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Ein Magazin von Claire Doutriaux

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Ein Magazin von Claire Doutriaux

Jeden Sonntag um 20 Uhr

Ein Magazin von Claire Doutriaux

Sendung vom 5. November 2006 - 05/11/06

das Symbol: der unbekannte Soldat

der unbekannte Soldat


Gestern, am 11. November, gedachte Jacques Chirac dem Ende des ersten Weltkriegs, indem er einen Kranz am Grabmal des unbekannten Soldaten niederlegte. Elsa Clairon erzählt uns die Geschichte des Grabes.


soldat1.jpg.imageDataAm 11. November wird in Frankreich Jahr für Jahr das gleiche Ritual begangen. Der französische Staatpräsident begibt sich unter den Triumphbogen in Paris und legt während einer sehr feierlichen Zeremonie einen Kranz vor die ewige Flamme, die über das Grab des unbekannten Soldaten wacht. Der Soldat, der dort ruht, symbolisiert ALLE gefallenen Soldaten; doch zunächst stand er für die eineinhalb Millionen gefallenen französischen Soldaten des ersten Weltkrieges.

soldat2.jpg.imageDataMitten im Krieg 1916 überlegt man, einem der unidentifizierten Soldaten, die im Kampf fürs Vaterland starben, nationale Ehren zu erweisen. Man denkt zuerst ans Pantheon, Ruhestätte berühmter Franzosen. 1920 entscheidet man, den unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen zu begraben; ein einzigartiger Ort, um diesen Toten – Symbol aller Gefallenen – besonders zu würdigen. Der Soldat soll auf dem Schlachtfeld gefallen sein, französischer Staatsbürger und völlig anonym. Am 10. November 1920 werden 8 Särge werden von verschiedenen Frontabschnitten nach Verdun überführt: Flandern, Artois, Somme, Ile-de-France, Chemin des Dames, Champagne, Verdun, Lothringen. Ein junger Soldat vom 132sten Regiment, Auguste Thin, wird beauftragt, den unbekannten Soldaten auszuwählen, indem er einen Blumenstrauß auf einem Sarg niederlegt. Der Sarg wird nach Paris gebracht. Am 28. Januar 1921 wird er unter dem Arc de Triomphe beigesetzt, im Beisein der Regierung und den drei Marschällen Foch, Joffre und Pétain.

soldat3.jpg.imageDataDem unbekannten Soldaten wird posthum die Ehrenlegion, die Militärmedaille und das Kriegsverdienstkreuz verliehen, als höchste Ehrung des Vaterlandes für seine anonymen Helden, die im Kampf ihr Leben ließen. Doch das Denkmal des unbekannten Soldaten gerät rasch in Vergessenheit. Deshalb zündet der Kriegsminister André Maginot am 11. November 1923 eine ewige Flamme an, die von nun an die Totenwache hält. Die Flamme entspringt einem Kanonenrohr, das in einem Bronzeschild eingelassen ist, der von Schwertern umringt ist.

Seit 1923 ist die Flamme nie verloschen. Jeden Tag um 18 Uhr 30 wird sie von dem Verein "Die Flamme unter dem Triumphbogen" wieder entfacht. Weder am 14. Juni 1940, als die Deutschen in Paris einmarschierten, noch unter der Besatzungszeit, wurde das Ritual unterbrochen: es war die einzige nationale Zeremonie, die der deutsche Besatzer duldete. So wurde der 11. November - Jahrestag des Waffenstillstands zum Ende des ersten Weltkriegs - also ursprünglich ein Tag der Erleichterung und des Jubels, zu einem Trauertag, an dem man der Toten gedenkt. "Aux morts!" Die Schweigeminute – die laizistische Form des Gebets – und das Totensignal machen das Grab des unbekannten Soldaten mit der ewigen Flamme zur Stätte eines nationalen, patriotischen Rituals. Auch andere Länder ehren ihren unbekannten Soldaten. In Deutschland geschieht dies in der Neuen Wache in Berlin. Karambolage wird demnächst auf die Geschichte der Neuen Wache zurückkommen.

Text: Elsa Clairon
Bild: Claire Doutriaux

Erstellt: 24-10-06
Letzte Änderung: 10-09-09


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