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TITELTHEMA - 05/02/13

DIE BLUTSPUR DER MEDICI

Intrigen, Macht und Morde – das Doku-Drama „Mord im Hause Medici“ erzählt von drei rätselhaften Todesfällen in der berühmtesten Herr-scherfamilie von Florenz: den Medici. Ein Interview mit der Regisseurin Judith Voelker.

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Florenz, 1576: Isabella de’ Medici wird tot in ihrem Zimmer aufgefunden. Krankheit, Unfall oder Verbrechen – wie kam der berühmte „Stern von Florenz“ ums Leben? Das zweiteilige Doku-Drama „Mord im Hause Medici“ rollt die Geschichte dieses und weiterer rätselhafter Todesfälle innerhalb der einflussreichsten florentinischen Handelsfamilie auf. Die Regisseurin Judith Voelker begleitete Wissenschaftler bei der Aufklärung der mutmaßlichen Morde, die vor rund 450 Jahren stattfanden – und lässt die Intrigen der Medici in Spielszenen mit Schauspielern wie Jana Pallaske („Männerherzen“), Alexander Beyer („Good Bye, Lenin!“) und Franz Dinda („Die Wolke“) auferstehen. Das ARTE Magazin sprach mit der Regisseurin über „Sex and Crime“ im Hause Medici.

ARTE Geschichtsdoku
MORD IM HAUSE
MEDICI (1+2)
Sa • 16.2. • ab 20.15
ARTE: Wie sind Sie auf das Thema Medici gestoßen?
JUDITH VOELKER: Der Ausgangspunkt unseres Films ist ein Forschungsprojekt, bei dem von 2004 bis 2012 die Leichen von 28 Mitgliedern der Medici-
Familie exhumiert wurden – mit sensationellen Ergebnissen. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim eröffnen am 17. Februar eine große Ausstellung dazu und haben schon früh über das Projekt berichtet, welches rund 500 Jahre Dynastiegeschichte zugänglich macht.

ARTE: Wie haben Sie – bei einer Zeitspanne von fünf Jahrhunderten – das Thema eingegrenzt?
JUDITH VOELKER: Wir haben den Fokus auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts gelegt, als Cosimo I. in Florenz herrscht. Nach spanischer Besetzung hat er die Macht wieder an sich gerissen, aus der Toskana ein Großherzogtum gemacht und sich kaiserliche und päpstliche Unterstützung gesichert. Seine Kinder Francesco, Ferdinando und Isabella sitzen somit im gemachten Nest.

ARTE: Warum haben Sie diese Geschichte gewählt?
JUDITH VOELKER: Weil es hier um Menschen geht, die innerhalb der Familie über Leichen gehen. Sei es, um selbst an die Macht zu gelangen, oder – wie im Fall von Isabella de’ Medici – um eine unbequeme Frau aus dem Weg zu räumen. Dieser Sumpf aus „Sex and Crime“, das hat mich fasziniert.

ARTE: Wieso sind die Todesfälle der Medici jetzt, nach 450 Jahren, wieder ins Rollen gekommen?
JUDITH VOELKER: Weil der Wissenschaft erst heute Methoden wie die DNA-Analyse zur Verfügung stehen. Außerdem hat die Initiatorin des Forschungsprojekts, die Medizinhistorikerin Donatella Lippi, ein unglaubliches Quellenstudium betrieben, das Ungereimtheiten offenbart hat.

ARTE: Ein Teil Ihrer Dokumentation besteht aus Interviews mit Wissenschaftlern. Inwieweit konnten Sie die Forscher bei ihrer Arbeit begleiten?
JUDITH VOELKER: Wir waren zum Beispiel in der Grabkammer dabei, als im Herbst 2012 das Grab der Anna Maria Luisa de’ Medici geöffnet wurde. Wir durften die Exhumierung filmen, aber nicht eingreifen. Alles musste sehr schnell gehen und wir mussten Schutzanzüge tragen.

ARTE: Ihr Film zeigt die historischen Ereignisse in Spielszenen – wie nah kommen diese der Realität?
JUDITH VOELKER: Die Dialoge sind künstlerische Freiheit. Für Bräuche wie den Ringtausch einer Hochzeit gab es damals keine festen Zeremonien, dadurch standen uns verschiedene Möglichkeiten offen. Die Kostüme hingegen beruhen auf Quellen: Da die Medici Hofmaler hatten, gibt es unglaublich viele Porträts. Daneben konnten wir an Originalschauplätzen in Florenz drehen wie zum Beispiel in einer der Villen der Medici.

ARTE: Wie verkörpern die Schauspieler ihre Rollen?
JUDITH VOELKER: Isabella ist eine selbstbewusste Frau mit viel Leidenschaft, das hat Jana Pallaske überzeugend dargestellt. Die Charaktere durften nicht eindimensional sein, deshalb war uns wichtig, dass Franz Dinda die ambivalente Persönlichkeit Ferdinandos nicht als Held, sondern als einen von Ehrgeiz zerfressenen Menschen interpretiert.

ARTE: Wie ließen Sie die damalige Zeit aufleben?
JUDITH VOELKER: Für eine Szene haben wir Musiker engagiert, die auf der Laute und der Flöte historische Madrigale spielen sollten. Sie kamen früher und haben auf dem Hof geübt – dieses heitere Lied hat das gesamte Team in die damalige Zeit versetzt.

ARTE: Schlummern in der Medici-Geschichte weitere ungeklärte Mordfälle?
JUDITH VOELKER: Da bin ich mir sicher! Eine solche Familie hat gewiss noch viele Geheimnisse zu offenbaren, die nur darauf warten, entdeckt zu werden.

INTERVIEW: MICHAEL AUST FÜR DAS ARTE MAGAZIN

ARTE PLUS


DIE LETZTE MEDICI
Der Tod von Anna Maria Luisa de’ Medici im Jahr 1743 markiert einen Bruch in der Geschichte der Medici: Die Kurfürstin von der Pfalz blieb kinderlos und ist damit die letzte Erbin aus dem Zweig der Großherzöge. Das zweiteilige ARTE-Doku-Drama „Mord im Hause Medici“ zeigt exklusiv, wie ihr Grab im Herbst 2012 von Forschern geöffnet wurde. Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim berichten in einer Ausstellung über das Projekt – zum 270. Todestag der letzten Repräsentantin der Medici

ARTE INTERVIEW


JUDITH VOELKER
Judith Voelker, am 7.8.1969 in Düsseldorf geboren, studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Köln. Die Regisseurin drehte ARTE-Koproduktionen wie „Die Germanen“ (2007)

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Erstellt: 22-08-11
Letzte Änderung: 05-02-13