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ARTE Journal - 20/09/12

" Das kann Europa nicht zulassen"

EU ProSun ist eine Gruppe von mehr als 20 europäischen Photovoltaik-Unternehmen, die Ende Juli eine Handelsbeschwerde gegen chinesisches Dumping von Solarprodukten in der EU eingereicht haben. Die Industrieinitiative verlangt von Brüssel, dass gegen die stark subventionierten Billigimporte aus China, Anti-Dumping-Zölle verhängt werden. Milan Nitzschke, Präsident der Industrieinitiative EU ProSun erklärt, was die Firmen dazu bewogen hat - und was ihre Ziele sind.

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ARTE Journal-Dorothée Haffner: Was ist das Problem mit der chinesischen Konkurrenz?

Transkription
Fairer Wettbewerb funktioniert nach Regeln. China bricht alle diese Regeln und verkauft seine Produkte absichtlich auf dem europäischen Markt deutlich unterhalb der Herstellungskosten. Das kann man machen wenn man ein Unternehmen in China ist und vom Staat mit Miliardenbeträgen subventioniert wird, aber man kann es nicht machen, wenn man in Europa produziert und darauf angewiesen ist, dass man mit dem was man verkauft, auch zumindest soviel erlöst, dass man die Kosten damit decken kann. Dumping ist verboten nach WTO-Recht und nach europäischem Recht. Chinesische Unternehmen bieten ihre Produkte zu massiven Dumpingpreisen, teilweise 30 bis 50% unter Kosten an, deswegen muss man dagegen vorgehen.


Sind deutsche Unternehmen in Sachen Know-How weiter als die chinesische Konkurrenz?

Transkription
Wir haben grundsätzlich einen Vorsprung von 1 bis 1,5 Jahren gegenüber der chinesischen Konkurrenz. Wir sind technologisch führend, wir sind in der Qualität der Produkte führend, wir haben Solarstromanwendungen im Wesentlichen in Deutschland und Europa entwickelt. In China wird natürlich sehr viel kopiert, das ist gar keine Frage, aber nichtsdestotrotz sind wir immer ein Stück voraus. Da helfen im Übrigen auch die Sozial-, Umwelt- und Qualitätsstandards die wir in Europa haben. Es gibt viele Unternehmen, die sich darüber beklagen : der Aufwand an Sozialabgaben und Umweltauflagen sei hier doch sehr groß, und dass man deshalb lieber ins Ausland wolle. Für uns ist das gerade gut, denn das führt dazu, dass wir auch wirklich die Qualität produzieren können, die wir brauchen, um unseren Kunden sie besten Produkte zu liefern.


Was steht bei der EU-Beschwerde auf dem Spiel?

Transkription
Es geht a) um die Zukunftsindustrie Solarenergie in Europa aber es geht b) auch um jede andere Industrie. Denn wenn wir in Europa China das durchgehen lassen, mit solchen nach Handelsrecht illegalen Methoden Märkte zu erobern, dann werden wir nicht nur die Solarindustrie sondern auch jede andere Zukunftsindustrie über kurz oder lang an China verlieren. Und das kann Europa nicht zulassen.


Angenommen die EU schafft es, die chinesische Konkurrenz einzudämmen: heißt das für den europäischen Verbraucher, dass Solarenergie teurer wird?

Transkription
Wir haben dieses Verfahren nicht gestartet damit wir irgendwann die Preise erhöhen können. Was wir allerdings erreichen müssen ist, dass sich die Preise wieder an den Kosten orientieren. Stellen Sie sich einmal die Situation andersherum vor : Würde China mit diesen Praktiken durchkommen, dann würden in sehr naher Zukunft, 95 bis 100% der kompletten Waren auf diesem Solarmarkt aus China kommen. Dann ist absehbar, mit einem quasi-staatlichen Monopol, dass die Preise durch China irgendwann angezogen werden. Was wir brauchen für niedrige und weiter sinkende Preise ist Wettbewerb. Da sind wir hier in Europa ja nicht alleine. Wir haben Wettbewerber in Korea, Taiwan, Malaysia. Das sind alles Länder, die im Ruf stehen sehr billig produzieren zu können. Die werden, solange sie auch fair agieren, auf dem Markt auch weiterhin uns unter Kostensenkungsdruck setzen. Das heißt : natürlich werden die Preise weiter runter gehen, wir werden sehr schnell in ganz Europa erreichen, dass der Strom vom Dach auch mit europäischen Solarstromanlagen billiger wird als der Strom aus der Steckdose. Es wird auch nach der Einführung von Anti-Dumping-Zöllen kein Preisauftrieb geben, im Gegenteil, es wird nachhaltige Preissenkungen geben. Aber die völlig unzulässigen Dumpingpreise Chinas (30-50% unter Kosten), die werden der Vergangenheit angehören.

Was antworten Sie, wenn man Ihnen Protektionismus vorwirft?

Transkription

Das ist Quatsch. Wir wollen ja gerade, dass Handelsrecht, Wettbewerbsrecht angewendet wird. Das ist das Gegenteil von Protektionismus. Wir haben es mit einer Industrie zu tun in China, die vom Staat finanziert und protektoriert wird, und zwar nicht mit dem Ziel China mit Solaranlagen zu beliefern, sondern mit dem Ziel den Weltmarkt zu erobern. Was wir wollen ist, dass wir zumindest uns dagegen wehren dürfen und nicht einfach von dort überrollt werden. Es ist auch von Handelskrieg die Rede. Das ist ein Begriff den ich nicht verwende. Aber wenn es eine aggressive Handlung gibt im Welthandel, dann erfolgt sie ausschließlich durch China. Man kann sich nunmal nicht ständiges Regelbrechen gefallen lassen.

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Erstellt: 30-08-12
Letzte Änderung: 20-09-12