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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 19. Februar 2012 > der Alltag: der Araber vom Eck

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Karambolage Wiederholung - 19/02/12

der Alltag: der Araber vom Eck

Vincent Lecoq ist Autor und lebt in Paris. Er stellt uns heute ein Geschäft vor, das im Alltag der Franzosen eine wichtige Rolle spielt: der Lebensmittelladen an der Ecke.

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Sie sind in Paris, es ist Sonntagabend um 23 Uhr. Sie sind eben aus den Ferien zurückgekommen und ihr Kühlschrank ist gähnend leer. Sie sind ausgehungert, doch die Läden haben seit langem geschlossen. Was tun? Bis zum nächsten Morgen  über ihre Vergesslichkeit jammern? Nicht doch! Es gibt eine Lösung, die alle Pariser kennen: "l’Arabe du coin" - der Araber vom Eck.

Der Araber, das ist so etwas wie ein Tante Emma Laden. Da steht er mit seinem Lächeln in seinem grauen Kittel, seinem südländischen Akzent, und seinem grossen Angebot. Er verkauft Obst, Gemüse, Butter, Konserven, Wein, Windeln, Batterien, Shampoo, usw. All das verkauft er Ihnen für einen Preis, der bis zu 30% über dem Durchschnitt Läden liegt, aber das ist normal, denn er ist spät abends noch geöffnet und ist bereit, auch an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten, um seine Kundschaft zufriedenzustellen. Wenn Sie in Deutschland um Mitternacht dringend Klopapier brauchen, rennen sie zur Tankstelle. In Frankreich rennen Sie zum Araber.

In den 70er Jahren, als die Supermärkte aufkommen, geben viele traditionelle Gemischtwarenhändler, die oft aus der Bretagne oder der Auvergne stammen, ihr Geschäft auf, weil es sich nicht mehr rentiert und viel zu anstrengend geworden ist. Sie verkaufen deshalb Ihre Läden an Neuankömmlinge, meistens an Einwanderer aus Nordafrika. Die Araber vom Eck werden schnell zu einem sehr wichtigen Bestandteil des französischen Alltags. Ihr buntes Lädchen, das Nachtschwärmern, Vergesslichen und Leuten mit unkonventionellen Arbeitszeiten aus der Patsche hilft, hat sicher sehr zu ihrer Integration beigetragen.

Es gibt jedoch ein Detail, das sogar viele Franzosen nicht kennen. Die meisten Araber vom Eck sind gar keine Araber! Auch wenn sie aus Nordafrika kommen, sind ein Großteil der Inhaber der Araberläden Berber. Sie kommen von der Insel Djerba in Tunesien oder es sind Schleuh aus dem marokkanischen Atlasgebirge. Ihre Vorfahren kommen nicht von der arabischen Halbinsel und sind demnach keine Araber. Nun, auch wenn der Begriff Araber vom Eck sprachlich nicht korrekt ist, er hat sich eingebürgert. In einem Stück des Erfolgsautors Eric-Emmanuel Schmitt sagt ein Araber sogar selbst: "Araber sein, das heisst abends und sonntags geöffnet sein."

Heutzutage verkaufen die abgearbeiteten oder wohlhabenden Araber vom Eck ihre Läden wiederum an andere Immigranten weiter, zum Beispiel an Chinesen oder Inder. Auch die wollen hart arbeiten, um sich zu integrieren. Doch ganz gleich, ob der Laden von einem Chinesen, einem Inder oder einem Pakistaner geführt wird, die Franzosen werden vermutlich weiterhin zum Araber gehen.

Erstellt: 17-02-12
Letzte Änderung: 17-02-12


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