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Berlinale 2009

Verfolgen Sie vom 05. bis 15. Februar mit ARTE und arte.tv das Tagesgeschehen eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt.

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Berlinale 2009 - Offizieller Wettbewerb - 15/02/09

Tatarak (Sweet Rush)

Ein Film von Andrzej Wajda


( Arte Bewertung: 3 ) Altmeisterlich komplex verschachteltes Drama um Alter, Einsamkeit und Tod.

  • Trailer von "Tatarak"

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Inhalt: Erzählt wird nach einer Novelle von Jaroslaw Iwaszkiewicz die Geschichte von Marta, die mit einem Kleinstadtarzt verheiratet ist und vor vielen Jahren ihre beiden Söhne beim Warschauer Aufstand verloren hat. Marta, deren Mann ihr nichts davon sagt, dass sie selbst tödlich erkrankt ist, sucht und findet noch einmal das Glück bei dem wesentlich jüngeren Bogus, mit dem sie wie ein Teenager am Flussufer herum spielt. Als Bogus ihr vom anderen Ufer ein großes Schilfbündel mitbringen will, hat er einen Schwächeanfall und ertrinkt vor Martas Auge.

Auf einer zweiten Handlungsebene denkt die Marta-Darstellerin Krystyna Janda in einem leeren Hotelzimmer in langen inneren Monologen über ihren verstorbenen Mann nach, den bedeutenden polnischen Kameramann Edward Klosinski, der an dem Film nicht mehr mitarbeiten konnte. Klosinski hat mit Wajda zusammen viele Filme gedreht, beide waren eng befreundet, und als er starb, entschlossen sich Wajda und Klosinskis Witwe Krystyna, ihm den Film zu widmen und diesen realen Verlust in Martas fiktive Filmgeschichte mit einzubinden.

Tatarak (Sweet Rush)
Ein Film von Andrzej Wajda (Polen 2009, 85 Min.)
Mit: Krystyna Janda (Marta / Schauspielerin), Pawel Szajda (Bogus), Jan Englert (Martas Mann)
Kritik: Polens Altmeister Wajda (der Klischeebegriff hat hier wirklich seine Berechtigung) – zuletzt mit „Katyn“ auf der Berlinale 2008 – benutzt souverän eine komplexe, metaphorische und allegorienreiche Bildsprache um über seine Themen von Alter, Tod, Einsamkeit und letztem Erblühen filmisch zu reflektieren. Die Figur der „realen“ Krystyna – die ja dennoch eine Filmfigur bleibt – die in ihrem einsamen, an Hopper-Bilder erinnernden Hotelzimmer um ihren Mann trauert, und die „fiktionale“ Figur der Marta werden in erlesenen, ausgeklügelten Montagen einander gegenüber gestellt, miteinander verwoben, und erinnern in ihren dialektischen Bezügen manchmal an einen anderen Altmeister, an Jean Luc Godard. Aber Wajda ist, was bei diesem Thema auch nicht wundert, wesentlich ernsthafter, schwermütiger, lädt jede Szene mit höchster Symbolkraft auf, die dem Film einen weiten Interpretations- und Assoziations-Spielraum öffnet, ja geradezu aufdrängt.

Zunächst einmal ist es gut und wichtig, dass es diese vom Verschwinden bedrohte Filmsprache der alten Schule noch gibt, und dass sie auf einem Festival präsentiert wird. Man kann aber sicher darüber diskutieren, ob der große Wettbewerb dafür der richtige Platz ist – ähnlich wie auf der anderen Seite des Spektrums, bei Sally Potters radikal-experimentellem „Rage“.

Aber Wajdas Film mutet eben nicht nur altmeisterlich, sondern trotz oder gerade wegen seiner konnotativen, betont wirkungsmächtigen Bilder auch etwas altmodisch an. Wie einem bedeutenden Gemälde in einem Museum, begegnet man dem Film mit großem Respekt, aber so, als sei er schon jetzt ein Stück Filmgeschichte. Natürlich kann man auch heute noch einen Film mit diesen, zum Teil von Wajda selbst erarbeiteten Mitteln erzählen, man muss aber damit rechnen, dass er sein Publikum nicht mehr erreicht.

Thomas Neuhauser

Erstellt: 14-02-09
Letzte Änderung: 15-02-09