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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 24. Oktober 2004 - 24/10/04

die Art und Weise: die politische Topographie

die politische Topographie


Hajo Kruse ist ein deutscher Journalist, der seit vielen Jahren in Frankreich arbeitet. Die sprachlichen Marotten seiner Pariser Kollegen amüsieren ihn. Hören Sie.

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Frank Müller, Student der Politikwissenschaften aus Berlin, liest die Pariser Presse, um die Geheimnisse der französischen Politik zu entschlüsseln. Da entdeckt er Rätselhaftes. Er erfährt beispielsweise, dass ein Platz eine Allianz mit einem anderen Platz schmieden kann. Place Beauvau kann sich mit der Place Vendôme verbünden. Jeder - ausser Frank Müller natürlich – versteht, dass der Innenminister recht gut mit dem Justizminister kann, der eine hat sein Ministerium Place Beauvau, der andere Place Vendôme. Viel Kritik kommt von der Rue de Solferino, bei den Sozialisten, und Place du Colonel Fabien, wo die Kommunisten ihre Parteizentrale haben, verlangt man sogar ein neues "Grenelle". Warum "Grenelle"? Weil in einem Ministerium in der Rue Grenelle grosse soziale Reformen nach den Ereignissen vom Mai 68 ausgehandelt wurden. Beschliessen die Rue de Solférino und die Place du Colonel Fabien vielleicht sogar, gemeinsamzwischen République, Bastille und Nation zu demonstrieren? Egal in welcher Richtung, hier demonstriert die Linke am liebsten. All das wird aufmerksam in einem Hotel auf der anderen Seite der Seine beobachtet, das Hotel Matignon ist keine Herberge für Touristen, sondern der Amtssitz des Premierministers. Dort würden sich ganz gerne Bewohner anderer Palais, Strassen oder Plätze installieren, obwohl gerade im Hotel Matignon der politische Mietvertrag sehr schnell gekündigt werden kann.

Der Quai d’Orsay steht über diesen Querelen. Der Quai d’Orsay, das Aussenministerium, blickt in die weite Welt. Dagegen jammert die Rue de Valois häufig, weil man ihr Budget so knapp hält, Das Kulturministerium, das sich in dieser Strasse befindet, muss Opfer bringen, die die Rue de Bercy verlangt. Den Mann, der dort – im Osten von Paris - das Sagen hat, fürchten alle. Denn "Bercy", das steht für das allmächtige Wirtschafts- und Finanzministerium. Genau dort – in diesem modernen Gebäude, das zwei Füße in der Seine hat, träumt ein sehr ehrgeiziger Minister von einem Umzug. Er würde sich am liebsten in einem noch prächtigeren Palais mitten in Paris installieren. Dort liegt das Zentrum der Macht und deshalb nennt man den Elyséepalast auch häufig "le château", das Schloss. Der derzeitige Schlossherr schätzt keineswegs die Ambitionen und die Eile des Mannes von Bercy, der zu allem bereit zu sein scheint, um in’s Schloss zu kommen. Der Kampf wird gnadenlos geführt. Rechtes Seineufer, links der Seine, Plätze, Strassen, Paläste und Hôtels, das ist die Bühne, auf der um Macht gekämpft wird. Wenn Frank Müller die Intrigen des französischen Politiktheaters verstehen will, muss er zuerst ein Dokument studieren: den Pariser Stadtplan.
Text: Hajo Kruse
Bild: Philippe Massonnet

Erstellt: 21-10-04
Letzte Änderung: 10-09-09


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