Eric hat die Jungs nicht mehr im Griff, keiner räumt sein Zimmer auf, Ryan kifft zu viel und ist in krumme Geschäfte verwickelt, Jess hängt ständig vor dem Fernseher ab, nur seine Tochter Sam (Lucy-Jo Hudson), aus seiner ersten Ehe mit Lily macht gerade ihr Examen und hat Eric auch schon zum Großvater gemacht. Weil sie für die Prüfung noch lernen muss, bittet sie Eric, sich mit Lily – die Eric seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat – bei der Betreuung des Kleinen abzuwechseln. Das bringt ihn völlig durcheinander, denn er hat damals Lily ohne ersichtlichen Grund verlassen, und sie hat seither jeden Kontakt vermieden. Als Ryan dann auch noch von einem Gangster erpresst wird, eine Schusswaffe für ihn zu verstecken, wendet sich Eric in Gedanken an sein großes Idol, die Fussballikone bei Manchester United, Eric Cantona, der ihm auch prompt erscheint und mit Rat und Tat zur Seite steht – und auf seine Freunde aus der Arbeit und dem Fanclub kann er sich auch verlassen.

Looking for Eric
Ein Film von Ken Loach (GB, F, 2009, 119 Min.)
Drehbuch : Paul Laverty, nach einer Idee von Eric Cantona
Mit: Steve Evets (Eric Bishop), Eric Cantona (er selbst), John Henshaw (Meatballs), Stephanie Bishop (Lily)

Kritik: Ein einfacher Arbeiter in familiären Nöten, der sich sein großes Fussballidol herbeiträumt, und von ihm für die Lösung der Probleme gecoacht wird – das hätte leicht als sozial-romantischer Kitsch daneben gehen können. Nicht so bei Ken Loach, dem Meister des humanen, britischen Sozial-Realismus, der seine Figuren genau, liebevoll und glaubwürdig zeigt, und sich nie über sie lustig macht. Und damit das Menschlich-Allzumenschliche nicht zu aufdringlich wird, hat der Film genau in den richtigen Momenten eine wunderbare Komik, die allen immer ihre Würde belässt. Fussball-Idol Cantona, der sich selbst spielt, macht seine Sache als Psycho-Trainer gut, und zeigt Eric, dass manchmal der Pass wichtiger ist, als das Tor selbst zu schießen. Wenn dann der ganze Fanclub nach gemeinsamer Beratung mit einer irren Idee aufbricht, um Eric und Ryan aus der Patsche zu helfen, springt die Stimmung aus Arbeitersolidarität und Männerfreundschaft von der Leinwand über und sorgt für beste Stimmung im Kino.
Loachs Filme zeichnen sich alle durch diesen einfühlsamen, emphatisch-genauen Blick auf das Arbeiter-Milieu und die eher unterprivilegierten Menschen aus, woran auch sein langjähriger Drehbuchautor Paul Laverty natürlich einen großen Anteil hat. So heiter-gelassen und humorvoll hat er den rauen Alltag allerdings noch nicht gezeigt, und bei allem Vergnügen, das der Film bereitet, ist die Geschichte eben viel zu schön, um wahr zu sein. Nicht weil sich Eric, im Stil klassischer Hollywood-Komödien, einen starken Freund und Helfer herbei phantasiert – das funktioniert mit Eric Cantona wunderbar – sondern weil Erics Probleme sehr real und so leicht dann doch nicht zu lösen sind. Aber man darf ja ruhig auch mal träumen, dass alles vielleicht doch noch gut wird, erst recht, wenn es wie bei Ken Loach so unsentimental, lustig und meisterhaft leichthändig geschieht. Dafür muss man noch nicht mal Fan von Manchester United sein.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 06-05-09
Letzte Änderung: 22-05-09