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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 12. März 2006 - 12/03/06

der Gegenstand: das Croissant

das Croissant


Essen Sie gerne Croissants? Katja Petrovic erzählt uns die Geschichte dieser französischen Spezialität, deren Ursprünge gar nicht so französisch sind.


Ja, ich weiss: das Croissant! Abgedroschener geht es wohl kaum. Das alte Klischee, der Inbegriff französischer Lebensart. Aber wissen Sie eigentlich, dass das Croissant gar nicht aus Frankreich kommt! Es war ein Österreicher, der das weltberühmte Hörnchen erfand und zwar im Jahr 1683, als die Türken vor den Toren Wiens standen und die Stadt erobern wollten. Hierzu versuchten die osmanischen Soldaten, in der Nacht einen Tunnel unter der Stadtmauer hindurch zu graben.

Sie hatten jedoch nicht mit den Wiener Bäckermeistern gerechnet, die schon früh bei der Arbeit waren und das Hämmern und Klopfen der Türken hörten. Sofort alarmierten sie die Wachposten, welche die verdutzten Feinde in die Flucht schlugen. Um diesen Sieg zu feiern, formten die Bäcker ein sichelförmiges Gebäck aus Brotteig, nach dem Bild des Halbmondes, wie man ihn von der türkischen Nationalflagge kennt. Das sogenannte "Hörnchen" durften die Bäcker dann übrigens auch als einzige im ganzen Land verkaufen.

Ein Jahrhundert später, im Jahr 1770, heiratet Marie-Antoinette, Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, den späteren König Ludwig XVI, und macht das Wiener Hörnchen am Hof von Frankreich bekannt. Seitdem heißt es Croissant, denn seine Form erinnert an den Halbmond, "croissant de lune", womit wir wieder bei der türkischen Flagge wären. Doch die Franzosen wissen unbewusst, dass das Croissant aus Wien kommt. Gehört es nicht zu den "viennoiseries", den "Wienereien", wie das Pain au chocolat, die Rosinenschnecke und die Apfeltasche?

Und doch gibt es neben den Österreichern noch andere Nationen, die das Croissant erfunden haben wollen. Die Ungarn, zum Beispiel. Und zwar 1686, zur Zeit der türkischen Belagerung. Damals wollten die Türken einen Tunnel unter der Stadtmauer Budapests graben, doch ein Bäcker… und so weiter…und so weiter. Sie kennen die Geschichte, die im Laufe der Zeit einfach ihren Handlungsort gewechselt hat. Auch wenn die Franzosen nicht die Urväter des Croissants sind, haben Sie doch das letzte Wort in dieser Geschichte.

Denn Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäck, daran besteht kein Zweifel, einfach in Frankreich neu erfunden. Die Franzosen ersetzten den briocheartigen Teig, (aus dem es bisher gemacht wurde), durch Blätterteig mit viel guter Butter zwischen den einzelnen Schichten. Nun, die gute Butter, die bekommen Sie nur wenn Sie ein "croissant au beurre" kaufen.  Denn das gewöhnliche Croissant, das croissant "ordinaire" hat zwar die schöne halbmondförmige Krümmung, es enthält jedoch nur Margarine.

Erstellt: 08-03-06
Letzte Änderung: 18-03-11


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