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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 13. Januar 2008 - 13/01/08

der Gegenstand: das grobkörnige Salz

Corinne Delvaux erzählt uns von dem Dilemma eines Franzosen, der in Deutschland Nudeln kochen will. Hören Sie.

Dieser Franzose freut sich: Er kann für eine Woche in der Berliner Wohnung seiner deutschen Freunde wohnen. So eine schöne große Küche, davon können Pariser nur träumen, sagt er sich, während er Wasser für ein nahrhaftes Nudelgericht aufsetzt. Bloß nicht das Salz vergessen. Wo aber ist das grobkörnige Salz? Neben dem Pfeffer ist es nicht, das steht nur das feine Salz. Seltsam! Tja, unser Freund kann suchen wie er will, das grobkörnige Salz wird er nicht finden, mit dem jeder anständige Franzose sein Nudel- oder Reiswasser und seine Hühnerbrühe salzt. Die meisten Deutschen wissen noch nicht einmal, wie man es verwendet, außer vielleicht als knusprige Salzkörnchen zum Dekorieren von Brezeln.

Wussten Sie, dass in Deutschland, obwohl das Land an die Nord- und die Ostsee grenzt, nur Steinsalz gewonnen wird? Es gibt Salzbergwerke in Hannover, Heilbronn und Staßfurt, die bedeutendste Salzmine Europas liegt jedoch in Borth am Niederrhein. Dort werden pro Jahr ganze 2,5 Millionen Tonnen Steinsalz gewonnen. Dieses Salz, das in Form von Brocken abgebaut wird, stammt aus einer Zeit von vor 200 Millionen Jahren, als die Ozeane verdampften und auf der Erdoberfläche meterdicke Salzschichten zurückließen.

Auf griechisch heißt Salz "als" und wenn eine deutsche oder österreichische Stadt die Silbe "Hall" im Namen führt, wie Halle, Hallein oder Bad Reichenhall, dann spielt Salz dort eine wichtige Rolle! Und natürlich auch in Salzgitter, Salzburg usw… Die Salzarbeiter nannte man "Halloren". Über Jahrhunderte ist Salz ein Mittel zur wirtschaftlichen und politischen Machtausübung. In Frankreich erfindet Philippe VI 1340 die "gabelle", eine Salzsteuer, die erst während der Französische Revolution abgeschafft wird. Doch andere Salzsteuern existieren weiter: sie werden schließlich 1946 in Frankreich und 1993 in Deutschland abgeschafft! In Frankreich gewinnt man zu gleichen Anteilen Steinsalz und Meersalz. Das Meersalz wird zu 98 % in Salinen am Mittelmeer gewonnen, in einem computergesteuerten Verfahren, das sich stark von der kleinen, traditionellen, aber renommierten Produktion am Atlantik unterscheidet.

Auch wenn die Meerwassersalinen in Guérande und auf den Inseln Ré und Noirmoutier nur 2 % der französischen Salinenproduktion ausmachen, ist ihr Bekanntheitsgrad enorm. Dort verdampft das Wasser noch durch die Sonne und den Wind. Um den Prozess zu beschleunigen, wird das Meerwasser durch ein kompliziertes System von zusammenhängenden Becken geleitet. Im Juli oder im August wird als erstes das abgeschöpft, was der ganze Stolz der Salinen der Atlantikküste ist: la fleur de sel, die Blume des Salzes, ein besonders feines, weißes Salz voller Vitamine und Mineralstoffe, das ein Vermögen kosten kann. Böse Zungen behaupten zwar, es sei ganz gewöhnliches Salz, das nur durch ein besonders schlaues Marketing zum Bestseller avancierte, wie dem auch sei, manche Franzosen schwören nur auf fleur de sel….

So, das alles erklärt uns nicht, warum es so schwierig ist, in Deutschland diese grobkörnige Salz zu finden, das für einen Franzosen absolut notwendig ist, um einen großen Topf Wasser zu salzen. Nun, das Salz mit den großen Kristallen hat sich in Deutschland einfach nicht durchgesetzt. So ist es halt.

Erstellt: 11-01-08
Letzte Änderung: 16-05-12


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