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Filmfestival

Vom 7. bis 17. Februar findet die diesjährige Berlinale statt, Stars und Sternchen aus dem Filmgeschäft geben sich die Ehre am Potsdamer Platz.

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Internationale Filmfestspiele Berlin 2008 - Wettbewerb - 01/09/08

Katyn

Ein Film von Andrzej Wajda


Ein wichtiger Film gegen das Vergessen von Polens Altmeister des politischen Dramas

Synopsis: Der Film erzählt die Geschichte jener fast 15.000 polnischen Offiziere, die vom sowjetischen Geheimdienst NKWD im Frühjahr 1940 bei Katyń ermordet wurden, sowie vom Schicksal ihrer Familienangehörigen, die oft jahrelang auf die Heimkehr ihrer Ehemänner, Väter, Söhne oder Brüder warteten. Nach dem Überfall durch die deutsche Wehrmacht am 1. September 1939 und der Besetzung Ostpolens durch die Rote Armee als Folge des Hitler-Stalin-Pakts wenige Wochen später gerieten alle Offiziere der polnischen Armee – aber auch zahlreiche Reservisten, Polizisten und Intellektuelle – in sowjetische Gefangenschaft. Darunter befindet sich Andrzej, ein Offizier, der sich geweigert hat, mit seiner Frau Anna und seiner Tochter Nika zu flüchten, weil gegenüber der Armee einen Eid geschworen hat, den er über das Ehegelöbnis stellt. Dann werden in Krakau auch die Professoren verhaftet. Der Film pendelt nun zwischen sowjetischem Gefangenenlager und Krakau. Im April 1943 verlesen die Deutschen über Lautsprecher die Totenlisten aus den Massengräbern, die die Wehrmacht gefunden hat. Andrzej fehlt, und Anna macht sich Hoffnungen, dass Andrzej das Massaker überlebt hat.

Der Trailer zum Film

Kritik: In Polen wusste man schon lange, dass es in diesem Fall mal nicht die Deutschen waren, die dieses ungeheure Kriegsverbrechen begangen hatten, sondern dass die Kriegsgefangenen auf Befehl Stalins ermordet wurden. Aber erst nach dem Fall der Sowjetunion konnte man in Polen die Wahrheit offen aussprechen. Polens großer Regie-Altmeister Andrzej Wajda hat die Geschichte nun aus der Perspektive der Offiziersfrau Anna erzählt, die vergeblich auf die Rückkehr von Andrzej wartet: dass er auf der Liste fehlte war nur einer Verwechslung geschuldet. Es ist ein klassisches Kriegsdrama geworden, mit großen Charakteren, tragischen Konflikten und einer wuchtigen Anklage und selbstverständlich mit filmisch-handwerklicher Meisterschaft. Das mag vielleicht alte Schule sein, ist aber der Geschichte angemessen und erinnert von der Erzählhaltung her an Filme wie Polanskis „Der Klavierspieler“.

Ein guter und wichtiger Film, aber manchmal vielleicht doch zu didaktisch-aufklärerisch angelegt, um auch ein Publikum zu erreichen, dass nicht von vorneherein ein historisches Interesse mitbringt. Die Konfliktsituationen in die Wajdas Figuren hier geraten sind die bekannten und konventionellen: wie verhalte ich mich in einem besetzten Land gegenüber dem Feind, wie weit leiste ich Widerstand und wie weit kooperiere ich, um zu überleben und meine Kinder zu schützen. Ein politisches Plakat von der Wand zu reißen, oder die Katyń-Lüge und die Propaganda der Roten Armeee entlarven zu wollen, erscheint zumindest aus heutiger Sicht ziemlich naiv. Aber vielleicht können wir in so langer Friedenszeit im Westen Aufgewachsenen uns auch nicht mehr vorstellen, welche Bedeutung eine auch nur symbolische Widerstandhandlung in einer solchen Zeit hat. Daran erinnert der Film auch und das ist neben seinem aufklärenden Anliegen auch ein großer Verdienst. Einwände gegen die konventionelle Form und Erzählweise spielen da eine untergeordnete Rolle, solche Filme gegen das Vergessen kann es nicht genug geben.

Thomas Neuhauser
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Katyn
Polen, 2007, 118 Min.
Regie: Andrzej Wajda
Darsteller: Maja Ostaszewska, Artur Zmijewski, Andrzej Chyra, Jan Englert, Danuta Stenka

Erstellt: 08-02-08
Letzte Änderung: 01-09-08