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Berlinale 2009

Verfolgen Sie vom 05. bis 15. Februar mit ARTE und arte.tv das Tagesgeschehen eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt.

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Berlinale 2009 - Teddy Awards - 15/02/09

Der Preis ist heiß

ARTE zeigt die Höhepunkte der stets spektakulären, unkonventionellen und provokativen Teddy-Gala am letzten Tag der Berlinale, am 14. Februar um 23.30 Uhr.

  • Interview mit Joe Dallesandro

Als das „sicherlich heißeste Event der Berlinale“ bezeichnet Dieter Kosslick traditionell die Verleihung der Teddy Awards für das queer cinema, das schwul-lesbische Kino. Auch wenn sich Kosslick später bei der Preisverleihung scherzhaft als „militanter Heterosexueller“ outete, die Vergabe der bereits 23. Teddys in Berlins „schwangerer Auster“, dem Haus der Kulturen der Welt, geriet gewohnt unkonventionell und bunt. Auf dem roten Teppich wurden neben den „üblichen Verdächtigen“ wie Gloria Viagra, Georg Uecker und Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit mit Lebensgefährten vor allem die wie in den Jahren zuvor nur mit Smokinghose und Fliege bekleideten Muskelboys der sponsernden Brauerei sowie die aufwändig verkleideten „Schwestern der perpetuellen Indulgenz“ umringt und fotografiert – dabei fand sich die schrillste Gestalt in Form eines mit Leder-Fetischmaske und Zebrajackett zur Unkenntlichkeit Kostümierten unter den Fotografen selbst.

Teddy für den besten Spielfilm 2009
"Raging Sun, Raging Sky" (Rabioso sol, rabioso cielo)
von Julián Hernández

Bei ersten Getränken konnten dann weitere skurrile Szenen beobachtet werden: Während Jury Präsidentin Tilda Swinton, die bereits im letzten Jahr mit einem Spezial-Teddys geehrt worden war, bei ihrer Ankunft sofort von einer Presse-Wolke verschluckt wurde, versuchte sich ihr attraktives „Arm-Candy“ Sandro an einem Scherz und fotografierte seine Liebste beim fotografiert werden. Als aber niemand den trendigen Jüngling im Schottenrock bei seinem Tun beachtete und als ebenfalls prominent enttarnte, griff er verlegen zum Mobiltelefon um wenigstens den Anschein des Beschäftigtseins zu wahren.
Nachdem dann Nina Hagen mit Romy Haag und Hinz mit Kunz gebusselt hatte, ging es in den Festsaal zur Verleihung – wobei die Presse ausquartiert im muffigen Theatersaal eher stimmungsfrei einer Live-Übertragung auf Leinwand folgte. Durch den Abend führte wieder Annette Gerlach, die irgendwann nicht umhin konnte, sich über ihre eigenen Versprecher zu amüsieren und die Zeremonie durch zahlreiche – nicht immer ganz freiwillige – Pointen bereicherte.

Teddy für den besten Dokumentarfilm 2009
"Fig Trees" von John Greyson.

Nachdem der „Siegessäule Publikums Award“ an die queere Beziehungen im Spannungsfeld Israel-Palästina porträtierende Dokumentation „City of Borders“ verliehen worden war, ging es an die Vergabe der eigentlichen Tedddys – immerhin die weltweit bedeutendste Auszeichnung für Kino mit schwul-/ lesbisch-/ transgender Hintergrund und die einzige auf einem A-Festival. Im Rahmen dieses Forums erhielten im Lauf der letzten 23 Jahre Filmemacher wie Pedro Almodóvar, Gus van Sant oder Francois Ozon einen wichtigen Karriereschub und dementsprechend neugierig wird man den weiteren Weg der diesjährigen Gewinner verfolgen. Die jeweils mit 3000 Euro dotierten, nach einer Vorlage der schwulen Comic-Ikone Ralf König gestalteten sympathischen Bärchen gingen im Bereich Kurzfilm an Barbara Hammers „A horse is not a mataphor“, im Bereich Dokumentar- bzw. Essayfilm an John Greysons stilistisch ungewöhnliche Doku-Oper „Fig Trees“ über die AIDS-Aktivisten Tom McCaskell und Zackie Achmat und in der Kategorie Spielfilm an Julian Hernández für sein neues Werk „Raging Sun, Raging Sky“. Hernández, der bereits 2003 mit dem Spielfilm-Teddy ausgezeichnet wurde, erzählt in dieser mythischen Romanze eine schwule Liebe, deren Intensität Raum und Zeit zu transzendieren vermag, deren Beständigkeit aber durch einen neuen Mann und neue Herausforderungen geprüft wird.

Der Teddy für den besten Kurzfilm 2009
"A Horse Is Not A Metaphor" von Barbara Hummer

Special-Teddy 2009
Joe Dallesandro

Standing Ovations erhielt Schauspieler John Hurt („Der Elefantenmann“), der für seine wiederholte Ausnahme-Verkörperung von Quentin Crisp, zuletzt im Panorama-Biopic „An Englishman in New York“, den erstmalig vergebenen „Best Acting Performance“-Teddy erhielt und sichtbar bewegt war. Emotionaler Höhepunkt des Abends aber war die Vergabe des Ehrenpreises durch den zu Tränen gerührten Wieland „Daddy of the Teddy“ Speck an Joe Dallesandro: Auf der diesjährigen Berlinale als Schauspieler in einem Catherine Breillat-Film und in einer Dokumentation über sein leben zu sehen, wurde Dallessandro vor allem als Muse von Andy Warhol und Paul Morrissey geehrt, dank dem männliche Leinwand-Sexualität sich für immer veränderte und der nicht zuletzt durch das Stones-Album „Sticky Fingers“, dessen legendärem Reißverschluss-Cover er seinen Unterkörper lieh, zur Legende wurde. Abschließend intonierten alle gemeinsam – unterstützt vor allem durch die Stimmgewalt Nina Hagens – das berühmte „Walk on the wild side“, das Lou Reed seinerzeit über und für Joe Dallesandro schrieb. Und endlich, nach zwei Stunden Zeremonie und unzähligen Show Acts verschiedener Qualität – besonders beeindruckend hier der Base Berlin-Shootingstar Eike von Stuckenbrok und der „Best Drag Act“ Joey Arias, die bereits mit Klaus Nomi, David Bowie und Iggy Pop performte – konnten die bereits party-hungrigen Gäste richtig loslegen und die Lounges und Dance Floors mit geballter Queer-Power füllen.

Kyra Scheurer

Erstellt: 14-02-09
Letzte Änderung: 15-02-09