Eines schönen Herbstabends bin ich eingeladen um den Philosophen und Schriftsteller Jean-Paul Dollé zu treffen. Als ich eintraf, fiel mein Blick auf einen Bücherstapel auf seinem Couchtisch. Ein Titel sprang mir direkt ins Auge: „Empört euch!“.
Ich verschlang das Buch und hatte auch schon gleich die Idee zu einem Film
Ich verschlang das Buch und hatte auch schon gleich die Idee zu einem Film. Nicht einfach ein Abklatsch dessen, was im Buch erzählt wird. Vielmehr wollte ich diejenigen zu Wort kommen lassen, die sonst keine Stimme haben und auch nicht daran gewöhnt sind, dass man sie filmt – geschweige denn anhört.
„Empört euch!“ ist ein wichtiges Buch für alle, es erzählt von Dingen, die mir am Herzen liegen. Im letzten Sommer habe ich gegen die neuen Gesetze gekämpft, mit denen die Manusch, die französischen Sinti, ausgegrenzt und die Roma ausgewiesen werden sollten. Ich und viele meiner Freunde, darunter auch die Historikerin Henriette Asséo, waren empört und beschämt.
Ich habe dann mit Isabelle Chebat von der Internationalen Liga für Menscherechte über meine Absicht gesprochen, einen Film zu drehen, der auf „Empört euch!“ basiert. Mit einer Kamera und meinem angestammten Filmteam kreuz und quer durch Frankreich, durch Europa zu ziehen. Und all das zu filmen, was uns empört, aber auch das, was uns Hoffnung macht, die jungen Menschen, die von der Öffentlichkeit unbemerkt für eine bessere Welt kämpfen.
Isabelle Chebat hat mich dann sehr bald mit Stéphane Hessel bekannt gemacht. Ich erzählte ihm von dem Film, der sein Buch fortführen sollte. Und dass ich ihn gerne dabei filmen würde, wie er mit seiner markanten Stimme die wichtigsten Passagen seines Buchs vorliest. Er war mit meiner Arbeit vertraut. Und er willigte ein.
Während Jean-Paul Dollé und ich das Exposé des Films niederschrieben, um es ARTE vorzustellen, waren bereits über 500 000 Exemplare des Buches verkauft. In dieser Zeit brach die Revolution in Tunesien aus, um schließlich auf Ägypten, Libyen und Syrien überzugreifen. Mittlerweile ist das Buch in viele Sprachen der Welt übersetzt. Es ist ein nützliches Buch, und es ist jetzt wichtig, es in Bilder umzusetzen.
Tony Gatlif





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