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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 6. September 2009 > der Gegenstand: die Schnippelbohnenmaschine

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 6. September 2009 - 06/09/09

der Gegenstand: die Schnippelbohnenmaschine

Heute stellt uns Corinne Delvaux einen sehr sehr hübschen Gegenstand vor, den uns eine treue Zuschauerin geschickt hat, aber sehen Sie lieber selbst:

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Unsere Zuschauer kennen unser Faible für Eierpieker, Tropfenfänger, Milchhüter, Bierwärmer, Eigelbtrenner, Butterschneidedrähte, Gulaschkanonen, Kaffeewärmer, Motocrottes, Moulinexmixer, Mülltütenhalter, Paternoster, Filzgleiter, Drehseifen, Strandkörbe, Taschenhalter und Tubenentleerer…

Sie wissen, dass wir Gegenstände schätzen, die lebenswichtige Funktionen erfüllen, all diese wunderbaren Apparate, die von unermüdlichen Tüftlern konzipiert wurden, um uns den Alltag zu erleichtern. Und manchmal bekommen wir per Post sogar Gegenstände zugeschickt, die wir noch gar nicht kannten.

Hier ein Beispiel: So schickte uns unsere Zuschauerin Frau Margarethe Dornbusch aus Aachen eine schier geniale Maschine, sehen Sie: Ich weiß, sie ist nicht ganz neu! Na und? Das ist doch kein Grund, sie zu belächeln! Also bitte! Gut, es handelt sich also um eine recht simple Maschine, mit einer Kurbel, 2 Löchern, einem kleinen und einem großen, sehen Sie, und auf der anderen Seite einer Klinge, die von der Kurbel angetrieben wird.

Diese Maschine schneidet also etwas. Die Frage ist nur:  was? Hm, was könnte sie wohl schneiden? Natürlich, Karotten! Sehen wir einmal… Nun, nicht gerade überzeugend… Nein, für Karotten sind die Löcher anscheinend zu klein… Also … was sonst? Aber sicher doch, das ist bestimmt ein super Bleistiftspitzer! Natürlich! Obwohl… naja, vielleicht doch keine gute Idee… Tja, was noch, zum Nägelschneiden? Aber nein, Schluß mit dem Unfug… Kalt, gaaanz kalt. Nein, diese geniale Maschine benutzt man zum Häckseln von … grünen Bohnen!

Ist das nicht toll? Schauen Sie, ich nehme eine Bohne, schneide beide Enden ab, stecke sie in das passende Loch, aufpassen, dass es auch das Richtige ist, ja, ich weiß, das ähnelt einem Lernspiel für Kleinkinder, nur dass es hier für Senioren ist, - ich drehe die Kurbel und – sehen Sie? - auf der anderen Seite kommen meine Schnippel raus, meine Bohnenschnippel, mundgerechte Stücke werden so aus den Bohnen geschnitten. Dieser wunderbare Apparat heißt Schnippelbohnenmaschine, was durchaus naheliegend ist. Ich muß zugeben, ich finde ihn fantastisch, was sage ich, genial.

Der eine oder andere wird sich nun vielleicht fragen, warum die Deutschen unbedingt ganze Berge von grünen Bohnen in mundgerechte Stücke schneiden müssen. Nun, das liegt an der Schnippelbohnensuppe, einem äußerst beliebten deutschen Gericht. Eine Schnippelbohnensuppe ist ein Eintopf, wie ihn die Franzosen nicht kennen: eine sehr sättigende Suppe, aus Kartoffeln, Speck oder auch kleingeschnittenen Würstchen. Das Ganze wird nicht püriert, so daß in der fertigen Suppe große Bohnenstücke schwimmen. Und zwar schöne gleichgroße, wunderbar mundgerechte Bohnenstücke.

Hm, köstlich, diese Schnippelbohnensuppe, ein einfaches,  leckeres Gericht, ohne viel Getue, eine der Grundlagen der deutschen Küche. Wie bitte, ich höre manche hinter vorgehaltener Hand sagen, mit einem Brett und einem Messer ginge das viel schneller? Meine  Güte, wie soll ich bloß eine Fernsehsendung mit Zuschauern machen, die solche Spielverderber sind, das ist wirklich frustriend.  Hören Sie einfach nicht hin, Frau Dornbusch, ich glaube, diese Leute haben nicht den geringsten Sinn für Poesie.

Erstellt: 04-09-09
Letzte Änderung: 16-05-12


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