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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 26. März 2006 > der Brauch: der 1. April

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 26. März 2006 - 26/03/06

der Brauch: der 1. April

der 1. April


Nikola Obermann bereitet uns nun auf das kleine Ritual zum ersten April vor, wie es dies- und jenseits des Rheins mit kleinen Unterschieden praktiziert wird.



poisson_2.jpg.imageDataWas ist das? Das ist ein Fisch. Ein Fisch aus Papier. Ein Fisch aus Papier, auf dem Rücken einer Person, die es nicht weiss. Es ist also ein Aprilfisch, ein poisson d’avril! In ein paar Tagen ist nämlich der erste April! Und der beliebteste Scherz der französischen Kinder ist der "poisson d’avril". Man schneidet ihn aus, befestigt ihn mit Faden oder Stecknadel auf dem Rücken eines Freundes, der Eltern, oder sogar des Lehrers, und hofft, dass die Person ihn den ganzen Tag über trägt und sich damit total lächerlich macht. Man ruft auch "Poisson d’avril", nachdem man sich über jemanden lustig gemacht hat, zum Beispiel wenn man ihn losschickt, etwas zu holen, das es gar nicht gibt: ein Sieb ohne Löcher, ein Bügeleisen für Pelz oder wenn er auf eine Lügengeschichte hereingefallen ist.

Auch wir Deutschen machen Aprilscherze am ersten April, den Aprilfisch kennen wir allerdings nicht. Ein Deutscher ruft "April, April!", nachdem er zum Beispiel seinen Arbeitskollegen mit einer superlustigen Lüge in Panik versetzt hat: "Eh, du hast einen RIESENFLECK auf dem Hemd!" "Ach Gott, wo denn?" "April, April "! Der Ausdruck, der sich hierfür eingebürgert hat, ist "Jemanden in den April schicken". Die Gutgläubigen, Genarrten und Gefoppten nennt man dann je nach Region Aprilnarr, beziehungsweise Aprilesel, oder gar Aprilochse. Ein Tier fehlt seltsamerweise - genau, der Aprilfisch! Die Scherze in den Medien sind etwas ausgefeilter. So kündigte der WDR am ersten April 1997 die Welturaufführung eines erst kürzlich entdeckten Meisterwerkes von Franz Schubert an. Irre Vorfreude bei den Musikliebhabern und "April, April"! Die Franzosen leisteten sich ihren besten Scherz 1962: ein Nachrichtensprecher verkündete damals, dass der Eiffelturm um 50 Meter versetzt werden müsse. Aufruhr unter den Zuschauern und "Poisson d’avril"! Der Brauch, den es in den meisten europäischen Ländern gibt, existiert seit dem 16ten Jahrhundert. Es gibt hunderte von Theorien, um seinen Ursprung zu erklären, die will ich Ihnen aber lieber nicht antun.
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Hier nur die Wahrscheinlichste: Bei einer Reise durch sein Königreich stellte der Franzosenkönig Karl der IX fest, dass der Jahresanfang je nach Region zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfand. 1564 legt er deshalb den Jahresbeginn auf den 1. Januar. Das führte dazu, dass man sich über all diejenigen lustig machte, die das Neue Jahr gerne weiter mit dem Frühlingsanfang gefeiert hätten, indem man ihnen am 1. April ein falsches frohes neues Jahr wünschte. Nach und nach breitete sich der Brauch der Aprilscherze dann in Europa aus. Und der Fisch der Franzosen? Eine Theorie führt ihn auf den Beginn der Angelsaison im April zurück. Man habe sich über die, die nichts gefangen hätten, mit einem fiesen "poisson d’avril" lustig gemacht. Oder die pseudochristliche These: Fisch - Christusymbol, Passion wird zu Poisson. Ja, das ist vielleicht etwas an den Haaren herbeigezogen... Auf jeden Fall hat der Fisch in Frankreich die Jahrhunderte am Rücken von Erwachsenen und Kindern überdauert. Ich persönlich habe ja eine Theorie für seine Langlebigkeit: Er ist schön einfach. Oder bitten Sie mal ein Kind, einen Esel auszuschneiden …


Erstellt: 23-03-06
Letzte Änderung: 18-03-11


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