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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 01. Juli 2012 > der Gegenstand: der Pfeiftopf

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Karambolage Wiederholung - 01/07/12

der Gegenstand: der Pfeiftopf

Sie erinnern sich, vor einiger Zeit präsentierte uns Corinne Delvaux den "anti-monte-lait" - den Milchhüter... Und stellen Sie sich vor, dieses Thema stiess bei Ihnen, werte Karambolage-Zuschauer, auf große Resonanz...

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Voriges Jahr, Sie erinnern sich vielleicht, hat Karambolage Ihnen den Milchüter vorgestellt, diesen genialen Gegenstand, der mit seinem Klappern meldet, dass die Milch kocht. Also nimmt man die Milch schnell vom Feuer. Stellen Sie sich vor: Wir bekamen sehr viele Reaktionen auf diesen Beitrag. Deutsche Zuschauer wollten wissen, wo man den Milchhüter kaufen kann, denn er wird in Deutschland wenig verwendet und ist schwer zu finden. Oder besser, er wurde wenig verwendet, denn dank Karambolage ist die Nachfrage nach Milchhütern inzwischen beträchtlich gestiegen.

Gut. Ein Karambolagezuschauer aus Sachsen, Herr Hennig, schickte uns netterweise sogar einen Topf. Einen banalen Topf? Nicht ganz: Sehen wir ihn uns einmal genauer an. An der Seite befindet sich ein kleines Loch mit einem abnehmbaren Ventil. Bei diesem Topf handelt es sich um einen Aluminium-Topf mit Doppelwand: man gießt ein bisschen Wasser ins Loch... so, steckt das Ventil wieder drauf, gießt die Milch in den Topf... so, dann macht man den Herd an, und beschäftigt sich anderweitig.

Ah, Achtung, hören Sie das Pfeifen? Genau! Das Wasser kocht in der Außenwand, und der Dampf, der durch das Ventil austritt, produziert einen immer schrilleren Pfeifton, das klingt fast so, als würde der Topf die Geduld verlieren und einen streng zur Ordnung rufen. Also beeilt man sich, den Herd auszusschalten. Ist das nicht toll? Unser sächsischer Zuschauer, Herr Hennig, findet dieses deutsche System viel raffinierter und effizienter als den in Frankreich benutzten Milchhüter. Naja, jedem das Seine...

Der Topf funktioniert nach einem Wasserbad-Prinzip, das die Franzosen "bain-marie" - Marienbad nennen. Das Prinzip besteht darin, den Topf mit den Zutaten in einen etwas größeren Topf zu stellen, in dem sich siedendes Wasser befindet. Auf diese Art kann man delikate Speisen zubereiten, Soßen und Cremes, die nicht kochen dürfen, oder man schmilzt Schokolade, so wie hier.

Wieso die Franzosen "bain-marie" - Marienbad sagen? Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Manche behaupten, diese Bezeichnung, früher "Balneum mariae", stamme daher, dass das Wasserbad von einer gewissen Marie erfunden worden sei, einer jüdischen Alchimistin aus dem 4. Jahhundert, die auch viele Laborinstrumente erfunden haben soll. Anderen zufolge habe der deutsche Philospoh Albertus Magnus im 13. Jahrhundert diese Koch-Prozedur ausgeklügelt. Albertus war, wie die meisten Gelehrten dieser Zeit, ein großer Wissenschaftler, der auch mit Reagenzgläsern umgehen konnte. Wir werden wohl nie die genaue Herkunft des "bain-marie" oder die seines Namens erfahren…

Ein großes Dankeschön jedoch an Herrn Hennig, dem wir gleich morgen früh seinen magischen Topf zurückschicken werden. Ehrenwort!

Erstellt: 29-06-12
Letzte Änderung: 29-06-12


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