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Venedig 2005 - Orizzonti - 07/09/05

Workingman's Death

Ein Film von Michael Glawogger


Ein Dokumentarfilm
über Schwerarbeiter

Österreich/Deutschland 2005, 122 Min.
Mit Hunderten von Arbeitern

Synopsis: Michael Glawogger porträtiert in fünf Ländern - Ukraine, Indonesien, Pakistan, Nigeria und China - Schwerstarbeit von Männern.

Der Trailer zum Film

Kritik: Während die manuelle Schwerarbeit in europäischen Breitengraden in der technologisierten Welt am Anfang des 21. Jahrhunderts fast schon ausgestorben ist gibt es immer noch viele Länder, in denen sie zur Tagesordnung gehört. Michael Glawogger nimmt uns mit auf eine Reise in fünf Länder, und porträtiert die dortige Arbeit und ihre Arbeiter. In der Ukraine etwa arbeiten Männer unter extremen Bedingungen in Bergwerken. Im Liegen nehmen sie ihr Frühstück ein, denn die Stollen sind vielleicht gerade einmal einen Meter hoch. Sie erinnern am ehesten an die klassischen Arbeiter der Sowjetunion, die Glawogger vor Augen hatte, als er mit seinem Projekt begann. Der Film Enthusiasm : Sinfonya Donbassa von 1932 - der in Glawoggers Film zitiert wird - setzt ihnen ein Denkmal. Dort kommen sie zu Wort, betonen, wie stolz sie auf ihre Arbeit sind, und geloben, bis zum Ende des Jahres etliche Tonnen über dem Soll zu liefern.

Von diesem Stolz ist den Arbeitern in Workingman's Death viel geblieben. Am Beeindruckendsten ist die Episode aus Nigeria: Auf einem riesigen Platz werden Kühe und Ziegen geschlachtet. Die Arbeitsteilung ist perfekt organisiert, einer schlachtet, ein anderer trägt die abgeschlagenen blutenden Kuhköpfe quer über den Platz und wirft sie auf einen Haufen. Ein weiterer ritzt mit einem Messer die Initialen des Besitzers in den Kopf, der dann über einem offenen Feuer geröstet wird. Ein Arbeiter, der den ganzen Tag lang mit einer Bürste das Blut von Ziegenleibern (ohne Kopf) schrubbt erklärt, dass er stolz auf seine Arbeit ist, denn „sie macht ihn zu einem besonderen Menschen.“ Dicke schwarze Rauchschwaden der vielen offenen Feuer, die die Millionen von Tierhaare versengen steigen in den Himmel hinauf. Ganz zuletzt zeigt eine Aufnahme aus der Vogelperspektive das chaotische Treiben von oben. So könnte man sich die Hölle vorstellen, wären da nicht die Arbeiter, die so stolz sind auf das was sie tun. Dies bringt einen zum Nachdenken - über die eigene Arbeit, und den Wert, den man ihr beimisst.

In Indonesien folgt die flexible Steadycam-Kamera unablässig den Füssen der Träger, die um die Hundert Kilo Schwefel transportieren, von morgens bis abends. In Körben, die an einer Stange befestigt sind und die sie sich auf die Schultern legen. Der Weg ist lang, steil und beschwerlich. Bezahlt wird nach Kilogramm. Den Weg säumen auch die Touristen, die mit ihren DV-Kameras die archaisch anmutenden Arbeiter filmen. Abends sitzen die Träger beisammen und reden darüber, welche Bordelle gut sind, und wie viel man wo für sein Geld bekommt. Einer ist Bon Jovi Fan, aber eine CD von ihm ist zu teuer, das kann er sich nicht leisten. Es gibt nur wenige Interviews in diesem Films, meistens wird der Text auf die Handlung der redenden Menschen gelegt. Glawogger beobachtet die Arbeiter, lange und ausgiebig. Dabei findet der Regisseur, der manchmal auch selbst als Kameramann tätig ist höchst beeindruckende Bilder. Workingman's Death zeigt nicht nur fast ausgestorbene Tätigkeiten. Er konfrontiert uns auch mit unserer eigenen Einstellung zur Arbeit. Ein Thema, das jeden Menschen angeht, ein Leben lang. Wie sagte William Faulkner doch so schön: „Wir können nicht acht Stunden am Tag essen, trinken oder Sex haben – alles was man acht Stunden lang pro Tag machen kann ist arbeiten. Das ist der Grund, warum die Menschen sich selbst und andere so elend und unglücklich machen.“

Nana A.T. Rebhan


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Workingman's Death
Österreich/Deutschland 2005, 122 Min.
Buch und Regie: Michael Glawogger
Mit Hunderten von Arbeitern
Orizzonti/ Arte Co-Produktion

Erstellt: 30-08-05
Letzte Änderung: 07-09-05