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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 20. November 2005 - 20/11/05

die Art und Weise: die Berliner Hausnummern

die Berliner Hausnummern


Sie wissen sicher, dass die Häusernummerierung in Berlin ein wenig speziell ist. Aber wissen Sie auch, wie es dazu kam? Maija-Lene Rettig erzählt es uns.


Jeder, der schon einmal in Berlin war, kennt so eine Situation: Sie stehen in der Kantstraße und suchen die N° 53. Sie sind zu Fuß, ziemlich schwer bepackt. Jetzt befinden Sie sich auf der Höhe der Hausnummer 4. "53…" Sie überqueren die Straße, um auf die Seite der ungeraden Nummern zu gelangen. Denkste! Auf der anderen Seite stehen Sie vor dem Haus Nummer 126! Das gibt’s doch nicht! Und das Haus neben der 126 trägt die Nummer 125. Na, klingelt’s bei Ihnen? Genau, in werden die Häuser fortlaufend nummeriert! Auf der einen Straßenseite geht’s rauf, auf der anderen Straßenseite geht’s runter. Oje, und wo ist jetzt die Nummer 53? Auf dieser oder auf der anderen Straßenseite? Und in welcher Richtung, denn man weiss ja nicht, bei welcher Nummer die Straßenseite gewechselt wird! Auf den alten Hausnummernschildern gibt es zwar Pfeile aber sie helfen kaum beim Häusersuchen. Sie zeigen lediglich die Richtung der aufsteigenden Nummern an und sagen nicht auf welcher Strassenseite die Nummer 53 ist und auch nicht ob man sie ganz oben, oder ganz unten suchen muss. "Seufz!" Na, dann laufen Sie mal los.

Um zu verstehen, wie es dazu kam, müssen wir ins Jahr 1798 zurück. Der damalige Berliner Polizeipräsident Friedrich Philipp Eisenberg fasste den Plan, erstmals die Häuser der Residenzstadt Berlin zu nummerieren. Eisenberg wollte die Häuser durchgehend nummerieren. Für ihn ist das Zentrum der Stadt natürlich das Stadtschloss und das Ende das am Stadtrand liegende Militärlazarett Charité – Barmherzigkeit - so genannt von Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I, an dessen Hof natürlich französisch gesprochen wurde. Also Nummer 1 für das Stadtschloss, dann den Schloßplatz, durch den Lustgarten… die heutige Bodestraße… Unter den Linden… die Ziegelstraße… Oranienburgerstraße … Schiffbauerdamm … und so weiter schlangenförmig bis hin zur Charité, die die letzte Nummer bekommen sollte.

Zu dieser Nummerierung kam es nicht, denn ein Streit entfachte: Einer wollte jede Straße, jeden Platz, jede Gasse mit eigenen Nummern versehen, ein Anderer wollte die einzelnen Stadtteile durchnummerieren. Der Streit dauerte ein Jahr, bis schließlich der Preußische König Friedrich Wilhelm III. ein Machtwort sprach und am 28. September 1799 verlautbaren ließ: "Seine Königliche Majestät von Preußen sind mit dem General-Direktorio darin einverstanden, daß es zur leichteren Auffindung der Häuser in gereichen wird, wenn selbige nicht mit einer fortlaufenden Nummer durch alle Straßen der Stadt bezeichnet, sondern in jeder Straße besonders nummerirt werden, und die Nummer-bleche selbst einen blauen Grund mit goldenen Zahlen erhalten …." Und so wurde es dann auch gemacht: die Häuser wurden mit POLIZEI-nummern, wie es damals hieß, versehen.

Im Jahre 1929 wurde dieses System geändert und für neue Straßen wurde die im übrigen Deutschland übliche Hausnummerierung angewendet. Das heißt, auf der in Nummerierungsrichtung rechten Seite gerade, auf der linken Seite ungerade Hausnummern. Die alte fortlaufende Durchnummerierung besteht allerdings weiter, beide Systeme existieren nebeneinander. Und stiften Verwirrung unter Berliner Neuankömmlingen.

Erstellt: 09-11-05
Letzte Änderung: 14-03-11


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