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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 10. Juni 2012 > die Marke: Dr. Oetker

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Karambolage 270 - 10/06/12

die Marke: Dr. Oetker

Maija-Lene Rettig erzählt uns nun die Geschichte einer deutschen Lebensmittelfirma, die wie kaum eine andere unsere Essgewohnheiten beeinflusst hat.

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Jeder Deutsche weiß, welcher Markenname sich hinter diesem Kopf verbirgt. Und denkt dabei an Backpulver, Puddingpulver und Fertigpizza. Na klar, Dr. Oetker! Ich denke dabei auch an meine Oma Grete und ihr vergilbtes Dr. Oetker Backbuch mit den Abbildungen in den typischen 50er Jahre Farben. Und an ihr Leuchten in den Augen, wenn sie von Rudolf-August Oetker sprach, den sie persönlich gekannt hatte. Oetker war, seit ich denken kann, eine Art Wohltäter, wenn nicht Retter unserer Familie: Meine Oma hatte nach Kriegsende und der Flucht aus Danzig in der Firma Oetker in Bielefeld eine Anstellung als Sekretärin gefunden, und konnte so ihre drei Söhne ernähren.

Dr. Oetker, das heute zu den umsatzstärksten Familien-unternehmen Deutschlands gehört, wurde 1891 von Kommerzienrat Dr. August Oetker in der Aschoff’schen Apotheke in Bielefeld in Ostwestfalen gegründet. August Oetker entwickelte dort sein Backpulver Backin und vermarktete es erfolgreich, indem er es, genau bemessen für 500 Gramm Mehl, in kleine Tütchen abfüllte, auf deren Rückseite ein Backrezept abgedruckt war. Nun konnte die deutsche Hausfrau endlich nach Herzenslust Kuchen backen. Und zwar "mit Gelinggarantie", wie es bei Dr. Oetker so schön heißt. Nach dem Backpulver entwickelte der Gründervater August Oetker Puddingpulver, Backaromen und Speisestärken. Schnell wird die Apotheke zu klein für die expandierende Fabrikation. Bereits 1900 bezieht die Firma ein neues Fabrikgebäude in Bielefeld. Der Helle Kopf wird das Markenzeichen der Erzeugnisse und die Dr. Oetker-Versuchsküche wird gegründet.

Als Rudolf Oetker, Sohn des Gründervaters und Firmenerbe, im Ersten Weltkrieg fällt, heiratet seine Witwe einen gewissen Richard Kaselowsky. Er führt ab 1920 die Firma Oetker weiter und baut sie aus. Früh erkennt Kaselowsky die Bedeutung der Werbung. Dr.-Oetker Werbewagen fahren über Land und bringen die Produkte über Puddingverköstigungen, Back- und Filmvorführungen den zukünftigen Kundinnen nahe. Während des Zweiten Weltkriegs floriert das Unternehmen. Die deutschen Frauen sollen Selbstgebackenes an die Front schicken und so die Moral der Truppen stärken. Und auf Nährmittelmarken gibt es sogar einen Abschnitt für Puddingpulver. Firmenchef Kaselowsky, der eng mit den Nationalsozialisten verstrickt war, stirbt 1944 bei einem Bombenangriff in Bielefeld. Nun geht die Leitung der Firma an seinen Stiefsohn Rudolf-August Oetker über. Den den meine Oma kannte.

Wenn wir am Sonntag ihren Kuchen lobten, zitierte sie stolz den Werbespruch: "Man nehme Dr. Oetker". Die Betonung lag auf "Doktor". Gar nicht so dumm, dieses Doktor in den Markennamen aufzunehmen, denn Doktortiteln zollen wir Deutschen ja unbedingten Respekt. Die Marke bekommt so etwas Seriöses, Wissenschaftlich Abgesichtertes. Solche Produkte müssen ja gut und gesund sein.

Heute macht Oetker längst nicht mehr nur Puddingpulver. Der Oetker-Gruppe, ein Familienunternehmen in der vierten Generation, gehören weltweit mehr als 400 Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen: Schifffahrt, Schaumwein, Bier, Hotels, eine Bank und so weiter. Für mich aber wird der Name Dr. Oetker immer mit der Erinnerung an meine Oma Grete und den Duft ihres Birnenkuchens verbunden bleiben.

Text: Maija-Lene Rettig
Bild: Dagmar Weiss


Erstellt: 08-06-12
Letzte Änderung: 19-06-12


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