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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 5. März 2006 - 05/03/06

der Gegenstand: die Baskenmütze

die Baskenmütze


Unser Journalist Hajo Kruse erzählt uns heute von einer sehr sehr französischen Kopfbedeckung. Aber sehen Sie lieber selbst.


Ziemlich ratlos steht Hans Biedermann aus Buxtehude vor der Louvrepyramide: er möchte jemanden fragen, wie er am besten zum Musée d’Orsay kommt. Aber hier sieht er fast nur Touristen, die leicht als solche zu erkennen sind: Japaner mit vielen Kameras, Amerikaner mit Baseballmützen, Deutsche mit Birkenstocksandalen, Italiener, die laut italienisch sprechen und gestikulieren.

Wie kann Hans Biedermann aus Buxtehude unter all den Fremden einen Franzosen ausmachen, den er fragen könnte? Die Antwort ist ganz einfach: schließlich weiss jeder, aus unzähligen witzigen Darstellungen wie ein echter Franzose daherkommt: Man erkennt ihn, an der Moustache, in der Regel hat er ein Baguette unter dem Arm, manchmal eine Rotweinflasche in der Tasche, vor allem aber outet sich der Franzose mit der unverzichtbaren Baskenmütze. Diese Kopfbedeckung ist so typisch französisch, dass man sie in Deutschland manchmal sogar Franzosenmütze oder Franzosendeckel nennt. Hans Biedermann aus Buxtehude steuert also zielstrebig den ersten Träger einer Baskenmütze an, um den "Franzosen" zu befragen. Enttäuschung: der Mann kommt aus Neckarsteinach und ist ein Fan von Che Guevara.

Der nächste Baskenmützenträger ist ebenfalls deutsch: Ein frankophiler Lehrer, der politisch den Grünen nahesteht. Der dritte Träger einer Baskenmütze ist schließlich garantiert ein waschechter Franzose, er trägt sogar ein Baguette unter dem Arm: Doch wieder wird unser Freund enttäuscht. Dieses Mal handelt sich um einen jungen Alternativen aus Berlin. Hans Biedermann aus Buxtehude kommt etwas verdutzt zu folgendem Schluss: Die meisten Träger der typisch französischen Kopfbedeckung sind deutsche frankophile Intellektuelle, die den deutschen Hut mit oder ohne Gamsbart und die lächerlichen Baseballmützen verabscheuen. Aber warum nennt man denn diese Kopfbedeckung "Baskenmütze"? 

Der Name geht auf Kaiser Napoleon III. zurück. Der weilte mit seiner Gattin Eugénie gerne im Baskenland. Da sah er viele dieser Mützen und nannte sie fälschlicherweise béret basque, Baskenmützen. Keiner wagte, dem Monarchen zu widersprechen, und so setzte sich der Begriff durch. In Wirklichkeit handelt es sich um das "Béret", das im Südwesten Frankreichs, im Béarnais, in der Gascogne und im Baskenland beliebt ist. Ursprünglich war es die gestrickte Wollmütze der Schäfer in den Pyreneen.

Später wurde sie aus Filz gefertigt. Praktisch, unverwüstlich und faltbar oder zusammengerollt in die Tasche zu stecken, wurde sie von vielen Armeen in der ganzen Welt übernommen. In Frankreich wurde sie in den 40er Jahren sehr beliebt, und man trug sie nun im ganzen Lande. So sehr, dass das Tragen der "Franzosenmütze" während der deutschen Besatzung in Elsass-Lothringen als Zeichen des Widerstandes galt und deshalb verboten wurde. Bittere Ironie war dabei, dass gerade die berüchtigte Miliz, die französische Hilfstruppe der Kollaboration, die die Résistance mit grausamsten Mitteln bekämpfte, sich mit dieser typisch französischen Kopfbedeckung schmückte. Dennoch ist das Béret nicht verschwunden. Alle paar Jahre kommt diese zum Klassiker geworden Kopfbedeckung wieder zum Vorschein. Und sei es auch nur auf deutschen Köpfen.

Erstellt: 01-03-06
Letzte Änderung: 18-03-11


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