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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 7. November 2004 - 07/11/04

der Gegenstand: "la vache qui rit"

"la vache qui rit"


Olaf Niebling lebt in Koblenz. Als Kind verbrachte er oft seine Ferien in Frankreich. Seine Erinnerungen daran sind kulinarischer Natur. Doch sehen Sie selbst.


Können Sie sich noch daran erinnern, was der kleine Junge aus Wim Wenders Film "Paris-Texas" Merkwürdiges isst?  


Filmausschnitt Paris-Texas,
Untertitel: Schmeckt nicht schlecht.
Anne gibt mir das jeden Tag
Die lachende Kuh, sehr klebrig
Die Kuh wie?

Ich mag das Er isst … eine Portion "vache qui rit".
Lachende Kühe gibt es natürlich überall: The Laughing Cow in England
A vaca que ri in Portugal
Den Leende Ko in Dänemark
Vessio -laia Bouri-onka in Russland
Con bo cuoi in Vietnam
Al bacara abachika in Marokko
Und natürlich die Lachende Kuh in Deutschland Aber "la vache qui rit" ist ur-französisch.

Verkauft wird sie in Pappschachteln mit 8, 12, 16, 24  oder sogar 32 Portionen für die Süchtigen. Um die Schachtel zu öffnen, muss man das Bändchen rundherum abziehen. Da sind sie nun, die dreieckigen Portionen in Aluminiumfolie. Jetzt eine rote Lasche… Ist man geschickt, öffnet sich das Ganze wie ein Kelch und bringt cremefarbenen Schmelzkäse zum Vorschein. Hier ist er: ein bisschen schmierig, etwas fade und fettig. Und keiner weiss genau, was drin ist: neben zahlreichen Phosphaten, Polyphosphaten und Diphosphaten werden "verschiedene Käsesorten" erwähnt. Vielleicht ist es besser, wenn man nicht mehr darüber erfährt. Aber das ist auch egal: seit der Käsefabrikant Bel 1921 La vache qui rit auf den Markt brachte,  ist ihr Erfolg ungebrochen. Kein Picknick ohne vache qui rit: ist leicht zu transportieren, Kinder schmieren sie gerne auf’s Brot oder essen sie pur und betrachten dabei die Ohrringe der Kuh mit Ohringen mit einer Kuh mit Ohrringe und so weiter und so weiter… Wahrscheinlich verdankt "la vache qui rit" ihren Erfolg dieser schallend lachenden Kuh, die der berühmte Graphiker Benjamin Rabier gezeichnet hat. Die Kuh hat sich seit ihrer Kreation kaum verändert, nur die Hörner wurden etwas abgerundet.

In seiner Autobiographie schreibt Benjamin Rabier: "… Eine Kuh zum Lachen bringen! Das bescherte mir schlaflose Nächte. Von meinem Milchmann habe ich eine Kuh mit Kalb ausgeliehen. Zuerst habe ich das Kalb gezeichnet, ich dachte, es sei sensibler, weil es jünger ist. Doch die Mutter hat zuerst gelacht. Vor Glück, weil ich mit ihrem Kalb spielte." Die lachende Kuh wurde oft beneidet und kopiert: da gab’s die ernste Kuh, die sprechende Kuh, die lesende Kuh, die ausschlagende Kuh, die weinende Kuh, die kokette Kuh, die moderne Kuh, die gescheite Kuh, das lachende Kind usw. Aber nur die lachende Kuh lacht immer noch. Die Idee war genial. Wissen Sie, wie es zur "lachenden Kuh" kam? Im Ersten Weltkrieg wurde der Käsehersteller Léon Bel in die selbe Bahntransporteinheit berufen wie Benjamin Rabier. Dieser malte eine strahlende Kuh auf die Fahrzeuge, die der Truppe frisches Fleisch brachten. Wenig später kam ein patriotischen Foxtrott auf mit dem sinnigen Namen: La Wachkyrie, eine Anspielung auf die Walküren von Richard Wagner der, -als Deutscher- natürlich ein Bösewicht war. Französisch ausgesprochen wird daraus: la vache qui rit. Noch so eine deutsch-französische Geschichte.

Text: Philippe Truffault
Bild: Jean-Baptiste Lévêque & Nicolas Cappan




der Gegenstand: "la vache qui rit" finden Sie auf der DVD 2

Erstellt: 05-11-04
Letzte Änderung: 18-03-11


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