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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

> Sendung vom 13. November 2011 > das Wort: toi, toi, toi!

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Karambolage 249 - 13/11/11

das Wort: toi, toi, toi!

Unser Freund Hinrich Schmidt-Henkel wünscht uns heute viel Glück, auf Französisch, auf Englisch und auf Deutsch.

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Zwei deutsche Schauspieler flüstern sich etwas ins Ohr, bevor sie die Bühne betreten. Was mögen sie wohl sagen? "Viel Glück" oder vielleicht auch "Vergiss heut nicht schon wieder deinen Text!"?

Nein, alle Deutschen wissen es, sie sagen toi, toi, toi!, was in der Tat viel Glück bedeutet. Merkwürdigerweise darf der andere darauf keinesfalls mit danke antworten -  der Aberglaube der Theaterleute verbietet das streng!

Für Franzosen liest sich dieses toi, toi, toi!, also wie das Personalpronomen toi, entsprechend moi oder lui.

Aber damit hat es nichts zu tun: Dieses toi, toi, toi! symbolisiert das Geräusch des Ausspuckens – und das Ausspucken ist genau wie das Herausstrecken der Zunge ein Mittel zur Abwehr böser Geister – jedenfalls gilt das im Volks- und Aberglauben.

Und was sagt ein englischer Schauspieler vor der Aufführung zu seinem Kollegen? "Break a leg"brich dir ein Bein. Du liebes bisschen! Auf Deutsch sind wir ja noch drastischer, wir wünschen gutes Gelingen, indem wir Hals- und Beinbruch wünschen. Seltsam eigentlich.

All diese Wendungen stammen von der uralten Vorstellung, dass die Schicksalsgeister nicht tätig werden, wenn man etwas Übles wünscht – doch hören sie einen guten Wunsch, dann erwacht ihr Neid, und sie versuchen zu schaden.

Gut, zurück zum toi, toi, toi! Wie übersetzt man das ins Französische? Das weiss in Frankreich jedes Kind: "merde !"Scheiße!. Doch warum soll Scheiße Glück bringen? Das führt wieder ins Theater: Angeblich stammt das aus der Zeit, als die Zuschauer mit der Pferdekutsche ins Theater fuhren, und wenn die Straße vor dem Schauspielhaus voller Pferdeäpfel war, also voller Scheiße, hieß das, dass die Aufführung bestens verkauft war. Und darum bringt auf Französisch die Scheiße Glück - "merde !"


Text: Hinrich Schmidt-Henkel
Bild: Claude Delafosse

Erstellt: 04-11-11
Letzte Änderung: 23-11-11


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