Schriftgröße: + -
Home > Europa erkunden > Karambolage

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 27. September 2009 > der Alltag: das "sot-l’y-laisse"

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 27. September 2009 - 27/09/09

der Alltag: das "sot-l’y-laisse"

Heute lädt uns Corinne Delvaux zum Hähnchenessen ein. Lecker, sind Sie bereit?

Previous imageNext image
Dieser Herr ist Franzose. Er ist in seiner französischen Küche. Der Herr hat gerade ein leckeres Hähnchen gegrillt, ein wahrer Sonntagsschmaus. Na das sieht aber appetitlich aus! Miam… Das ist aber noch nicht alles, jetzt muss es noch zerlegt werden. Sehen Sie, wie geschickt er das macht! Er beginnt mit dem Schenkel, zweiter Schenkel… so… ein Flügel, der andere Flügel, ein schönes Bruststück… sehen Sie! Und das zweite Bruststück. So. Perfekt!

Plötzlich strahlt er, man spürt eine Art gastronomische Vorfreude. Dieser französische Herr freut sich nämlich auf seine Belohnung… Da, sehen Sie das hübsche, kleine ovale Stück in der Rückenpartie? Dieses etwas dunklere, sehr schmackhafte, unglaublich zarte, weiche Fleisch ist der Appetithappen, den sich oft der gönnt, der in der Küche das Geflügel zerlegt, als Belohnung für seine Arbeit. Eine heißbegehrte Belohnung, die man deshalb lieber heimlich verspeist, sie ist ja auch viel zu klein, um sie zu teilen, oder?

Der Symmetrie sei Dank gibt es zwei von diesen leckeren Stückchen. Hmm, unser Freund löst auch schon das zweite heraus. Die Franzosen sind ganz verrückt nach diesem zarten Stück. Sie haben übrigens eine ganz besondere, recht eigenartige Bezeichunung dafür, "sot-l’y-laisse". Hören Sie : "sot-l’y-laisse". Als ich klein war, dachte ich, es schriebe sich "solilesse". Le "solilesse". Warum auch nicht? Die Kanadier schreiben es übrigens so. Erst später begriff ich, dass man "sot l’y laisse" so schreibt. Wörtlich heisst das "der Dumme lässt es", was bedeutet, dass man ganz schön doof sein muss, um diese Delikatesse dranzulassen….

Die Franzosen lieben nicht nur das "sot-l’y-laisse", sie lieben auch das Wort "sot l’y laisse". Es klingt nach der "guten alten Zeit". Es stammt aus dem Jahre 1798. Damals bezeichnete es das Fleisch zwischen der Brust und den Schultern eines Hirsches. Weil man aber nicht jeden Tag Hirsch isst, ging der Begriff auf das Hühnchen über. So ein Abstieg. Na, und wie nennen die Deutschen das "sot-l’y-laisse"? Na? Na? "Der Dumme lässt’s"? Eben nicht. Es gibt kein deutsches Wort für dieses leckere Stück. Und Sie wissen ja: was man nicht benennen kann, das existiert nicht. Unsere sehr intensiven Nachforschungen haben daher auch ergeben, dass viele Deutsche das "sot-l’y-laisse" gar nicht kennen und es leider viel zu oft mit dem Gerippe des Hühnchens im Abfall verschwindet.

Deshalb, liebe deutsche Freunde, seien sie nicht dumm, kaufen Sie sich schnell ein Brathähnchen und kosten Sie dieses leckere Stück, das "sot-l’y-laisse". Übrigens, wüßte ein Zuschauer vielleicht ein deutsches Wort dafür? Ein Wort, das uns entgangen wäre? Dann schicken Sie es uns doch bitte ganz schnell über unsere Internetseite…

Hier geht's zur Antwort...

Text: Corinne Delvaux
Bild: Claire Doutriaux & Claude Delafosse
mit: Jacques Falgous



der Alltag: das "sot-l’y-laisse" finden Sie auf der DVD 8

Erstellt: 25-09-09
Letzte Änderung: 16-05-12


+ aus Europa erkunden