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Cannes 2007 - Un Certain Regard - 11/09/08

Kuaile Gongchang

Ein Film von Ekachai Uekrongtham


Drei Episoden aus Singapores Rotlichtbezirk

(Pleasure Factory)
Singapore 2007, 88 Min.
Mit Yang Keui-Mei, Ananda Everingham, Loo Zihan, Xu Er

Synopsis: Geylang ist der Rotlichtbezirk Singapores. Hier treffen sich die, die Lust suchen, und die, die sie ihnen bieten. Alles läuft geradezu mechanisch ab, mit einem festgelegten Ende. Doch was, wenn die Mechanismen der Lustfabrik einmal aus dem Rhythmus geraten oder gar still stehen?

Kritik: In drei parallel erzählten Geschichten widmet sich der thailändische Regisseur Ekachai Uekrongtham verschiedenen Perspektiven der Lustfabrik Singapores. Da gibt es etwa Jonathan, einen jungen Mann, der noch nie mit einer Frau Sex hatte und sich von einer jungen Chinesin in diese Freuden einweisen lässt. Ein Fremder sieht ein junges Mädchen, das Kondome kauft und folgt ihr. Ganz am Ende des Films wird sie schlafend bei ihm in der Wohnung liegen. Die dritte Episode folgt einer Prostituierten im roten Kleid, die durch ihre charmante Art gutes Geld verdient. Sie zahlt für einen speziellen Song eines Gitarrespielers und nimmt diesen mit in ihre Wohnung. Den Song wird er nie spielen.

Sensibel, ruhig und beobachtend nähert sich Ekachai Uekrongtham seinen Charakteren. Diese basieren auf Recherchen, die der Regisseur im Geylang District geführt hat. Da gibt es etwa Jonathan, der zum ersten Mal zum Sex hat. Er hat sich gut vorbereitet, hat ein halbes Dutzend Kondome in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Farben besorgt, mal mit, mal ohne Noppen. Eine der schönsten Szenen des Films zeigt ihn im Zimmer des Stundenhotels sitzend. Er wartet darauf, dass die Prostituierte aus der Dusche zurückkommt und ist völlig nervös. Zieht sich die Unterhose aus, spielt an sich herum, zieht sie wieder an...

Ekachai Uekrongtham zeigt in PLEASURE FACTORY Momente, in denen die Lustfabrik aus dem Rhythmus gerät, in denen die Mädchen nicht funktionieren wie sie sollen oder die Männer noch nicht wissen, wie sie sich zu verhalten haben, und genau das macht diesen Film aus. Er bedient nicht das übliche Klischee cooler Erotik, sondern erzählt kleine Geschichten am Rande. Jonathan verliebt sich ein wenig in die kleinen Chinesin mit dem weißen Handtuch und auch sie findet es sehr reizvoll einmal einen Klienten zu haben der anders ist als die anderen. Ekachai Uekrongtham zeigt Momente erotischer Intensität, in denen die beiden jungen Menschen sehr intim miteinander sind, fast verliebt wirken.

Doch diese Gefühle können nicht echt sein, denn sie werden mit Geld gekauft. Das ist auch Jonathan klar, und deshalb verspricht er dem Mädchen nicht, sie wieder zu treffen. Die Kamera bewegt sich dokumentarisch, ertastet gleichzeitig mit dem Zuschauer das Geschehen. Die Charaktere bewegen sich durch ihre Geschichten, als seien sie nicht vorgewarnt worden. Dies liegt daran, dass Ekachai Uekrongtham weder seinen Schauspielern noch seinem Kameramann ein Drehbuch zu lesen gab und ihre spontanen Reaktionen mit in den Film einbaute. So ist ihm mit PLEASURE FACTORY eine überzeugende Innenaufnahme eines Bezirks gelungen, in dem bisher noch nicht gefilmt wurde.

Nana A.T. Rebhan

Erstellt: 25-05-07
Letzte Änderung: 11-09-08