Schriftgröße: + -
Home > Europa > Karambolage

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 22. Januar 2012 > der Gegenstand: der Eierschalensollbruchstellenverursacher

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Karambolage 257 - 22/01/12

der Gegenstand: der Eierschalensollbruchstellenverursacher

Corinne Delvaux zeigt uns nun die Lösung eines kniffeligen Problems, ein Problem, das uns Deutschen den Schlaf raubt.

Previous imageNext image

Lang lang ist es her, es wird Zeit, dass Karambolage wieder einmal ein paar Eier kocht. Doch bevor wir zum Thema des Tages übergehen, müssen wir kurz den bereits durchgenommenen Stoff wiederholen: Wer immer schön aufgepasst hat, kennt das Ritual auswendig - ach so, ich habe vergessen zu erwähnen, dass wir heute in Deutschland sind – unser deutscher Freund also piekst mit dem allseits bekannten Eierpieker ein Loch in das dicke Ende des Eis, damit die Luft austritt und gibt das Ei dann in kochendes Wasser.

Während das Ei kocht frischen wir unser Gedächtnis auf: sein französischer Freund hätte in derselben Situation entweder Salz in das Wasser gegeben, kurz gebetet, oder einfach gespannt das Ergebnis seines höchst unsicheren Unterfangens abgewartet. Ich verweise auf Karambolage Nr. 12. Da wir aber in Deutschland sind, verläuft alles in wunderbar geregelten Bahnen und unser Ei ist perfekt gekocht, jetzt muss es nur noch erschreckt, pardon, abgeschreckt werden -  alle, die den Unterricht geschwänzt haben, verweise ich auf die Sendung 218.

Gut. Unser Freund wird nun sein weichgekochtes Ei verspeisen. Entschuldigen Sie, noch eine allerletzte Ergänzung: Sie als Deutsche wissen ja, ich verweise auf Karambolage Nr. 81, dass man sein Ei nicht mit einem Löffel aus Edelstahl isst, sondern mit einem Plastiklöffel, es sei denn, man hat einen Perlmuttlöffel zur Hand, wie früher.

So, wir haben den Stoff wiederholt und können uns nun der heutigen Lektion widmen: Unser deutscher Freund hat ein schwerwiegendes Problem: wie soll er bloß mit seinem Plastiklöffel die Eierschale kaputtkriegen? Ich bin sicher, dass Sie alle schon vor diesem unlösbaren Problem gestanden haben und verzweifelt und völlig vergebens an einem leckeren Frühstücksei herumgeklopft haben. Eine schier ausweglose Situation. Ein deutsches Drama. Zum Glück hat eine Art deutscher Daniel Düsentrieb einen wahrhaft revolutionären Gegenstand erfunden: Ein Hütchen, über dem eine Kugel sitzt, die man an einem Metallstab nach oben und unten bewegen kann. Unser deutscher Freund setzt diesen aussergewöhnlichen Apparat auf sein Ei. So, zieht die Kugel bis ganz nach oben, läßt sie fallen, Achtung, wiederholt den Vorgang, ein drittes Mal, und sehen Sie: ein wunderbar sauberer Schnitt, das Ei ist perfekt geköpft, lassen Sie es mich so sagen: es ist überwältigend.

Der Gegenstand brauchte einen Namen. Und da entpuppte sich unser Erfinder, der übrigens, wie wir an dieser Stelle mit Erstaunen festellen müssen, bisher noch nicht das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat, als ein begnadeter Linguist, der das deutsche Faible für zusammengesetzte Wörter geschickt zu bedienen weiss. Der Apparat heißt: Eierschalensollbruchstellenverursacher. Die Franzosen müssen zugeben, man hätte seine Bestimmung nicht präziser beschreiben können. Eine französische Firma, die versucht hat, den Apparat zu importieren, hat eine Übersetzung gewagt: "toqueur à œuf", also Eierklopfer, vom Verb "toquer" - klopfen oder hämmern. Tja, einer ist hier bestimmt behämmert, die Frage ist nur: wer?

Erstellt: 20-01-12
Letzte Änderung: 16-05-12


+ aus Europa