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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 22. Mai 2011 > der Ausdruck: alles in Butter

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Karambolage 238 - 22/05/11

der Ausdruck: alles in Butter

Felicitas Schwarz untersucht nun den erstaunlichen Ursprung der geläufigen deutschen Redewendung alles in Butter.

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Die Franzosen sagen "ça entre comme dans du beurre" – wie in weiche Butter eindringen, wenn ihnen etwas leicht von der Hand geht. Das klingt logisch! Die Deutschen sagen alles in Butter, um auszudrücken, dass es ihnen wunderbar geht, dass es kein Problem gibt und alles in bester Ordnung ist. Das klingt weniger logisch.

Unsere Nachforschungen führen uns zunächst ins Europa des Mittelalters, wo die Händler ihre Waren noch auf einfachen Pferdekarren von A nach B schaffen. Um Porzellan- und Glaswaren heil über die Bergpässe von Italien nach Deutschland zu bringen, legen die Händler sie in Fässer mit geschmolzener Butter, die die zerbrechlichen Gegenstände nach dem Erhärten sicher umschließt. Auf die Idee muss man erstmal kommen! So kann das Fass durchgeschüttelt werden und sogar vom Wagen rollen, ohne dass etwas kaputt geht.

Auf die besorgte Frage bei der Ankunft, ob denn auch alles heil angekommen sei, antworten die deutschen Händler dann ganz lakonisch: alles in Butter! Tja, wir wollen hoffen, dass diese Transporte nur in der kalten Jahreszeit vorgenommen wurden.

Eine andere Erklärung führt uns ins 19. Jahrhundert: In ganz Europa treibt die Industrialisierung die Landbevölkerung massenweise in die Städte. Viele Bauern versuchen ihr Glück in den Fabriken und geben ihre Höfe auf. Dadurch wird immer weniger Butter hergestellt und der Butterpreis steigt rapide an.
Kein geringerer als Napoleon III. nimmt sich der Sache an. Für die Butterversorgung seines Heeres muss er nämlich plötzlich eine Menge Geld hinblättern.

Trotzdem gelingt es ihm aber nicht, die nötige Menge Butter zur Kräftigung seiner Soldaten zu beschaffen. Also schreibt er 100.000 Goldfranken als Preis für die Erfindung eines günstigen Butterersatzes aus. Das Rennen macht der Chemiker Hippolyte Mège-Mouriès mit einem neuartigen Streichfett, das aus Magermilch und Rindertalg besteht. Seine Kreation benennt er mit einer Wortneuschöpfung: aus "margaron" griechisch für Perle und dem Fettalkohol Glycerin wird die Bezeichnung Margarine, die Sie alle kennen.

Der Butterersatz wird bald über die Grenzen Frankreichs hinaus vertrieben und hält Ende des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland Einzug. Ihm haftet jedoch das Image einer schlechten Kopie an. Um zu verhindern, dass die billige Margarine dem Verbraucher als gute Butter untergejubelt wird, erlässt Kaiser Wilhelm II. 1897 sogar ein Gesetz: Margarine muss durch einen roten Signalstreifen auf der Verpackung kenntlich gemacht werden und darf nicht in Ziegelform, wie die Butter, sondern nur in Würfelform oder als stumpfer Kegel verkauft werden.

Wie aber weiß der Gast im Restaurant, woran er ist? Tja, da wären wir wieder bei dem Ausdruck alles in Butter angekommen: Diesen Spruch hat sich nämlich so manch ein Gastwirt zu eigen gemacht, um damit zu werben, dass alle seine Speisen mit der guten alten Butter zubereitet werden. Die Devise alles in Butter ist bald in aller Munde und wird im Laufe der Zeit zum geflügelten Wort für allgemeines Wohlbefinden.

Erstellt: 19-05-11
Letzte Änderung: 16-05-12


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