Schriftgröße: + -
Home > Europa > Karambolage

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 18. Dezember 2011 > der Alltag: die Vinaigrette

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Karambolage 253 - 18/12/11

der Alltag: die Vinaigrette

Séverine Bavon ist Französin, sie hat eine Zeit lang in Deutschland studiert und hat natürlich in einer deutschen Mensa gegessen. Dort hat sie eine traumatische Erfahrung gemacht.

Previous imageNext image
Als ich in Deutschland studierte, fiel es mir nicht sehr schwer, mich in die fremde Kultur einzugewöhnen. An einem Ort jedoch fühlte ich mich immer sehr allein und sehr französisch: an der Salatbar in der Mensa.

Mit dem Salat selber hatte ich kein Problem. Mein Problem war das Dressing. Die einzige Salatsoße, die für mich in Frage kommt, gab es nämlich nicht: die Vinaigrette.

Statt dessen kam ich in den Genuss einer weißen, kremigen Masse aus Joghurt, der manchmal Mayonnaise, Kräuter und Honig beigemischt waren. Ich fand das ziemlich ungenießbar und habe mich nie daran gewöhnen können.

Denn in Frankreich spaßt man nicht mit der vinaigrette. Schon im renommierten Wörterbuch der Académie française aus dem Jahre 1694 wird sie erwähnt, sogar mit Rezept: es ist eine  "Art kalte Soße aus Essig, Öl, Salz, Pfeffer, Petersilie und Schnittlauch". Dieselben Zutaten wie heute!

Die Vinaigrette ist ein so fester Bestandteil der französischen Kultur, dass sie auch im Ausland "french dressing" heißt. Ihr Siegeszug im Ausland begann im 19. Jahrhundert. Es heißt, ein nach London emigrierter französischer Ritter, Chevalier d’Albigniac, bereitete eine Vinaigrette zu, die so großen Erfolg hatte, dass er bald überall als "fashionable salad maker" bekannt war - wörtlich als trendiger Salatzubereiter.

Damals war es der letzte Schrei, den Ritter zu Hause zu empfangen, um sich ein "French dressing" mixen zu lassen. Der Ritter probierte nach Herzenslust Rezepte aus Öl, Essig und manchmal sogar Eigelb und Ketchup aus. Vielleicht gehört deshalb in das "French dressing" in den USA Ketchup.

Fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Mein Vinagretterezept. Das hat mir meine Großmutter beigebracht. Geben Sie drei Eßlöffel Öl und einen Esslöffel Essig in eine Schüssel, dazu einen Teelöffel Senf, Salz, Pfeffer und Petersilie. Et voilà eine französische Vinaigrette: ganz traditionell und natürlich, köstlich.

Text: Séverine Bavon
Bild: Stéphanie Cazaentre

Erstellt: 16-12-11
Letzte Änderung: 04-01-12


+ aus Europa