Waltraud Legros, unsere österreichische Linguistin, spielt heute mit uns Tennis. Im Geiste wohlgemerkt.

Es scheint völlig unnötig, sich über die Herkunft des Wortes "TENNIS" Gedanken zu machen. Die Vokabel kommt selbstverständlich aus dem Englischen. Tennis ist ein englischer Sport. Das stimmt. Der Sport kommt aus England aber das Wort "TENNIS" ist französischer Herkunft. Tatsächlich waren die Engländer die ersten Tennisspieler. Tennis war in seinen Anfängen ein nobler Zeitvertreib für wohlhabende oft adelige Leute und es ging bei diesem Spiel auch entsprechend vornehm zu. Der britische Aufschläger, wenn er also den Ball losschickte, rief seinem Partner ein höfliches französisches "
Tenez!" zu, was soviel heisst wie: "Bitte, nehmen Sie!". Doch diese englischen Gentlemen sprachen das französische "
tenez" auf ihre Art aus: "
tennis".

Die Franzosen haben sich das Wort zurückgeholt, nennen besagten Ballsport "
tennis" und sind überzeugt, sich einer englischen Vokabel zu bedienen.Genau wie die Deutschen. Und weil wir schon beim Sport sind: "SPORT" kommt ebenfalls aus dem französischen. Auch wenn sich die französische Sprache ihrerseits in der Vorratskammer des Lateinischen bedient hat.

"
Deportare" heisst im Lateinischen wörtlich "auseinandertragen", dem vielleicht das deutsche "sich zerstreuen" am besten entspricht. Daraus wurde dann das vergessene französische "
desport", im Sinne von Zerstreuung. Im Spanischen ist dieses lateinische "dis-portare" übrigens heute noch sichtbar: da heisst der Sport "
el deporte" und der Sportler wie der Rennwagen ist ein "
deportivo".

Leider dient heute weder das Tennisspiel noch der gesamte Sport nur dem noblen Zeitvertreib oder der erfrischenden Zerstreuung. Man schwitzt und leidet sich "fit" oder aber man kämpft in beinharten Meisterschaften und Olympiaden um den Silberpokal oder die Goldmedaille. Manchmal bis zur Erschöpfung. Daran ist aber bitte nicht die Sprache schuld!