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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 26. Februar 2012 > der Gegenstand: die Kuchengabel

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Karambolage 260 - 26/02/12

der Gegenstand: die Kuchengabel

Jeanette Konrad stellt den Franzosen nun etwas vor, das aus dem Alltag der Deutschen nicht wegzudenken ist.

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Sehen Sie sich diese Gabel an...
Eine banale Gabel, werden Sie sagen, was hat die in Karambolage zu suchen?
Aber schauen Sie genau hin. Die Gabel ist viel kleiner als die übliche Menügabel. Noch dazu hat sie nur drei Zinken anstelle von vier.
Kinderbesteck? Eine Fischgabel? Eine Austerngabel? Auch nicht, sehen Sie, bei der Austerngabel sind die Zinken viel kürzer und runder.
Und die Gabel hat eine weitere Besonderheit. Genau. Der linke Zinken ist breiter als die beiden anderen. Und außerdem hat er an der Spitze eine seltsame Einkerbung.
Die Deutschen wissen natürlich längst wie dieser Gegenstand heißt. Meine Damen und Herren aus Frankreich, ich habe die Ehre, Ihnen die Kuchengabel vorzustellen!

Die Kuchengabel ist eine Institution in Deutschland. In einem Land, wo das nachmittägliche Kaffee und Kuchen nicht aus dem Alltag wegzudenken ist, findet man sie in jeder Küche, neben den üblichen Messern, Gabeln, Suppen- und Kaffeelöffeln. In Frankreich gehört die "fourchette à gâteau" zwar strenggenommen auch in ein vollständiges Besteckset, aber sie wird dort nur sehr selten benutzt, und wenn dann meist für Desserts oder auch Apertitivhäppchen.
Woher kommt aber diese seltsam geformte Gabel extra für den Kuchen?

Ursprünglich aß man Kuchen sehr vornehm mit Messer und Gabel. Irgendwann hatte dann jemand die Idee, aus den beiden Bestecken ein einziges zu machen und verband die Vorteile des Messers, also das Schneiden, mit den Vorteilen der Gabel, dem Aufspießen. Einziges Problem: Damals wurde Besteck noch ausschliesslich aus Silber gemacht, und da Silber ein weiches Metall ist, verbogen sich die Zinken sehr leicht. Also hat man die linke Zinke breiter gemacht, damit man mit dieser den Kuchen - fast wie mit einem Messer – durchschneiden konnte und sich die Zinke nicht verbiegt. Und damit man trotzdem noch den Kuchen aufspießen kann, ist die Zinke spitz. Wie praktisch!
Nicht ganz so praktisch ist diese Kuchengabel aber für Linkshänder. Inzwischen gibt es deshalb auch solche Modelle, bei denen alle drei Zinken gleich breit sind. Und weil Bestecke heutzutage aus Stahl gefertigt werden, verbiegen sich diese Gabeln auch nicht mehr.

Wie bitte? Die Franzosen behaupten nun, dass ein banaler Dessertlöffel die gleiche Funktion erfüllt wie unsere Kuchengabel? Papperlappapp kann ich da nur sagen: das mag vielleicht gerade noch für einen Schokoladenfondant oder einen Clafoutis durchgehen. Wenn Sie aber eine Original Schwarzwälder Kirschtorte oder einen echten deutschen Streuselkuchen in seiner ganzen Köstlichkeit erfassen wollen, kann das nur mit einer Kuchengabel geschehen. Doch, doch.

Text: Jeanette Konrad
Bild: Sana Schönle

Erstellt: 24-02-12
Letzte Änderung: 06-03-12


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