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Berlinale 2007 - Wettbewerb - 16/09/08

Tu ya de hin shi

Ein Film von Wang Quan’an


Eine bleischwere ethnosoziologische Studie über den Mut einer Frau

(Tuyas Ehe)
Volksrepublik China 2006
Länge 92 Min.
Format 35 mm, 1:1.85
Mit:Yu Nan, Bater, Senge, Peng Hongxiang, Zhaya


  • Synopsis

Im Nordwesten der inneren Mongolei verschlechtern sich die Lebensbedingungen immer mehr. Auch vor dieser unwirtlichen Gegend macht die sich ausbreitende chinesische Industrie nicht halt, so dass die Regierung die Hirten zwingt, ihr Nomadenleben aufzugeben. Die schöne und selbstbewusste Tuya (Yu Nan) will ihr Weideland nicht verlassen. Doch mit ihrem behinderten Mann Bater ist das Leben sehr beschwerlich. Sie denkt daran, sich scheiden zu lassen und jemanden zu finden, der genügend Opferbereitschaft mitbringt, um sie bei der Arbeit zu unterstützen und sich auch um ihren ersten Ehemann zu kümmern. Doch von einem solchen Ansinnen will keiner der Anwärter etwas wissen.

Interview: Wang Quan’an
Interview: Yu Nan
(Windows Media)


  • Kritik

Gemeinsam mit der in China relativ bekannten Schauspielerin Yu Nan drehte Wang Quan’an bereits seinen letzten Film „The Story of Ermei“ (2004), der das Porträt einer kämpferischen Bäuerin zeichnete. Es scheint, als beschäftigte ihn Tuyas lehrreiches Unglück mehr als alles andere, denn der so angenehme Humor, der seine ersten Gehversuche als Regisseur kennzeichnete, scheint sich diesmal völlig in den endlosen Weiten des Schauplatzes aufgelöst zu haben. Nach typischem Schema entspricht der Rhythmus des Films dem ländlichen Leben der Protagonistin: Das Bäuerlich-Pragmatische spiegelt sich in Tuyas hartnäckigen Bemühungen, einen zweiten Ehemann zu finden, weil der erste nicht mehr in der Lage ist, die hundert Schafe auf der Weide zu hüten.

Zunächst scheint ein ebenfalls geschiedener Mercedes-Fahrer der Auserwählte zu sein, doch erweist sich dieser bald als enttäuschend. Das Glück kommt schließlich in Person des milden und schüchternen Nachbarn von Tuya, der von seiner käuflichen Frau verlassen wurde. Auch hier wieder Schema F, das Yu Nan wenig dient. Die Ausdruckspalette der Schauspielerin, die sie trotz Schleier, Stiefel und einem Schaf in jeder Hand und trotz der Schwierigkeit, sich des anekdotischen Charakters der Figur zu entledigen, zur Schau stellt, verlangt schon ein wenig Bewunderung ab. Doch vor lauter Bemühung um eine zurückhaltende, pädagogische Darstellung dieses entbehrungsreichen Lebens in Demut geschieht einfach zu wenig: Ein Film, in dem sich vor wunderschönem Panorama die Suche einer Frau nach einem der wenigen Männer dieses Landstriches abspielt, in dem aber auch die Leistung der Schauspieler häufig noch von Tuyas Kamel überboten wird.

Julien Welter


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  • Biographie Wang Quan’an

Geboren 1965 in Yanan, Shaanxi. Besuchte die Filmhochschule in Beijing und arbeitete nach seinem Abschluss 1991 für das Xian- Filmstudio, schrieb nebenher Drehbücher. Sein 2000 entstandenes und auf internationalen Festivals ausgezeichnetes Spielfilm - debüt YUE SHI/LUNAR ECLIPSE war 2002 im Berlinale-Forum zu sehen. Sein zweiter Film JINGZHE/THE STORY OF ERMEI (ebenfalls mit Yu Nan in der Hauptrolle) lief 2004 im Berlinale-Panorama.

Erstellt: 05-02-07
Letzte Änderung: 16-09-08