(Österreich)
Darsteller: Maria Hofstätter, Erich Finsches, Gerti Lehner
Offizieller Wettbewerb Venedig 2001
![]() | Szenenbilder aus Hundstage |
Ulrich Seidl (Regisseur) über Hundstage
Koproduktion: Allegro Film Produktions GmbH, Coproductions Office, ZDF/ARTE
Interview: Martin Rosefeldt, Vittoria Matarrèse/ Schnitt: Jeremie Boucris
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Der Kommentar zum Film
Der österreichische Spielfilm Hundstage bringt das ans Licht, was sich in einem gutbürgerlichen Vorort hinter der Stille eines hochsommerlichen Wochenendes, den sogenannten Hundstagen, verbergen kann. Die Hauptpersonen sind: ein Rentner und seine Haushälterin, eine junge Frau und ihr jähzorniger Freund, der sich nur für sein Auto interessiert, eine Lehrerin, die mit ihrem Lebensgefährten, einem prahlerischen Biertrinker, eine sadomasochistische Beziehung pflegt, ein Ehepaar, das auch nach der Trennung unter einem Dach lebt, und die triebhafte Tramperin Anna, die oft von Herrn Hruby mitgenommen wird, einem Fachmann für Alarmanlagen, der sich aus einer makaberen Vandalismus-Affaire herausmanövrieren muss.
Ulrich Seidl ist ein Regisseur, dessen Sarkasmus nur durch die Präzision seines Erzählstils übertroffen wird - eine Fähigkeit, die er als renommierter Dokumentarfilmer meisterhaft beherrscht. Überhaupt wird man an die beißende Ironie und die messerscharfe Präzision anderer österreichischer Erzählkünstler wie der Schriftsteller Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek und des Regisseurs Michael Haneke (der kürzlich Elfriede Jelineks "Klavierspielerin" verfilmte) erinnert. Mit der Genauigkeit eines Insektenforschers beobachtet Seidl eine Kategorie der österreichischen Bevölkerung und schildert die Konsequenzen ihrer Verhaltensweisen. Bei aller Situationskomik (ein junger Mann, der auf seine Freundin einprügelt, ein Rentner, der seiner Hausangestellten beim Striptease zusieht) bleibt offen, ob Seidl diese Szenen neutral-soziologisch schildert oder ihnen etwas mehr Menschlichkeit verleihen will. Dieses bewusste Sichnichtfestlegen löst beim Zuschauer entweder Heiterkeit, auch Bewunderung für die Konsequenz des Regisseurs - oder auch Irritation, Widerwillen oder Gleichgültigkeit aus. Doch sehenswert ist der Film schon allein als eine der seltenen Milieustudien eines Österreichers über seine Landleute.
Julien Welter









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