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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 07. März 2004 > der Look: das Dirndl

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 7. März 2004 - 07/03/04

der Look: das Dirndl

das Dirndl


Corinne Delvaux untersucht heute einen deutschen Bekleidungsstil, der den Franzosen etwas seltsam vorkommt.

In Frankreich kann man sich so etwas kaum vorstellen: eine junge Frau in einer großen Stadt in der Bretagne, die als Informatikerin arbeitet und im Büro und zu Hause ständig bretonische Trachtenkleidung trägt. Die Franzosen würden das sehr sonderbar finden. Und jetzt schauen wir mal nach Deutschland, genauer gesagt, in den Freistaat Bayern. Im Zentrum von München sind solche Bilder ganz alltäglich. Genau so stellt man sich in Frankreich den typischen Deutschen vor: fehlen nur noch der Bierseidel, Weisswürste und ein (Kommentar) und das Klischee ist perfekt.

Aber schauen wir doch mal dahinter: Dies ist also ein Dirndl: Ein Kleid mit Puffärmeln und einer Schürze. Oder ein Rock, ein Schnürkorsett und eine blütenweisse Bluse. Die Farben sind fröhlich und lebhaft. Das Dekolleté ist üppig, das Lächeln einnehmend. Der zünftige Herr trägt Lederhosen, und zwar die echten aus Hirschleder. Die kurzen nennt man "Platterhosen", die sogenannten "Bundhosen" reichen bis über’s Knie. Dazu dicke Wollsocken, die besonders Schönen sind an den Waden bestickt. Eine Trachtenjoppe aus Loden und eine Weste mit großen Knöpfen. Und schliesslich die Krönung, der grüne Filzhut, den eine Feder oder ein Gamsbart schmückt. Kleine Federn werden links getragen, große hinten an den Hut gesteckt.

Angeblich litten die Söldner der römischen Legionen in der nordischen Kälte unter Rheumatismus. Um sich zu wärmen, wickelten sie ihre Körper in Tierfelle und befestigten diese mit Riemen, Vorläufer der Hosenträger. Durch das Knotenknüpfen gestalteten die alten Römer diese widerstandsfähigen Tierhäute allmählich um. Das war der Ursprung der Lederhosen. Eigentlich waren diese traditionellen Kleidungsstücke der Bergbewohner und Jäger fast vollkommen verschwunden, doch gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts gründete Professor Joseph Vogel einen Trachtenverein, um die Tradition neu zu beleben.

Nun schauen Sie: die Tradition lebt und die Trachten entwickeln ihre eigene Mode, indem althergebrachte Formen mit modernen Materialien kombiniert werden… Geschmackssache. In einem dieser wunderbaren bayrischen Biergärten lassen sich diese Kostüme in ihrer ganzen Vielfalt bewundern. Bekanntlich würde sich ein Norddeutscher oder Berliner nie und nimmer so anziehen. Woher kommt dann diese bayerische Besonderheit? Ausserhalb der Grenzen des Freistaates hält man diese Zurschaustellung traditioneller Kleidung oft für den Ausdruck einer konservativen oder reaktionären Einstellung. Aber so einfach ist das nicht.

Alle deutschen Bundesländer pochen auf ihre regionalen Besonderheiten und ihre Autonomie. Und die Bayern sind in dieser Hinsicht ganz besonders pingelig. Zugegeben: Bayern ist mit seiner niedrigen Arbeitslosigkeit und florierenden Wirtschaft, mit unverfälschten Landschaften und schmucken Dörfern, mit seiner speziellen Melange aus Katholizismus und Weltoffenheit ein Land der Kontraste. Sie wissen doch wie das bayrische Erfolgsrezept von Bayernchef Edmund Stoiber lautet? "Laptop und Lederhosen.

Erstellt: 05-05-04
Letzte Änderung: 18-03-11


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