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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 18. November 2012 > das Wort: Berlinerisch 3

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Karambolage 281 - 18/11/12

das Wort: Berlinerisch 3

Hinrich Schmidt-Henkel hat wieder ein paar charmante deutsche Wörter aufgespürt, die französischer Herkunft sind.

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Ein historischer Rückblick: Im Jahre 1598 erlässt König Heinrich IV. von Frankreich, selbst früher Protestant, das Edikt von Nantes, das den Protestanten, Hugenotten genannt, Religionsfreiheit garantiert. Leider aber dauert dieser schöne Zustand nicht lange, die Religionskriege flammen wieder auf, und im Jahre 1685 wird das Toleranzedikt von Ludwig XIV.  widerrufen, was die Emigration von rund 200.000 Hugenotten nach sich zieht. Viele von ihnen werden von Preußen aufgenommen, und man stelle sich vor, im Jahrhundert danach war in Berlin jeder vierte Einwohner französischer Herkunft. Eine erstaunliche Zahl.

Berlin und sein Umland sind berühmt für die farbigen Wendungen, die aus französischen Begriffen gebildet wurden. Sie hatten lange ihren festen Platz in der volkstümlichen Redeweise.

Zum Beispiel "Muckefuck". "Muckefuck", das soll französisch sein? Ja, und es bezeichnet den Zichorienkaffee. Falscher Kaffee - "café faux" oder "mocca faux" – Muckefuck!

So ein "Muckefuck" war schnell zubereitet, jeder konnte das. Für die Hand – französisch "la main" – sagt man in Berlin die Lamäng, mit beiden Artikeln, "die" und "la". Ich mache das im Handumdrehen: "Die Chose mach ich aus der Lamäng".

Auch die lebhafte französische Gestik hat zu eigenen Ausdrücken geführt. Auch sonst – nicht nur in der Gestik - haben die Franzosen viel Schwung und machen alles, wie man in Berlin sagt, mit "Avec" – mit Mit.

Zurück zu den Getränken: Wein mit Wasser, das heißt auf Deutsch Schorle oder Schorlemorle. Auch das würde niemand für Französisch halten. Aber es geht auf einen Trinkspruch zurück: "Toujours l'amour !" – Die Liebe allzeit. "Toujours l’amour" – Schorlemorle... na ja, nach ein paar Gläsern...

Mein Lieblingstrinkspruch aber stammt aus dem norddeutschen Platt, aus Mecklenburg, wo die besseren Landmänner, um gutbürgerlich zu wirken, allerlei französische Wendungen imitierten. Und aus dem schönen Trinkspruch, "A ce que nous aimons" – Auf das, was wir lieben! - machten sie im 19. Jahrhundert: Knusemang. "A ce que nous aimons!" - "cqunousaimons" – Knusemang!

Text: Hinrich Schmidt-Henkel
Bild: Claude Delafosse

Erstellt: 27-06-07
Letzte Änderung: 12-12-12


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