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Berlinale 2009

Verfolgen Sie vom 05. bis 15. Februar mit ARTE und arte.tv das Tagesgeschehen eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt.

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Berlinale 2009 - Wettbewerb - Außer Konkurrenz - 11/02/09

The Reader

Ein Film von Stephen Daldry


( Arte Bewertung: 3 ) Oscarnominierte Verfilmung des deutschen Bestsellers von Bernhard Schlink.

  • Trailer von "The Reader"

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Synopsis: Deutschland, Ende der 50er Jahre: Der 15-jährige Michael Berg lernt durch Zufall die Mitte 30-jährige Hanna kennen. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre miteinander, bis Hanna plötzlich verschwunden ist. Jahre später sieht er sie wieder - als Angeklagte. Ihr wird vorgeworfen, als KZ-Aufseherin gearbeitet zu haben und für den Tod von mehreren Hundert Menschen verantwortlich zu sein.

Kritik: Dem Professor für Rechtswissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität, Bernhard Schlink, ist etwas sehr Seltenes gelungen: Sein Buch "Der Vorleser" hat es auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times geschafft. Sein Roman ist ein komplexes Geflecht aus großen Themen. Er ist eine exzessive, ungewöhnliche Liebesgeschichte, eine Vergangenheitsbewältigung, eine Geschichte über den Holocaust. "Der Vorleser" wirft unendlich viele Fragen auf über Schuld und Verantwortung, Vergeben, Täter und Opfer.

Der Vorleser
USA/Deutschland 2008, 119 Min.
Regie: Stephan Daldry
Mit David Kross, Kate Winslet, Ralph Fiennes, Bruno Ganz, Hannah Herzsprung
Perfide ist es, dass Michael Berg später viel tiefer hineingezogen wird in den Prozess, in die Frage um Schuld und Unschuld, als ihm dies lieb ist. Dass er als unschuldiger Junge ein Verhältnis mit einer Frau eingegangen ist, deren Vergangenheit er nicht ahnen konnte. Ist er nun - viele Jahre später - Hannas Opfer geworden? Michael Berg wird nie eine ganz normale Beziehung zu einer anderen Frau eingehen können, er ist geprägt von seiner ersten großen Beziehung, seiner ersten großen Liebe. Wie adaptiert man so einen Roman für das Kino?

Stephan Daldry ("The Hours, "Billy Elliot") verfilmte den Roman nach dem Drehbuch von David Hare möglichst werkgetreu und versucht die Komplexität des Buches dabei beizubehalten. So teilt sich der Film in drei Episoden: Die Liebesgeschichte am Anfang, der Gerichtsprozess und die Rahmenhandlung, in der Ralph Fiennes Michael Berg mit meisterlicher Tristesse spielt. Allerdings spielt er so gut, dass einige der anderen Darsteller dagegen sehr verblassen, die ansonsten gute Schauspielerinnen sind, etwa Hanna Herzsprung als seine Tochter und Susanne Lothar als seine Mutter. Sehr gut dagegen hält sich der 19-jährige David Koss ("Knallhart") als der junge Michael Berg, dem man die innige Beziehung zu Hanna glaubt. Kate Winslet verkörpert Hanna Schmitz erschreckend überzeugend. Von Anfang an spürt man, dass sie ein dunkles Geheimnis in sich trägt und auch Michael, den sie immer nur "Jungelchen" nennt, erfährt etwa erst nach dem dritten wilden Sex ihren Namen. Kate Winslet wurde für ihre Rolle, in der sie auch einen Alterungsprozess von drei Jahrzehnten vollzieht für einen Oscar nominiert. Sie wurde bereits zum sechsten Mal nominiert, und diesmal scheint die 33-jährige Britin sehr gute Chancen auf eine Trophäe zu haben.

In Amerika wurde der Roman kontrovers aufgenommen. Manche werfen ihm vor, er wecke Verständnis für die Täterin, die bisweilen allzu naiv wirkt. Das stimmt, doch ist das Werk in der Beschreibung ihrer Figur nie einseitig. Immer sehen wir Hanna Schmitz auch als Monster, als kaltherzige KZ-Wächterin, die die Türen einer brennenden Kirche nicht aufgeschlossen hat, weil sie Angst hatte, dass die Gefangenen sonst fliehen könnten, Chaos ausbrechen könnte. Immer hat sie Angst gehabt, vor dem Unkontrollierbaren, auch bei Michael, ihrem "Jungelchen". Kate Winslet gelingt es, diese Figur ambivalent zu spielen. Hanna Schmitz ist sexy, böse, unschuldig und geheimnisvoll zugleich. Die unwiderstehliche Mischung, die in dieser Figur angelegt ist, sie findet sich auch in dem Roman und im Film und macht "Den Vorleser" so unwiderstehlich - und so erfolgreich.

Nana A.T. Rebhan

Die ARTE Sterne vermitteln Ihnen einen schnellen Überblick zu den besprochenen Filmen und zu den Bewertungen durch unsere Journalisten.

Erstellt: 02-02-09
Letzte Änderung: 11-02-09