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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 02. Dezember 2012 > das Porträt: der deutsche Schäferhund

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Karambolage 283 - 02/12/12

das Porträt: der deutsche Schäferhund

Hajo Kruse zeichnet uns heute das Porträt eines guten und treuen Freundes vieler Deutscher. Aber sehen Sie lieber selbst:

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Was ist der Lieblingshund der Deutschen? Ich weiß, es gibt kein schlimmeres Klischee, aber das ist nun einmal der deutsche Schäferhund. Seine Vorfahren waren Hütehunde, die mit dem Schäfer die Herde bewachten. Den Rassehund "Deutscher Schäferhund" gibt es allerdings noch nicht sehr lange. 1898 kauft ein gewisser Max von Stephanitz den Hund Hektor von Linksrhein, der unter dem Namen Horand von Grafrath als Erster im Zuchtbuch des Vereins für deutsche Schäferhunde eingetragen wird.

Warum der Schäferhund bei den Deutschen so beliebt ist? Dafür gibt es viele Gründe. Als Welpe ist er ein verspieltes Kuscheltier, bei dessen Anblick selbst hartgesottenen Hundehassern das Herz weich wird. Ausgewachsen sieht der ideale Schäferhund dann so aus: mittelgross, kräftig, muskulös. Spitze, nach vorne getragene Stehohren. Gestreckte Schnauze. Die Rute buschig und abwärts getragen. Das Fell ist meistens grau-braun, selten schwarz oder gar weiß. Dieses Fell ist wetterfest, hält Kälte, Hitze, Nässe und Schnee aus. Der Hund ist nervenfest, lernwillig und gutartig und hat ein ausgeprägtes Schutzverhalten. Kurz, er ist der ideale Schutz- Wach- Begleit-und Blindenhund, und vor allem bei Polizei, Zoll und Militär beliebt. Und gerade deshalb haben viele Menschen zwiespältige Gefühle gegenüber dem Lieblingshund der Deutschen.

Denn all zu oft hat man den guten Diensthund auf Fotos zähnefletschend mit KZ-Wächtern gesehen. Und war er nicht der ideale Propagandahund der Nazis? Symbol für Mut und Treue, angeblich typisch deutsche Tugenden? War er nicht schon der Lieblingshund von Hindenburg? Und schließlich Blondi! So hieß Hitlers Hund, mit dem er sich gerne ganz privat, menschlich und ach so tierlieb zeigte. Für diesen Propagandamissbrauch konnte Blondi natürlich nichts, trotzdem muss man diese Bilder von Führer mit Hund einfach hassen. Ein ganz schlimmes Ende fand Blondis Sohn Wolf. Der musste das Gift testen, das Adolf Hitler und Eva Braun dann im Führerbunker selber schluckten. Hitlers Schäferhunde sind also Figuren der Weltgeschichte. Sie sind auch Hauptfiguren in der Literatur so z.B. in dem Roman Hundejahre von Günter Grass. Der Schauspieler und Autor Michael Degen macht Blondi zum Erzähler seines gleichnamigen Romans. Und bei den Simpsons schmort das Tier zusammen mit dem Hund von Richard Nixon in der Hundehölle. Und schließlich Komissar Rex, der berühmte österreichische Fernsehhund, der inzwischen in mehr als 150 Ländern bellend Verbrecher jagt. Von seinem amerikanischen Bruder Rintintin ganz zu schweigen!

Der deutsche Lieblingshund ist übrigens nicht nur bei den deutschen Hundehaltern und uniformierten Ordnungshütern sehr beliebt. Der deutsche Schäferhund ist weltweit die am weitesten verbreitete Gebrauchshunderasse. 10 Millionen Hunde dieser Rasse soll es weltweit geben. Sicher ist, dass es in 73 Ländern 82 Migliedervereine in der Weltunion der Vereine für deutsche Schäferhunde gibt. Kein Wunder dass ein Aufschrei durch die Nation ging, als die Bildzeitung im August 2011 berichtete, die deutsche Polizei würde dem deutschen Schäferhund untreu. Tatsächlich verdängen vorallem belgische Schäferhunde das Modell Blondie, Rin Tin Tin und Rex mehr und mehr bei den Ordnungshütern. Die Belgier sind nicht nur billiger, sie haben angeblich auch mehr Temperament und eine grössere Spiel- und Beutemotivation. Der Deutsche Schäferhund bei der Polizei nur noch ein Auslaufmodell? Das ist kein Unglück, private Hundehalter lieben ihn umso mehr.

Text: Hajo Kruse
Bild: Micki Fröhlich

Erstellt: 30-11-12
Letzte Änderung: 12-12-12


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