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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 10. April 2011 > die Geschichte: die Hanse

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Karambolage 234 - 10/04/11

die Geschichte: die Hanse

Sie haben gerade gesehen wie sich Serkal Kus sein Gesicht mit Sonnenstrahlen abwäscht. In Hamburg, der größten Hansestadt Deutschlands. Die Gelegenheit für Unda Hörner, an die Geschichte der Hanse zu erinnern.

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Wie Sie wissen, beginnen die deutschen Autokennzeichen mit den Anfangsbuchstaben einer Stadt oder eines Landkreises. Eine spezielle Gruppe von Städten trägt jedoch ein "H" vor der Initiale ihres Namens. Da gibt es HH für die Hansestadt Hamburg, HRO für die Hansestadt Rostock, HL für die Hansestadt Lübeck, HB für die Hansestadt Bremen, usw.  Dass das "H" Hansestadt bedeutet, weiß in Deutschland jedes Kind. Erklären wir den Franzosen einmal, was sich hinter der Hanse verbirgt.

Hanse, auf althochdeutsch "hansa" heißt: bewaffnete Schar.
Die Hanse bestand aber nicht aus Kriegern, sondern aus Kaufleuten. Statt in Kasernen waren sie in Kontoren tätig, ihre Waffen waren keine Kanonen, sondern Waren von bester Qualität:
Holz, Getreide, Pelze, Honig aus dem Osten, dem Baltikum und dem Zarenreich. Heringe aus dem Norden, aus Skandinavien.
Tuche, Metalle, Weine, Salz aus dem Westen und dem Süden.
Und aus deutschen Landen besonders das Bier.

Die Hanse war im Mittelalter die mächtigste Vereinigung von Kaufleuten im Norden Europas. Diese Kaufleute schlossen sich in Städtebünden zusammen.
Ihre Blütezeit erlebte sie im 14. und 15. Jahrhundert, als rund achtzig Städte ihr angeschlossen waren: darunter das norwegische Bergen, das russische Novgorod, Brügge in Belgien, Krakau in Polen, jenseits des Ärmelkanals London. Durch die Hanse siedelten sich deutsche Kaufleute im Osten an, hier liegen die Wurzeln für die deutsche Ostkolonisation.

Die Vormachtstellung der Hanse fand erst im 16. Jahrhundert, nach rund vierhundert Jahren, ein Ende. Gekrönte Häupter in ganz Europa fühlten sich durch die wirtschaftliche Macht der Kaufleute bedroht: Königin Elisabeth I. ließ den Londoner Stahlhof schließen, Zar Iwan IV. in Nowgorod den Peterhof, beides große Handelskontore. Und die fortschreitende Erweiterung der Welt ließ sich auch nicht aufhalten: Seefahrer wie Vasco da Gama oder Christoph Columbus hatten neue Erdteile entdeckt, neue Reiserouten und Seewege erschlossen. Neue Märkte taten sich auf, Amerika, Indien. Das schwächte die Geschäfte der Hanse. Und als 1618 der Dreißigjährige Krieg  ausbrach und in Deutschland wütete, war es mit dem schwunghaften Hanse-Handel vorbei.

Doch die Hanse lebt weiter. Ist sie nicht ein frühes Vorbild der Europäischen Union? Der Wirtschaftsunion allemal?
Hanse ist ein Gütesiegel in Markennamen, Versicherungen, Lebensmittel, Reiseunternehmen, Hansa Rostock heißt ein Fußballverein.
Als hanseatisch wird heute alles Norddeutsche bezeichnet. Der Hanseat gilt als  kühl und reserviert. Und Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, waschechter Hamburger, ist einer der berühmtesten Hanseaten.

Und dann ist da noch das Wort hänseln, jemanden verspotten, sich lustig machen. Hänseln hat tatsächlich mit der Hanse zu tun:
Die Aufnahme in die Kaufmannschaft begann mit einem Ritual. Wer zur Hanse gehören wollte, mußte sich garstigen Prüfungen unterziehen: das Gesicht wurde mit Metallbürsten abgeschrubbt, der ganze Mann mit Forken traktiert. Das galt als symbolische Reinigung! Diese Tortur nannte man hänseln. Und davon ist uns zum Glück nur das Wort geblieben.

Erstellt: 08-04-11
Letzte Änderung: 16-05-12


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