Weder für ihn noch für seine Eltern Saïda und Abdel spielt der Islam im täglichen Leben eine Rolle. Auch Karine, Kevins ältere Schwester, verbringt ihre Zeit lieber mit ihrem französischen Freund Nicolas.Doch für den Einzelgänger Kevin ist es schwer, sich zu integrieren: In der Klasse hat er keine Freunde, die Nachmittage verbringt er mit dem Friedhofswächter Léonard. Bis er sich in seine schöne, verschleierte Mitschülerin verliebt - Meriem, der "schwarze Engel". Mit leuchtenden Augen erzählt Meriem von einem sinnerfüllten Leben nach den Regeln Allahs. Fasziniert von ihrer religiösen Hingabe beginnt Kevin in seinem Zimmer den Koran zu studieren und wird dabei immer fanatischer.
Das Leben scheint auf einmal leichter zu sein, dank Meriem und dank des Korans, dessen strenge Vorschriften seine eigene immer extremere Haltung zu rechtfertigen scheinen. Während er Meriem durch den Islam näher kommen kann, kommt es mit seinen Eltern immer häufiger zum Streit. Kevin verachtet die weltliche Lebensweise seiner Familie, beschimpft seine hilflosen Eltern als "Kuffar", als Ungläubige, und will fortan nur noch mit seinem zweiten Vornamen Mohammed angesprochen werden.Als Meriem an Ramadan für zwei Wochen nach Algerien reist, flüchtet sich Kevin immer stärker in seinen Glauben. Wild entschlossen, ein guter Muslim zu werden, befreit er sich von all dem, was ihn an sein früheres Leben erinnert: Poster, CDs, Klamotten. Schließlich findet er in einer Gruppe radikaler Islamisten die vermeintlich idealen Glaubensbrüder. Doch als Meriem nach ihrer Rückkehr plötzlich unverschleiert und geschminkt vor ihm steht, bricht für Kevin eine Welt zusammen - mit fatalen Folgen.
"Möge Allah Dir verzeihen" beschreibt eindringlich den leisen, aber unaufhaltsamen Lebenswandel eines einsamen und orientierungslosen Jugendlichen hin zum religiösen Fanatiker. Der Film erzählt eine eindrucksvolle Coming of Age Geschichte, in der vor allem die familiären Probleme, die fehlenden Zukunftsperspektiven sowie der Hunger nach Akzeptanz und Solidarität dynamisierende Faktoren für den "jungen" islamistischen Fundamentalismus sind.Ahmed Bouchaâlas Film- und Fernsehkarriere beginnt 1984 mit seinem ersten Kurzfilm "Johnny". Danach wirkt er bei Werbefilmen, Clips und Konzertaufnahmen mit, bevor er 1993 das Drehbuch zu seinem zweiten Kurzfilm "C'est la haine" schreibt und verfilmt. Zusammen mit Zakia Tahri dreht er seinen ersten Spielfilm "Krim" (1995). Das zweite Werk des Regie-Paares "Origine contrôlée" (2001) wird im Jahr 2000 auf dem Festival France Cinéma de Florence mit dem "Prix du Premier Film" ausgezeichnet.
Rachid Hami gibt sein Schauspieldebüt als "Rachid" in Abdel Kechichs preisgekröntem Film "L'esquive" (2003). In "Roi et Reine" von 2004 von Arnaud Desplechin ist er in der Rolle des Marcello zu sehen.
Leïla Bekhti wird in Kim Chapirons Thriller "Sheitan" (2006) in diesem Jahr als "Yasmine" das zweite Mal vor der Kamera stehen.
Möge Allah Dir verzeihen
("Pour l'amour de Dieu")
[22.45] Fernsehfilm, Frankreich 2006, ARTE F, Synchronfassung, Erstausstrahlung, 16:9 / 94 Min.
Regie: Ahmed Bouchaâla, Zakia Bouchaâla, Drehbuch: Zakia Bouchaâla, Ahmed Bouchaâla, Kamera: Laurent Brunet, Musik: Vincent Stora, Redaktion: Arnaud Jalbert, Schnitt: Julien Leloup; Ausstattung: Vicente Mateu-Ferrer, Produktion: Kien Productions, Produzent: David Kodsi
Mit: Rachid Hami (Kevin-Mohammed), Leïla Bekhti (Meriem), Smaïn Fairouze (Abdel), Farida Rahouadj (Saïda), Khalid Maadour; (Salah), Cyrille Thouvenin (Bilal), Selma Kouchy (Karine), Pascal Elso (Léonard), François Rabette (Nicolas)







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