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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 12. Februar 2012 > der Alltag: die Straßenreinigung

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Karambolage 259 - 12/02/12

der Alltag: die Straßenreinigung

Wer hat gesagt, Frankreich wäre dreckig? Das stimmt nämlich gar nicht, erklärt uns Nikola Obermann.

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Ein deutscher Freund auf Paris-Besuch übernachtet bei mir. Am Morgen steht er früh auf und holt Croissants. Als er zurückkommt, schaut er, als hätte er ein UFO gesehen. "Es hat geregnet, aber die Autos sind gar nicht nass!" wundert er sich. "Es hat nicht geregnet", sage ich, "die Straße ist gewaschen worden." Genau, in den französischen Großstädten wird eben nicht nur gekehrt, man wäscht die Straßen auch noch. Und zwar mit einer "laveuse de trottoir" - Bürgersteigreinigungsmaschine, oder einer "laveuse de chaussée" - also einer Straßenreinigungsmaschine.

Die kleine Maschine fährt auf dem Bürgersteig. Das Wasser kommt aus einer Rampe an der Vorderseite, die vom Fahrer mit einer Art Joystick gesteuert wird, wie beim Videospiel. Die große Straßenreinigungsmaschine muss, wie ihr Name schon sagt, auf der Straße bleiben. Der Fahrer und der Mann mit der Spritze müssen darauf achten, dass sie schön synchron arbeiten: der Spritzer geht auf dem Bürgersteig und spritzt ihn mit Hochdruck ab, um Abfälle und Hundedreck in den Rinnstein zu leiten. Der Wagen wiederum spritzt Wasser unter die Autos und wäscht so die Straße. Für die Arbeit mit der Spritze muss man schon etwas geschickt sein, denn man muss Straßenschilder mit dem Schlauch umgehen, man muss aufpassen, dass man keine parkenden Autos zerkratzt oder gar Fußgänger bespritzt.

Was mit den Abfällen passiert, wenn sie im Rinnstein gelandet sind? Sehen Sie, die Straßenkehrer haben zuvor diese Wasserhähne geöffnet, damit sie bis zum nächsten Gulli geschwemmt werden, wo sie auf dem Gitter liegenbleiben. Damit das Wasser auch in die richtige Richtung läuft, verwenden sie diese wunderbaren "chiffons de barrage" - wörtlich Staulumpen - das sind Stoffballen oder Teppichrollen, die das Wasser nach rechts oder links lenken. Zuletzt holen die Straßenfeger dann die größeren Abfälle mit ihrem Besen vom Gitter. Sie sagen jetzt, das sei Wasserverschwendung? Aber nicht doch, das ist doch kein Trinkwasser. Das Wasser in den Tanks der Straßenreinigunswagen kommt in Paris zum Beispiel aus der Seine. Nachdem die Straße damit gereinigt wurde, verschwindet das Seinewasser in der Pariser Kanalisation, wird in einer Kläranlage gereinigt und fließt schließlich wieder in die Seine zurück.

Im Sommer liebe ich es morgens rauszugehen, wenn die Bürgersteige noch nass sind mit kleinen Pfützen hier und da. Die Stadt ist dann so frisch wie nach einem Sommerregen. Diese Art der Strassenreinigung hat eine lange Tradition. Der Pariser Präfekt Georges Eugène Haussmann führte sie Mitte des 19. Jahrhunderts ein, und zwar im Zuge seiner Stadtsanierung, die unter anderem eine bessere Hygiene zum Ziel hatte.

In Deutschland werden die Bürgersteige gefegt, in der Regel aber nicht mit Wasser abgespritzt. Die Berliner Stadtreinigung erklärt uns sogar, dass die Verwendung von Hochdruckwasserspritzen wenig sinnvoll sei, denn die dortigen Bürgersteige haben, wie in vielen anderen deutschen Städten auch, einen Plattenbelag, der auf Sand liegt. Ein Wasserstrahl würde höchstens den Sand aus den Fugen hervorholen, den Bürgersteig uneben machen und ihn ausserdem noch verschmutzen.


Text: Nikola Obermann
Bild: Elsa Perry

Erstellt: 09-02-12
Letzte Änderung: 20-02-12


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