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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 16. September 2007 > der Gegenstand: die Butterbrotdose

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 16. September 2007 - 16/09/07

der Gegenstand: die Butterbrotdose

die Butterbrotdose


Pünktlich zum Schulanfang stellt uns Cécile Kovacshazy einen Gegenstand vor, der im Leben eines deutschen Schulkinds eine wichtige Rolle spielt.


Es gibt einen Gegenstand, den haben deutsche Schüler und französische haben ihn nicht. Die Butterbrotdose! Die Franzosen kennen nicht mal unser deutsches Butterbrot, das ja nicht nur aus Butter und Brot besteht, sondern mit den leckersten Zutaten, z. B. Käse, Wurst oder Leberwurst belegt ist. Und dieses Butterbrot bewahrt der deutsche Schüler in einer extra dafür vorgesehen Dose auf: der Butterbrotdose.

Warum haben denn die kleinen Franzosen keine Butterbrotdose? Woher kommt diese himmelschreiende Ungerechtigkeit? Nun, das liegt daran, dass in Deutschland die Schule sehr früh, manchmal schon um 7Uhr20 anfängt, und daher auch früher aus ist: um 12 Uhr für die Kleinen, um 13 oder 14 Uhr für die Großen. Und weil Nachmittagsunterricht eher eine Ausnahme ist, gibt es in deutschen Schulen auch keine Kantinen. Deshalb braucht der deutsche Schüler sein Pausenbrot, das er in der großen Pause um halb zehn oder halb zwölf isst. Sonst wäre die Zeit zwischen dem Frühstück und dem Mittagessen zu Hause einfach zu lang. Die kleinen Franzosen brauchen kein Butterbrot, denn sie fangen später an und essen früher zu Mittag.Das ist das ganze Geheimnis.

In manchen deutschen Grundschulen ermahnt der Lehrer die Kinder am Ende der Stunde sogar zum Essen: Alle holen dann ihre Butterbrotdose heraus, essen im Klassenraum und gehen erst anschließend in die Pause. Aber ach, wie groß ist die Enttäuschung, wenn Mama anstatt des leckeren Kalbsleberwurstbrötchens mit Gurken nur ein langweiliges Käsebrot hineingelegt hat. Vor dem Hintergrund derartiger Dramen ist es natürlich erlaubt, sein Brot mit dem Nachbarn zu tauschen, was gern und oft getan wird.

Die Butterbrotdose ist aus Aluminium oder aus Plastik. Weil sie hauptsächlich von Kindern benutzt wird, ist sie meistens schön bunt und hübsch dekoriert. Man kauft sie im Kaufhaus oder - und das erstaunt die Franzosen - im Schreibwarenladen, wo sie ganz selbstverständlich neben den Schulranzen, Stiften und Heften liegt. Es gibt auf Französisch übrigens gar kein Wort für diesen schönen Gegenstand. Der Franzose wäre gezwungen, ein amerikanisches Wort zu benutzen: "Tupperware".

Die Butterbrotdose ist so ein alltäglicher Gegenstand in Deutschland, dass sie ganz selbstverständlich weiterbenutzt wird, auch wenn die Schulzeit längst vorbei ist. Deshalb kann man in Hörsälen an deutschen Universitäten Studenten mit einer Butterbrotdose sehen, aus der sie während des Seminars in aller Seelenruhe Obststücke essen. So ein Verhalten wäre in Frankreich ein Affront.



Erstellt: 13-09-07
Letzte Änderung: 18-03-11


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