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Prager Chroniken

Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

> N°4 Karl von Schwarzenberg

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Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

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Gestatten, Karl von Schwarzenberg…

Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

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Die buschigen Augenbrauen verstecken einen melancholischen Blick; sein mitteleuropäischer Akzent ist in allen Sprachen, die er spricht, unverwechselbar; die Fliege statt der Krawatte ist legendär. Sein Name ist Johannes Nepomuk Josef Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena von Schwarzenberg (Karl VII von Schwarzenberg für die näheren Bekannten) und er ist Tschechiens Außenminister. Bis zum 30. Juni ist er im Zuge der tschechischen EU-Präsidentschaft auch Präsident des Rats der Europäischen Union. Und dieser illustre Abkömmling eines der ältesten europäischen Adelshäuser weiß schon seit langem, was es bedeutet ein waschechter Europäer zu sein...

Übersetzung des Videos der Woche - Ich habe vor kurzem einen Artikel gelesen, in dem Sie sagen, dass wir uns um Europa besser kennenzulernen gemeinsam besaufen sollten...
Das ist natürlich nicht mehr so einfach wie früher, aber ich weiß eine Sache: Ich glaube nicht an klassische historische Theorien über die Germanen, die Latiner und die Slawen. Ich würde Europa in die Biertrinker, die Weintrinker und jene aufteilen, die harten Alkohol zu sich nehmen. Die Tschechen sind Biertrinker, die Franzosen Weintrinker, die Polen und die Finnen mögen es lieber hart. Ich bin so ein Bier-Wein-harter Mischling. Und vor allem mag ich Wein... Deswegen fühle ich mich auch als Europäer: Ich trinke einfach alles. Und in Tschechien sind wir ja besonders europäisch: Wir besaufen uns auch ohne zu reisen. Der Alkohol hängt aber natürlich auch stark von da ab, wo man gerade ist. Was geht schon über einen guten Slibowitz in Polen oder einen Whisky in Schottland? Ich trinke natürlich auch gerne Whisky in Prag, aber dort ist er einfach besser. En gros versuche ich mich immer anzupassen...




Karl Schwarzenberg hat sich einmal als „Tscheche mit österreichischer Herkunft und Schweizer Pass beschrieben“. Der ehemalige tschechische Präsident Václav Havel, dessen Kabinettschef er zwei Jahre lang war, hat ihm darauf das Adelsprädikat „Weltbürger“ verliehen. Hierzu kann man sagen, dass dieser Nachfrage einer der bedeutendsten mitteleuropäischen Adelsfamilien, die sich unter anderem im Kampf gegen die Osmanen im 18. Jahrhundert auf dem Balkan einen Namen gemacht hat (das Familienwappen ziert immer noch der abgetrennte Kopf eines Türken, dem eine fiese Krähe gerade das linke Auge auskratzt), geboren wurde um zu reisen – oft auf gegen seinen Willen. Als seine Familie 1948 nach der Machtübernahme der Kommunisten in der Tschechoslowakei enteignet wurde, war der kleine Karl gerade einmal zehn Jahre alt. Von da an widmete er seine Jugend dem Kampf gegen das totalitäre Regime in seinem Geburtsland und unterstützte beispielsweise die Emigration zahlreicher Dissidenten nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968. Nachdem er in den 80er Jahren der Internationalen Helsinkiföderation für Menschenrecht vorstand, kehrte er Anfang der 90er in die Tschechoslowakei zurück.

Nach der Trennung von Tschechen und Slowaken 1992 engagierte er sich auf der Politbühne: Dabei stellte er das Prestige seiner Familie wieder her und erreichte, was sicher nicht ganz uneigennützig war, die Restitution zahlreicher vor allem landwirtschaftlicher Besitztümer, deren Wert heute auf etwa 300 Millionen Euro geschätzt wird... Nach seiner Zusammenarbeit mit Václav Havel zog er sich aber schon bald aus dem öffentlichen Leben zurück und verwaltete als Familienvorstand das Vermögen der Schwarzenbergs. Umso auffallender war seine Rückkehr in die Politik 2007, als er auf den Wunsch von Mirek Topolánek (und gegen den Willen von Václav Klaus, einem seiner Lieblingsfeinde) zum Außenminister bestellt wurde.

Eine Funktion die er mit Würde und vor allem seinem unvergleichlichen mitteleuropäischen Charme der Jahrhundertwende ausgeübt hat. So ist er heute der einzige Politiker der Tschechischen Republik, dessen Popularitätsquote über 50% liegt. Und sein Beliebtheitsgrad könnte in den nächsten Monaten der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft noch steigen: Schon im Januar 2009 setzte er sich für einen baldigen Waffenstillstand im Gazastreifen ein (im Gegensatz zum Sprecher der Regierung Jiri Potuznik, welcher den israelischen Angriff auf Gaza als „defensive Operation“ bezeichnete) und vertrat eine harte europäische Position im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine. Aber glaubt er nicht, dass die „kleinen“ Länder in der EU letztendlich doch nicht den Ausschlag geben? Nichts liegt ihm ferner. „Ich hatte nie die Illusion, dass es in der Politik Gleichheit gibt“, meinte er kürzlich in einem Interview für die Zeitung Handelsblatt. „Der ungeheure Erfolg der EU ist es aber, dass sie diese nicht veränderbare Tatsache in einen immerhin kultivierten und zivilisierten Rahmen gebracht hat...

Alexander Knetig

Erstellt: 02-02-09
Letzte Änderung: 06-04-09


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