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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 02. Dezember 2012 > das Wort: Berlinerisch 4

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Karambolage 283 - 02/12/12

das Wort: Berlinerisch 4

Und hier wieder ein paar deutsche Wörter französischer Herkunft, präsentiert von unserem Freund Hinnrich Schmidt-Henkel:

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Wenn ein Franzose "bredouille" von der Jagd kommt, dann heißt das, er hat nichts geschossen. Aber es gibt doch auch diese deutsche Wendung, "Ich stecke in der Bredouille" – was soll das heißen? Das ist wieder einmal einer der aus dem Französischen stammenden Begriffe, die im 17. Jahrhundert von den Hugenotten importiert und dann vom Volksmund überformt wurden.

"Bredouille" das bedeutete im Französisch alter Zeiten den Schlamm: Ein Karren, der im Schlamm festsaß, war blockiert, ebenso wie ein Mühle-Spieler in der "Bredouille" sitzt, der in die Zwickmühle geraten ist. Wenn ein Deutscher heute sagt: "Ich stecke in der Bredullje", dann hat er ernste Probleme.

Weiter mit französischen Wörtern: die Bulette, auf gut berlinerisch eine Frikadelle, ein Fleischklops, die Bayern sagen übrigens Fleischpflanzerl. Und wo kriegt man die? Na, in der Buddieke! Franzosen hören sofort die Herkunft von Buddieke aus "boutique" - Laden. Die Buddieke war im alten Berlinerisch ein eher schlichtes Lokal, eine Kneipe.

Um da hinzugehen, braucht man sich nicht in den Sonntagsstaat zu werfen, doch wer unbedingt nach der letzten Mode geht, kann hören: "Na, du bist ja totschick!". Schick kommt vom französischen "chic", aber tot? Tödlich gut gekleidet? Nein, "tout chic", ganz schick: "tout chic" – totschick.

Noch ein letztes: Wissen Sie, wie man in Berlin jemanden nennt, der mit einwärts gedrehten Füßen geht? "Der geht ja übern großen Onkel" - er watschelt wie eine Ente. Übern großen Onkel? Eigenartig, oder? Da haben die Berliner im französischen "ongle" - dem Nagel, hier dem des großen Zehs, schlicht den Onkel gehört - und "le grand ongle" wird zum "großen Onkel".

Text: Hinrich Schmidt-Henkel
Bild: Claude Delafosse

Erstellt: 30-11-12
Letzte Änderung: 12-12-12


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